Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
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ruhe 21; das Irregehen mit jenen Zauberweſen hält ſie auf jeden Fall für Aberglauben 92. Bei der Buche ſind ihr die Feen, daß ſie wüßte, nicht erſchienen, ob ſie dieſelben anderwärts geſehen oder nicht, vermag ſie nicht zu ſagen 93. Die Kränze, welche ſie unter dem Baume gewunden, hat ſie nicht zu Chren der heiligen Katharina und Margareta aufgehängt ²*, auch haben dieſe Heiligen nicht mit ihr unter der Buche geredet 95. Von ihrem Bruder hat ſie vernommen, man erzähle ſich in der Heimat, ſie habe ihre Sendung bei dem Baume empfangen. Sie erklärt das für unwahr und ſtellt es entſchieden in Abrede 96. Dagegen bekennt ſie freimuͤthig, daß Catha⸗ rina und Margareta an der Quelle mit ihr geſprochen und daß ſie dieſelben gehört habe, was aber die Heiligen geſagt, hat ſie vergeßen 9. 8.va

Nach alle dem ſteht ſoviel feſt, daß Johanna die Exiſtenz der Feen nicht beſtreitet, daß ſie aber nicht weiß, welche Bewandtnis es mit denſelben hat, und was die Hauptſache iſt ſie weder bei dem Baume, noch ſonſt irgendwo geſehen hat. Dies beweiſt zur Genüge, daß Jo⸗ hanna ſich durchaus keiner Gemeinſchaft mit den Feen bewußt war. Gemeinſchaft hat ſie einzig und allein mit den Heiligen des Paradieſes, und dieſe ſind ihr, wie an vielen Orten, ſo auch bei der Quelle gegenwärtig geweſen. Damit iſt nun keineswegs geſagt, daß die Feeuſage ohne Wirkuug auf Johanna geblieben ſei. Sollte das reizbare, auf das Ueberſinnliche von Jugend an gerichtete Kind nicht mit geſpannter Aufmerkſamkeit den Erzählungen über die Feen gelauſcht haben? Erhielten dieſe nicht dadurch, daß ſie ſich an einen feſten, ſinnlichen Gegenſtand, an eine örtliche Grundlage anſchloßen, eine beſondere Anſchaulichkeit? Und beſtand nicht zu Jo⸗ hannas Zeiten der Glaube unangefochten, daß die Geiſter, gute wie böſe, unter den Menſchen wandelten, ihnen erſchienen, ja perſönlichen Umgang mit ihnen pflegten?*) Was Wunder alſo, wenn gerade die Feenſage dazu beigetragen hätte, die Vorſtellungen von einem lebendigen Verkehr der Geiſter mit den Menſchen frühzeitig in ihr zu wecken und zu beleben! Damit iſt aber auch die Grenze gezogen, über die wir nicht hinausgehen dürfen, wollen wir nicht alles, was wir von Johanna wißen, Lügen ſtrafen und den augenfälligſten Thatſachen Hohn ſprechen*). Wären die Feen in der Idee der Landleute gute Geiſter geweſen, dann dürften wir vielleicht einen Schritt weiter gehen und die Vermuthung aufſtellen, Johanna habe ſich in früher Kind⸗ heit zu denſelben hingezogen gefühlt und von wunderbaren Ahnungen bewegt, Baum und Quelle gern aufgeſucht, um daſelbſt den Zuſpruch jener guten Geiſter zu vernehmen und ſich von ihnen die geheime Unruhe deuten zu laßen, womit ſie Afu war. Die kindiſchen Träumereien müſten natürlich ſehr bald vor dem Lichte kirchlicher Gläubigkeit zergangen ſein und die Feen den Hei⸗ ligen des Paradieſes Platz gemacht haben. Aber die Vorausſetzung, unter der man eine ſolche Entwickelung der Jungfrau gelten laßen könnte, iſt durchaus nicht ſtatthaft. Die Feen wurden ja für böſe, durch das Evangelium von Baum und Quelle verſcheuchte Geiſter gehalten, wie die Zeugen beſtimmt ausſagen. Solche dämoniſche Weſen konnten, zumal bei Kindern, nicht Zuneigung, ſondern nur Grauen und Schauer der Furcht erwecken, und ſomit wäre der Wahn, in Gemeinſchaft mit denſelben zu ſtehen, nur bei ſolchen Ferſanen denkbar, die von früh an eine entſchieden ſataniſche Richtung e nsh lagen hätten. Johanna unter dieſe zählen, hieße heutzu⸗ tage geradezu Unſinn ſchwatzen, und wird es ſo lange heißen müßen, als man an den guten Früchten den guten Baum erkennt, und nicht Trauben von den Dornen, Feigen von den Diſteln geleſen wer⸗ den. Soweit wir in ihre Kindheit zurückblicken, finden wir auch nicht die leiſeſte Spur einer ſolchen Verirrung, ſondern durchweg die deutlichſten Merkmale eines gotterfüllten, nur für das Gute offenen Herzens. Nicht der Feenplatz, ſondern der Altar iſt die Stätte, wo ſich Johanna von früher Jugend an in das Reich der Geiſter verſenkte. Da ſchloß ſie die Heiligen, vor deren Bildern ſie anbetend

*) Intereſſant iſt eine Außerung der Johanna über die guten Geiſter, 0. I, 130(Angeli) multotiens Tn unedaner christianos, et non videntur, et ipsa eos saepe vidit inter christianos. Vgl. 143.

**) Daß die Richter ein arges Gewebe zuſammengeſponnen haben, kann nicht befremden. S. die ſieben erſten Artikel des Promotors, Q. I, 204 sq. mit Johannas Gegenerklärungen.