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1 (1857)
Entstehung
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ders gingen die Kranken, ſobald ſie das Bett verlaßen durften, daſelbſt ſpazieren, um vollends zu geneſen 6s. Neben dem Baume, etwas weiter nach dem Dorfe hin 6i, fleß eine Quelle, der man Heilkraft gegen das Fieber zuſchrieb 65. Auch ſollte in der Nähe des Baumes unter einem Haſelſtrauche eine Alraunwurzel in der Erde verborgen ſein, womit man Geld auffinden koͤnne, doch galt es für gefährlich, eine ſolche Zauberwurzel zu haben 66. Der Sage nach hielten ſich in früherer Zeit die Feen unter der Buche auf 6:, und Menſchen gingen irre mit den Feen am Donnerſtag ôs; in einem Roman(Chronik des Landes) war zu leſen, es habe vor Alters ein Ritter von Bourlemont, Herr von Domremy*,, ſich mit einer Fee unter dem Baume zuſammen⸗ gefunden 6; ja eine Pathin der Johanna verſicherte, die Feen noch ſelbſt geſehen zu haben 70. Keiner der Zeugen jedoch hat gehoͤrt, geſchweige geſehen, daß die Feen noch zu ſeiner Zeit bei dem Baume umgingen, ſie behanpten vielmehr das Gegentheil?I. Die Feen dürfen um ihrer Sünden willen nicht mehr kommen, ſeit der Prieſter am Vorabend des Himmelfahrtfeſtes mit dem Kreuze durch die Fluren geht und unter dem Buchenbaum wie bei der Quelle das Evan⸗ gelium Johannis lieſt 72. Es ſieht das wie eine Art von Sühnung aus und die Vermuthung drängt ſich auf, die ganze Gegend ſei ehemals ein Sitz heidniſchen Goͤtzendienſtes geweſen, deſſen Hauptſtätte die Liebfrauenkapelle bilden mochte. Vielleicht iſt ſelbſt das Frühlingsfeſt, welches die Kinder von Domremy feierten, aus heidniſchem Naturdienſt hervorgegangen, an welchen die Feen erinnern. Jedes Jahr nämlich begaben ſich die jungen Leute von Domremy, Greux und anderen Dörfern 73 am Sonntage Lätare im feſtlichen Jugs unter jenen Baum, führten daſelbſt Reigentänze auf mit Geſang, beluſtigten ſich an heiterem Spiel und verzehrten die Brötchen, welche eigens für dieſen Tag im Dorfe gebacken wurden. Den Baum ſchmückten ſie mit Blu⸗ mengewinden, die ſie beim Eintritt der Nacht entweder mit nach Hauſe nahmen oder auch zu⸗ rückließen*4. Auf dem Rückwege gingen ſie, Geſang und Spiel fortſetzend, zur Heilquelle, manchmal auch zu andern Quellen 75, tranken von dem Waßer und pflückten Blumen. Der Sonntag Lätare führte von dieſem Feſte den Namen Bornſonntag*s und die ganze Feier bezeich⸗ nete man mit der Redensart: facere suos fontes ²7, ein kurzer Ausdruck für faire oder célébrer le dimanche des Fontaines. Die Tradition über den Urſprung des Feſtes war erloſchen, we⸗ nigſtens wißen die Zengen keinen anderen Grund für die Feier anzugeben, als die Schönheit des Baumes, Gewohnheit, Vergnügen und Kurzweil 7s. Uebrigens wiederholten ſich dieſe Aus⸗ züge ofters im Frühjahr und Sommer, beſonders an Feſttagen ¹³; auch veranſtalteten die Herr⸗ ſchaften von Domremy manchmal des Jahrs mit ihrem ganzen Hauſe dergleichen Luſtbarkeiten, wobei ſie die Dorfkinder bewirteten so. Johanna hat in ihrer Kindheit gethan wie die anderen Kinder si, iſt mitgegangen sꝛ, hat mit getanzt, geſcherzt, geſungen, doch pflegte ſie mehr zu ſin⸗ gen als zu tanzen 84. Kränze hat ſie ebenfalls gebunden und an den Baum gehängt, meiſtens brachte ſie dieſelben der heiligen Jungfrau von Domremy 84. Im reiferen Alter, zumal nachdem ihr die Heiligen ihre Meiteiwiinid verkündigt, hat ſie ſich wenig aus jenen Spaziergängen und Scherzen gemacht, und ihres Wißens nicht getanzt 8s. Allein oder in beſonderer Abſicht iſt ſie nicht nach dem Baum und der Quelle gegangen 8s. Ob das Trinken aus der Heilquelle wirk⸗ lich jemanden geſund gemacht, iſt ihr unbekannt 87. Eine Zauberwurzel hat ſie nie geſehen und glaubt nicht, daß man damit Schätze heben könne, die Heiligen haben ihr niemals etwas darüber offenbart ss. Nie hat ſie gehört, daß ſich die Feen in dem Eichenwalde aufhielten 8o. Ob die Feen böſe Geiſter ſind, weiß Johanna nicht 90; ebenſowenig ob die Verſicherung ihrer APathin die übrigens nicht für eine Hexe gehalten wurde, ſondern in gutem Rufe ſtand, auf Wahrheit be⸗

sont toutes rondes, et rendent une belle et grande ombre pour s'abriter dessous, comme pres- que Pon feroit au couvert d'une chambre. Et faut que cet arbre aye ponr le moins trois cents ans, qui est une merveille de nature. Cet arbre n'existe plus, mais le souvenir s'en est con- servé dans le pays. Les plus anciens de Domremy se rappellent encore avoir entendu dire qu'il avait été arraché par un habitant, nommé Soudart. 112 12

*) Dieſer Familie gehötte der Baum, 0. I, 67. 212. II, 398.