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1 (1857)
Entstehung
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Zeuge Morel, ſie ſei oftmals in der Liebfrauenkapelle geweſen, wenn ihre Eltern ſie auf Feld oder Trift beſchäftigt geglaubt hätten 46. Sie brachte dem Marienbilde Kerzen, bei günſtiger Jahreszeit Blumenkränze 48 und betete am Altare 44. Ueberhaupt diente ſie der heiligen Jung⸗ frau mit großem Eifer so. So war demnach Frömmigkeit der Grundton ihres ganzen Lebens und aleichſam der Mutterboden, aus dem alle ihre Tugenden hervorwuchſen.

Wie ſich Johanna in dem Stillleben der Heimat gezeigt hatte, ſo bewährte ſie ſich auch in den Stürmen des Krieges. Das Lager⸗ und Kriegsleben that ihrer Frömmigkeit nicht nur keinen Abbruch, ſondern bewirkte gerade das Gegentheil. Aus dem Glauben göttlicher Sendung entſprang mit Nothwendigkeit mitten in dem Zerwürfnis der Wirklichkeit eine Heiligung des Lebens, die in der Kriegsgeſchichte ſchwerlich ihres Gleichen hat. Wuſte ſich Johanna als Got⸗ tes Streiterin, wie konnte ſie anders, als in Gottes Gehorſam und Befolgung ſeiner Heilsord⸗ nungen einhergehn? Das Stahlgewand der irdiſchen Kriegerin muſte zum Harniſch göttlichen Heldenthums werden. Vom Himmel herunter muſte ſie Kraft und Segen Gottes holen, wollte ſie ſein Banner ſiegreich tragen und ſeines Willens Vollſtreckerin ſein. Darum: je mehr ſie der Hülfe von oben bedarf, deſto flammender werden ihre Gebete, je heißer der Drang der Noth, deſto feuriger Johannas Andacht. Tag und Nacht bittet ſie Gott um Ausrichtung ihrer Sen⸗ dung. Täglicher Kirchgang, tägliche Meſſen, Beichten, an jedem Freitag Faſten, wöͤchentliche ja noch öftere Abendmahlsfeier. Keine Schlacht wird von ihr begonnen, bevor ſie durch Beichte und Abendmahl ihr Gewißen geſtillt hatte, keine gewonnen, ohne daß ſie Gott die Ehre gibt. Mit einem Worte: die Ausſagen der Augenzeugen vereinigen ſich zu einem ebenſo glänzenden Gemälde von Johannas Frömmigkeit im Kriege, als die Zeugen der Heimat von ihrem Ver⸗ halten in Domremy gegeben haben ¹. Als Botin Gottes und Verlobte des Paradieſes, die das Gelübde der Jungfräulichkeit gethan, muſte ſie unter dem wüſten, ſittenloſen Kriegsvolk als ediſer jungfräulicher Reinheit und Keuſchheit daſtehen 52. Und wie ſie ſich bewuſt war, in Got⸗ tes Auftrag die Sache Gottes zu führen, ſo wollte ſie auch, daß das Heer, welches Gottes Schlachten ſchlug, von göttlichem Geiſte durchdrungen ſei. Mit heiligen Waffen ſollte der hei⸗ lige Kampf für das heilige Frankreich gefochten werden. Durch die Macht ihrer Ehrfurcht ge⸗ bietenden Perſönlichkeit übte ſie einen tiefgreifenden Einfluß wie auf ihre nächſte Umgebung, ſo auf die ganze Armee und übertrug den Geiſt, der ſie beſeelte, auf Hohe und Niedere 4). Ueber⸗ all ſuchte ſie chriſtliche Zucht und Sitte herzuſtellen und den Ordnungen der Kirche Geltung zu verſchaffen 54. Sie erhob den geſunkenen Muth zur Siegeszuverſicht, indem ſie die Hoffnung auf Gottes Beiſtand neu belebte 5s, legte der Grauſamkeit und Rachſucht Zügel an, that dem läſterlichen Fluchen und Schwören Einhalt 56 und leuchtete allen als Vorbild in Wort und Werks:. Der Stempel ſittlicher Hoheit war ihr auf die Stirn gedrückt. Kein Wunder. wenn ſie, die ſelbſt wie ein Wunder erſchien, allgemein als eine Heilige betrachtet und geehrt wurde 5s. Entſprachen vollends Thaten, die man nur bei Gott möglich geglaubt hatte, ihren Verheißungen, ſo konnte es nicht fehlen, daß die Ueberzeugung, ſie ſei von Gott geſendet, ſich faſt durchgängig Bahn brach 5u9.

Für ein ſinniges, ahnungsreiches Gemüth hatte die Gegend von Domremy manches Er⸗ weckliche. Unfern des Dorfes*) ſtand neben der Landſtraße, welche nach Neufchateau führt, in der Richtung nach der Marienkapelle hin ein Buchenbaum, unter dem Namen Feenbaum oder Schönmai in der ganzen Gegend bekannt 60. Die Buche war uralt, von ſeltener Groͤße und Schönheit 62. Ihre mächtigen, ringsum bis auf die Erde niederhangeuden Aeſte bildeten ein rundes Laubdach**), deſſen Schatten in der warmen Jahreszeit viele Beſucher anlockte. Beſon⸗

*) Q. Aperc. p. 7: Au pied du coteau, la chaumière de la famille d'Arc joignant le pourpris de Léglise, un peu plus loin, en montant, entre des touffes de groseilliers, la fontaine(ſ. Q. II, 391) ombragée du famenx arbre, du hètre séculaire, dont mille récits faisaient le séjour des

fées; enfin, sur la hauteur, le Bois-Chenu. etc. *) Q. II, 390 Anm.: En 1628, Edmond Richer, témoin oculaire, écrivait:Les branches de ce fau