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zwiſchen Domremy und Voucouleurs, hören wir, daß es Burgundiſch geſinnt geweſen. So ſpielten alſo ſchon um Johannas Wiege die beiden Genien, welche einſt ihren Namen zu den Sternen tragen ſollten: frommer Sinn und Vaterlandsliebe. Und zwar beide nicht in der farb⸗ loſen Allgemeinheit abſtracter Begriffe, ſondern in ihrer concreteſten Geſtalt, als perſönliche Treue und Liebe zu dem Herrn des Himmels und dem Oberhaupte des Staates. Nur ein ſolches Ver⸗ hältnis entſpricht der Lebensſtufe der Landleute, und was namentlich die Beziehung zu dem Fürſten anlangt, ſo iſt hier einerſeits das beſondere Verhältnis von Domremy und Umgegend als Kammergut des Königs in Anſchlag zu bringen, andererſeits die Thatſache feſtzuhalten, daß in damaliger Zeit der Fürſt überhaupt der natürliche Hort und Beſchützer gegen die Uebergriffe des ſtolzen Adels war.
Johannas Eltern waren ehrbare Landleute von unbeſcholtenem Rufe, allgemein geachtet als gute Chriſten und Katholiken 5. Sie hatten drei Söhne: Jacquemin(Deminutiv des vä⸗ terlichen Namens), Johann, Peter(auch Pierrelo) und außer Johanna noch eine Tochter, de⸗ ren Name nicht bekannt iſt*). Von etwas Ackerbau und Viehzucht lebten ſie ſpärlich, ohne je⸗ doch zu darben s. Sie hatten wenig und bedurften wenig, Mäßigkeit und genügſame Zufrieden⸗ heit erſetzten, was an Gemächlichkeit gebrach. Unter dieſen Umſtänden entging Johanna auf der einen Seite den Verſuchungen des Reichthums, auf der andern Seite blieben ihr die Gefahren der übergroßen Dürftigkeit fern, welche häuſig das geſunde Selbſtgefühl niederhält und die Schwungkraft der Seele lähmt, indem ſie jede Fähigkeit zum Erwerb des täglichen Brodes ver⸗ pfändet. Ihre Bildung entſprach ihrem Stande. Von einem förmlichen Schulunterrichte iſt nirgends die Rede, leſen und ſchreiben hat ſie nie gelernt:. Zu weiblichen Arbeiten zeigte ſie viel Geſchick, wenigſtens ſpann und nähte ſie mit großer Fertigkeits. Ohne Zweifel iſt ſie darin von ihrer Mutter unterwieſen worden. Auch die Anfangsgründe des kirchlichen Gkaubens, das Pater noster, Ave Maria, Credo, verdankt ſie allein der Mutter“, von welcher ſie in Gottes⸗ furcht, chriſtlicher Zucht und Sitte erzogen wurde. So blieb was die Natur in ſie gelegt hatte in originaler Urſprünglichkeit, und das Wenige, was ſie lernte, knüpfte ſie an den Himmel an. Was ihr an Kenntniſſen abging, wurde reichlich aufgewogen durch glänzende Naturgaben. Schärfe des Verſtandes und Feinheit des Urtheils, unterſtützt durch ein außerordentliches Ge⸗ dächtnis 10, wunderbare Energie der Einbildungskraft getragen von eiſerner Willensſtärke, der Adlerblick des Genies im Verein mit ungewöhnlicher Gemüthstiefe: das ſind die Gaben, von denen die Thaten und Verhöre der Jungfrau zeugen. Solche Vorzüge hätten im. Dienſte einer einſeitigen Weltbildung die Seele der Johanna in Hochmuth verderben mögen, in den engen Verhältniſſen von Domremy war kein Spielraum für dieſelben, und als Johanna auf den Schauplatz der Welt trat, erhielten jene Anlagen durch die Idee göttlicher Berufung ihre Weihe.
Die Beſchäftigungen der Johanna waren die gewöhnlichen der Landmädchen. Sie war ihrem Vater und ihren Brüdern bei der Feldarbeit behülflich, ging ihrer Mutter zur Hand bei den Geſchäften der Haushaltung und hütete bisweilen das Vieh ihrer Eltern. Auch die Dorf⸗ herde hat ſie geweidet. Der Sitte gemäß ging dies reihum bei den Bewohnern des Ortes, welche ihre Kinder damit beauftragten ⁴¹). Je älter ſie wurde, deſto mehr traten die Arbeiten auf Feld und Trift hinter der häuslichen Thätigkeit zurück. In den letzten Jahren ihres Hei⸗ matlebens war die Beſorgung des Hausweſens ihr eigentliches, faſt ausſchließliches Geſchäft. An der Feldarbeit wird ſie noch während der Ernte und in den Zeiten, wo die Arbeiten des Landmannes ſich häufen, Theil genommen haben. Die Herden half ſie wohl auf den Anger
*) Von der Liebe, welche in der Familie herrſchte, haben ſich einige ſprechende Züge erhalten. Der Vater und älteſte Bruder ſollen ſich über das Schickſal der Johanna zu Tode gehärmt haben (Q. II, 388 Anm. 1 und V, 83); Johann und Peter folgten der Schweſter nach Frankreich (o. 111, 101. 198. 1V, 126. 153. 300. V, 108. 213. 260); über den Schmerz der Mutter, wel⸗ che im Namen der Familie und Verwandten klagend im Reviſionsproceß auftrat, ſ. Q. II, 83. 93. 282. 283. III, 368. 370. 373.


