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von ſchlechten Räthen umgeben*), von Geldmitteln entblößt**), ohne Heer und ſelbſt der fremden Truppen beraubt, überließ ſich den trübſten Gedanken. Pweifl an der Echtheit ſeiner Geburt, durch der Mutter unkeuſchen Wandel nur zu ſehr gerechtfertigt, nagten an ihm, und die Erfolgloſigkeit einesjeden Unternehmens ſchien ihm den Willen Gottes anzudeuten, die Krone des Reiches ſeinem Stamme zu entziehen. Ernſtlich dachte er daran, ſich nach Schott⸗ land oder Spanien**n), oder in die Dauphine zurückzuziehen, um wenigſtens der Gefangenſchaft und dem Tode zu entgehen †). Von dieſem Entſchluß, der die Auflöſung des Reiches unfehl⸗ bar zur Folge gehabt haben würde, brachte ihn ſeine hochherzige Gemahlin Maria von Anjou zurück, welche ihre Kleinodien, ihr Gold und Silber, ja ſogar die Geräthſchaften und Zieraten ihrer Kapelle veräußert haben ſoll, um damit den Sold der Krieger zu beſtreiten ††). Doch nicht durch die königliche Familie, nicht durch ein Fürſten⸗ oder Adelsgeſchlecht, nicht durch die Tap⸗ ferkeit eines Kriegshelden oder die Weisheit eines Staatslenkers ſollte Frankreich Rettung wer⸗ den. Die Rettung kam aus einem Stande, der am wenigſten befleckt war mit den herrſchenden Laſtern, aus dem Geſchlechte, das oftmals Standhaftigkeit, Begeiſterung, Gottvertrauen bewährt hat, wo die Stärke der Starken und die Weisheit der Weiſen zu Schanden geworden iſt. Ein Kind des Glaubens ſollte wiederbauen, was der Unglaube und die Gottloſigkeit der Franzöſi⸗ ſchen Großen in Trümmer geworfen hatte; eine Tochter der Armut ſollte die ſtolzen Entwürfe zu nichte machen, womit die ungemeßene Selbſtſucht der Engländer ſich trug; Freund und Feind endlich ſollte zur Beſchämung des Hochmuths von einer Jungfrau lernen, daß Gott die Schwa⸗ chen auserwählen kann, um die Gewaltigen zu demüthigen, und daß dem Schwerte des Geiſtes keine irdiſche Waffe Stand hält. Die Herrlichkeit, welche ſie zu ſolchem Werke mitbrachte, war die Herrlichkeit weltüberwindender Demuth und frommer Einfalt; die Macht, die ihr den Sieg gab, war die Macht des bergeverſetzenden Glaubens und gottbegeiſterter Liebe für König und
Vaterland ††).
*) Siehe das ſcharfe Urtheil Quicherats Aperc. p. 25— 29 über La Tremouille, über den Erzbiſchof von Reims Regnauld de Chartres, über Robert Lemacon und Raoul de Gaucourt.
**) Es ſollen ſich in dem Schatze nur 4 Thaler befunden haben, wie die Frau des Generaleinnehmers Touroulde Q. III, 85 bezeugt: Ejus maritus erat tunc temporis receptor generalis, qui illo tem- pore, nec de pecunia regis, nec de sua, habebat nisi quatuor scuta. Vgl. 93, 399 s—. IV, 325.
*) 0. IV, 280(Sala). 509(Papſt Pius II.). V, 339(Fragment du religieux de Dunfermling).
†) Q. IV, 127(Journal): Et notiffièrent leur fait au roy, pardevant lequel avoit jà esté traicté par plusieurs fois en son conseil que le meilleur estoit qu'il se retirast au Daulphiné, et le gardast avecques les pays de Lyonnais, Languedoc et Auvergne, au moins se on les pouvoit sauver, se les Angloys gaignoyent Orléans. IV, 309.
†t) Le Brun I, p. 216. Delort: Essai critique sur P'histoire de Charles VII, d'Agnèés Sorelle et de Jeanne d'Arc, Paris 1824, p. 14 sq. Bekanntlich wird der Ruhm dieſer That von anderer Seite der Geliebten des Königs, Agnes Sorelle, zugeſchrieben. Die angeführten Schriftſteller haben be⸗ wieſen, daß Agnes Sorelle erſt zu Ende des Jahres 1431, oder gar zu Anfang des Jahres 1432 an den Hof gekommen iſt. Erſterer widerlegt auch den Einwurf, den man aus dem Umſtande entnommen hat, daß ſich die Königin damals nicht in Chinon, ſondern zu Bourges aufhielt, weil die Liebe ihres Gemahls zu ihr bereits erkaltet war. In den Proceſſacten iſt von Agnes Sorelle nirgends die Rede, ſie hat in der Geſchichte der Jungfrau von Orleans überhaupt keine Stelle.
†rt) 0. 1, 145: Interrogata(Johanna) quare ipsa hoc habuit plus quam una alia: respondit quod placuit Deo ita facere per unam simplicem puellam, pro repellendo adversarios regis. 178: Interrogata utrum Deus erat pro Anglicis, quando ipsi prosperitatem habebant in Francia: respondit quod nescit utrum Deus odiebat Gallicos; sed credit quod volebat permittere eos puniri pro peccatis eorum, si in illis erant.


