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ſie das Bollwerk vom ſchönen Kreuz*), oder auch kurzweg das Brückenbollwerk nannten. Dann zündeten ſie am 23. October die Tournellenſchanze an und räumten Tags darauf, als die Feinde zum Sturme anrückten, die Türme faſt ohne Widerſtand. Das Commando in denſelben übergab Graf Salisbury an Wilhelm Glasdale, und dieſer ſtellte nicht nur die Südſchanze ſammt den Türmen wieder her, ſondern baute auch zur Deckung der letzteren gegen das Feuer des feindlichen Brückenbollwerks eine Nordſchanze in den Fluß hinein, nachdem er zwei Brückenbogen hatte einreißen laßen, und verſah ſämmtliche Werke mit dem ſchwerſten Geſchütze. Große Be⸗ ſtürzung verbreitete der Verluſt der ſüdlichen Schutzwehren unter den Bürgern von Orleans, ihr Muth wurde indeſſen wieder gehoben theils durch die Ankunft des Baſtards von Orleans, des La Hire, des Marſchalls von Sainte⸗Severe und anderer Kriegshäupter nebſt 800 Strei⸗ tern, theils durch den Tod des Engliſchen Feldherrn Grafen von Salisbury, welcher von einer Kugel getroffen wurde, als er aus einem Fenſter der Tournellen die Stadt überſchaute**). An ſeiner Stelle ernannte der Herzog von Bedford den Grafen von Suffolk, einen ebenſo kriegs⸗ kundigen als edeldenkenden Mann, zum Oberbefehlshaber der Belagerungsarmee. Dieſer ließ eine anſehnliche Beſatzung unter Glasdale auf der Südſeite und begab ſich mit dem Hauptheere auf das rechte Ufer des Flußes, um die Stadt von allen Seiten einzuſchließen. Hier ſteß zu ihm der ruhmreiche Johann Talbot, erſter Baron von England, welchen Bedford dem Grafen zur Unterſtützung mit einer zahlreichen Mannſchaft von Engländern und Burgundern geſandt hatte. Um die eigentliche Stadt völlig abzuſperren umgaben die Engländer dieſelbe im Norden, Oſteu und Weſten mit einem Kranze von Belagerungswerken***), aber obgleich dieſe auf allen Verbindungsſtraßen angelegt waren, ſo reichten ſie dennoch nicht aus, um jede Zufuhr von Le⸗ bensmitteln und Kriegsbedarf abzuſchneiden und wiederholte Truppenzuzüge zu verhindern. Wo⸗ chen und Monate verfloßen unter beſtändigen Kämpfen, und je mehr ſich die Belagerung in die Länge zog, deſto größer wurde die Bedrängnis in Orleans. Sowohl die Beſatzung als die Bürger ließen deshalb den König durch Abgeordnete um wirkſameren Beiſtand erſuchen. Zu Ende des Januar kehrten dieſelben mit der erfreulichen Botſchaft zurück, der Graf von Clermont verſammle auf Anordnung des Königs zu Blois ein Heer von Franzoſen und Schotten zum Entſatz der Stadt. Um die Zeit als dies gegen 4000 Mann ſtarke Corps ſich zum Aufbruch rüſtete, verbreitete ſich das Gerücht, der Herzog von Bedford habe von Paris Proviant und Munition für die Belagerungsarmee abgeſchickt mit einer Bedeckung von mindeſtens 1500 Mann unter Anführung des kriegserfahrenen Johann Falstolf. Der Graf von Clermont beſchloß, die⸗ ſen Zug zu überfallen; Dunois, La Hire und andere brachen mit beträchtlichen Streitkräften von Orleans auf, den Angriff zu unterſtützen. Am 12. Februar 1429 kam es bei Rouvray r†) zu einem blutigen Treffen, in welchem die von Orleans ausgezogenen Franzoſen und die dem Gra⸗ fen von Clermont vorausgeeilten Schotten mit großem Veruſte zurückgeſchlagen wurden, weil ie die Ankunft der Hauptmacht nicht abgewartet und überdies ohne Ordnung und Ueberein⸗ ſtimmung den Angriff gemacht hatten. Der Connetable von Schottland, Johann Stuart, und ſein Bruder Wilhelm fielen, Dunois ward verwundet. Der Graf, welcher inzwiſchen angelangt war, verließ ohne Schwertſtreich den Kampfplatz und zog nach Orleans. Dieſe Niederlage, welche die engere Einſchließung der Stadt zur Folge hatte, brach die Zuverſicht der Belagerten. Die Entmuthigung ſtieg, als am 18. Februar der Graf von Clermont ſich wieder aus Orleans
*) Quich. IV, 99 Anm.: Monument de bronce, érigé en 1407 sur la grande arche de l'ancien pont. **) Journal, ſ. Quich. IV, 100, ſagt am Tage der Einnahme der Tournellen, die Chronik der Jung⸗ frau ſetzt das Ereignis kurz nach der Ankunft des Baſtards von Orleans. ***) Ueber die Geſammtzahl der Engliſchen Werke ſ. Le Brun de Charm. I, p. 439 sg.. †) Das Treffen wurde vom Volke gewöhnlich das Heringstreffen genannt, weil die von Bedford ge⸗ ſchickten Faſtenſpeiſen zum großen Theil aus Heringen beſtanden. Nach Journal, Quich. IV, p. 125. 128 und Chronique de la Pucelle ſoll Johanna dem Befehlshaber von Voucouleurs dieſe Niederlage vorausgeſagt haben. Später mehr. 11 29


