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1 (1857)
Entstehung
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Burgund die Thätigkeit des Herzogs von Bedford lähmte und ihn ſogar zwang, ſich längere Zeit in England aufuhälten. die Lage Frankreichs ſich nicht beßerte, war einzig die Schuld des Königs, deſſen Schwachheit den Connetable nöthigte, ſeine Aufmerkſamkeit auf die Intriguen des Hofes, ſtatt auf die Führung des Kriegs zu richten. Da es dem Könige an Selbſtändig⸗ keit fehlte, ſo muſte Arthur ihn mit Männern umgeben, von denen er hoffen konnte, ſie würden ſeine Maßregeln in allen Fällen beim Könige unterſtützen. Allein dieſe ſuchten die Schwäche des Königs im eignen Intereſſe auszubeuten und wurden bald aus willfährigen Werkzeugen gefährliche Widerſacher des Grafen. Solche Nebenbuhler zu dulden lag aber weder in Arthurs Character, noch im Intereſſe des Staates, welches vor allem Einheit in der Regierung und Kriegführung erheiſchte. Daher die unaufhörlichen Confliete. Mehrere Günſtlinge des Königs hatte Arthur bereits geſtürzt und mit dem Tode beſtraft, am Ende wurde er ſelbſt das Opfer der Hofkabale, indem der gleichfalls von ihm dem Könige zugeführte Herr von La Tremouille einen Einfluß auf dieſen benutzte, um den Connetable, von welchem er das gleiche Loos wie ſeine Vorgänger aus gleichem Grunde zu gewärtigen hatte, vom Hofe und vom Heere zu ver⸗ bannen. Schon im September deſſelben Jahres 1427 ſchloß ſich Johann von Bretagne wieder den Engländern an, weil Carl weder ſein Verſprechen hielt, dem Rathe des Herzogs zu folgen, noch demſelben gegen die Engländer Beiſtand leiſtete. So war der günſtige Zeitpunkt zur Ret⸗ tung Frankreichs fruchtlos verſtrichen und der Herzog von Bedford hatte freie Hand ſeine Er⸗ oberungspläne zu verfolgen. Es galt nunmehr die Länder jenſeit der Loire zu unterwerfen. Das letzte Bollwerk Frankreichs an der Grenzſcheide, der Schluͤßel zu den Südprovinzen, war die Stadt Orleans; mit der Eroberung derſelben ſollte der Anfang gemacht werden.

Der Graf von Salisbury, einer der tüchtigſten Engliſchen Heerfuͤhrer, erhielt den Oberbe⸗ ehl uͤber das Belagerungsh der*). Um der Stadt Orleans jede Verbindung abzuſchneiden, be⸗ feht er die umliegenden Plätze am Nordufer der Loire und zog darauf mit der Hauptmacht ſei⸗ nes Heeres auf das linke Ufer des Flußes hinüber. Die Bewohner von Orleans hatten Zeit genug gehabt, um ſich mit Geld und Lebensmitteln zu verſehen; ſie waren entſchloßen ſich aufs hart⸗ näckigſte zu vertheidigen und wurden durch eine ſtarke Beſatzung mit tapferen Führern, unter ihnen Poton de xaintrailles, unterſtützt. Die Stadt ſelbſt liegt auf dem rechten Ufer der Loire, auf das linke führt eine Brücke in eine ſchöne Vorſtadt. Den Brückenkopf deckte auf dieſer Seite das Schloß der Türme(Tournellen), welches auf der Brücke ſelbſt ſtand und mit dem Lande nur durch einen ſteinernen Bogen und eine Zugbrücke verbunden war, unter welcher das Waſ⸗ ſer der Loire floß. Die Bürger von Orleaus beſchloßen auf die Nachricht von dem Anrücken des Feindes ihre Vorſtadt abzubrechen und vor der Burg der Türme eine Schanze aus Pfahl⸗ werk mit Erde gefüllt aufzuführen. Dies Werk war noch nicht fertig, als am 12. October 1428 Graf Salisbury mit der Vorhut ſeines Heeres in der Vorſtadt ankam. Sofort ſteckten die Be⸗ lagerten die Trümmer derſelben ſammt der noch unverſehrten Auguſtinerkirche in Brand und vollendeten die Schanze hinter den emporlodernden Flammen. Als das Feuer am fünften Tage erloſch, drangen die Engländer vor, pflanzten ihre ſchwere Artillerie an allen geeigneten Punk⸗ ten, beſonders auf den Ruinen der nicht völlig zerſtörten Auguſtinerkirche auf und beſchoßen die Stadt Tag und Nacht, während ſie gleichzeitig Minen nach der Verſchanzung hinführten. Den erſten Sturm auf dieſe am 21. October beſtanden die Belagerten heldenmüthig, einen zweiten

Angriff abzuſchlagen, konnten ſie nicht hoffen, weil die Schanze gänzlich unterminiert und das Ladß der Türme durch die Geſchützkugeln ſtark beſchädigt war. Sie muſten deshalb auf neue Mittel denken, um dem Feinde das Eindringen in die Stadt zu wehren. Zu dem Zweck bra⸗ chen ſie einen Bogen aus der Brücke und errichteten auf dieſer ſelbſt, ungefähr in der Mitte des Stromes, an einer Stelle, wo ſich die Brücke auf eine kleine Inſel ſtützt, ein Bollwerk, welches

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*) Ueber die Belagerung von Orleans ſ. Le Brun de Charmettes: Histoire de Jeanne D'Arc, tom. J, p. 115 sd. Renzi: Jeanne Darc, p. 9 sq.