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Heer bildete. Aus dem von den Engländern unterworfenen Gebiete verjagt zogen ſich dieſe Freibeuter in die dem Könige treuen Länder jenſeit der Loire und halfen, indem ſie ihre Dienſte der Eifer⸗ und Ränkeſucht einzelner Ehrgeizigen zu Gebote ſtellten, den jammervollen Zuſtand Frankreichs verwirklichen, den Alain Chartier mit dem treffenden Satze ſchildert: Frankreich war wie das Meer, wo jeder ſoviel Herrſchaft wie Macht hat. Unter ſolchen Umſtänden ſchien aber⸗ mals der Süden des Reiches der Schauplatz des Kampfes werden zu müßen, abermals unter⸗ brach im entſcheidenden Zeitpunkt ein widriges Ereignis den Siegeslauf der Engländer. Ja⸗ cobäa, die durch Geiſt und Schönheit berühmte Erbin von Hennegau, Holland, Seeland und Friesland, hatte ſich von ihrem Gemahl, dem Herzog Johann von Brabant, ſcheiden laßen und mit Bedfords Bruder, dem Herzog von Gloceſter, vermählt. Philipp von Burgund, Vetter des Herzogs von Brabant, welcher jene Länder zu erben gedacht hatte, weil die Ehe ſeines Vetters kinderlos war, ſah durch die neue Verbindung ſeine Hoffnungen gefährdet und eilte ſeine An⸗ ſprüche mit Waffengewalt gegen den Herzog von Gloceſter zu ſichern. Der Herzog von Bed⸗ ford, beſonnen genug um einzuſehen, wie nothwendig ihm die Burgundiſche Unterſtützung war, that das Seine, um das Zerwürfnis zu ſchlichten. Die Ehe Gloceſters mit Jacobäa ward auf⸗ gelöſt, und dieſe nach dem Tode Johanns von Brabant von Philipp zu einem Vertrage gezwun⸗ gen 1428, in welchem ſie ihm die Erbſchaft ihrer Länder zuerkannte und die Verwaltung der⸗ ſelben ſofort übertrug. So war der Zwieſpalt beſeitigt, doch blieb ſeitdem eine gewiſſe Kälte zwiſchen Burgundern und Engländern. IItt—
Dieſer Zwiſchenfall, welcher den Gang des Krieges hemmte, hätte den Engländern gefähr⸗ lich werden müßen, wenn Carl ſeinen Vortheil beßer benutzt hätte. Die Umſtände konnten nicht günſtiger ſein, um eine Verſohnung mit dem Herzog Philipp, der ſein Heer von dem Engliſchen zurückgezogen hatte, und den Franzöſiſchen Großen von der Burgundiſchen Partei zu verſuchen. Wirklich trat Carl durch den Herzog Amadeus VIII. von Savoyen in Unterhandlung mit Philipp von Burgund, aber da er ſich nicht entſchließen konnte, die Mörder zu entlaßen, was der Herzog zur Bedingung eines Vertrags machte, ſo kam es nur zu einem ſiebenmonatlichen Waffenſtillſtand 1424. Glücklicher waren die Unterhandlungen mit dem Herzog Johann V. von Bretagne und deſſen Bruder, dem Grafen Arthur von Richmond, welcher die Schweſter Phi⸗ lipps von Burgund, Witwe des verſtorbenen Dauphins Ludwig, zur Frau hatte. Beide gingen zur Partei Carls über und Arthur nahm 1425 die Würde eines Connetable an, nachdem ihm Carl das eidliche Verſprechen gegeben hatte, die Mörder vom Hofe zu entfernen. Du Chatel begab ſich ſeitdem nach Beaucaire in Languedoc, auch die andern zogen ſich zurück. Die Wahl des erſten Kronfeldherrn gab Ausſicht auf eine beßere Geſtaltung der Dinge. Arthurs Tüchtig⸗ keit im Cabinet und im Felde(er hatte ſchon bei Azincourt, wo er in Gefangenſchaft gerieth, tapfer gefochten) ließ eine kräftigere Kriegführung und beſonnenere Politik, ſein Verhältnis zu dem Burgunderherzog die Anbahnung eines dauernden Friedens hoffen, zumal das Haupthindernis nun beſeitigt war. Sowohl jene Eigenſchaften als Characterfeſtigkeit, Erfahrung und Thatkraft befähigten ihn ein Hort des Königs und Reiches zu werden, wenn auch ſein herriſches, anma⸗ ßendes Weſen bisweilen die gewaltſamſten Mittel nicht verſchmähte. Eine andere Stütze erhielt der Thron Carls zu derſelben Zeit in dem Baſtard Johann von Orleaus, einem natürlichen Sohne des 1407 ermordeten Herzogs Ludwig von Orleans*). In Verbindung mit La Hire, welcher ſtets ſein treuer Waffengefaͤhrte war, vollbrachte er kurz darauf 1426 ſeine erſte Hel⸗ denthat bei Montargis, wo er die Engländer ſchlug und zur Aufhebung der Belagerung nöthigte. Daß trotz alle dem während der Jahre 1425 bis 1427, wo der Streit zwiſchen Gloceſter und
*) Johann, geb. 1403, alſo von gleichem Alter mit dem König, nannte ſich ſelbſt Baſtard von Or⸗ leans, bis er 1439 von ſeinem Bruder Carl, dem bei Azincourt von den Engländern gefangenen echten Sohne des Herzogs Ludwig, die Grafſchaft Dunois erhielt, von welcher er ſeitdem den Na⸗
men führte. 1445 gab i II. zum Lohn für ſei 1 Dienſte auch die Graf⸗ ſchaft Longueville hm Carl VII. z ohn für ſeine ausgejeichneten de 3 raf⸗


