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Verſtändnis ſeines Fürſtenberufs und das Vertrauen auf ſein Volk. Wie konnte überhaupt Ver⸗ trauen, das aus der Liebe fließt, in einem Gemüthe Wurzel ſchlagen, welches in der Welt nur Haß und Selbſtſucht geſehen hatte? Erſt im Laufe ſeiner ſpäteren Regierung entwickelten ſich unter beßeren Einflüßen die guten Eigenſchaften ſeiner Seele, welche durch die Erlebniſſe ſeiner Jugend nur niedergehalten, nicht zerſtoͤrt waren*). So muſte es denn erſt nahe zum Aeußerſten kommen, bis die Idee des göttlichen Rechtes in dem Glauben einer Jungfrau aus dem Bauern⸗ ſtande einen perſönlichen Ausdruck fand, und vor der Gewalt dieſer gottbegeiſterten Perſönlich⸗ keit, welche dem Nationalgefühl einen neuen Aufſchwung und die religiöſe Weihe gab, die An⸗ maßung materieller Uebermacht haltlos zuſammenbrach. Durch zwei große Siege behaupteten die Engländer in den nächſten Jahren die Ueberlegenheit ihrer Waffen. Der eine wurde 1423 bei der Feſte Crevant, der andere am 22. Juli 1424 bei Verneuil über das vereinigte Franzö⸗ ſiſch⸗Schottiſche Heer erfochten. Die letztere Schlacht, blutiger und entſcheidender als die erſte, koſtete den Schottiſchen Grafen von Buchan und von Douglas, vielen Franzöſiſchen Großen und vielen Tauſenden von Kriegern das Leben. Infolge derſelben ſahen ſich die Getreuen Carls, welche bisher noch einzelne Feſten und Plätze im Norden Frankreichs vertheidigt hatten, unter ihnen der tapfere Stephan von Vignoles, genannt La Hire, gezwungen, ſich hinter die Loire zurückzuziehen. Die Engländer vervollſtändigten dieſen Erfolg dadurch, daß ſie die nördlichen Provinzen auch von den Freibeuterſchaaren ſäuberten. Indem ſich auf dieſe Weiſe in den er⸗ oberten Ländern Ruhe und Sicherheit verbreitete, wurde eine Haupturſache der Unzufriedenheit beſeitigt und die Engliſche Herrichaft gewann mehr und mehr an Beſtand. Carls Hoffnungen waren durch die Niederlage bei Verneuil gänzlich zu Boden geſchlagen**). Er hatte von Anfang ſeiner Regierung ſein Vertrauen mehr auf ausländiſche Hülfe, als auf die Kraft ſeines Volkes geſetzt. Die Vernichtung des größten Theiles der Schottiſchen Hülfstruppen zerſtörte ſeine Hoff⸗ nungen, er verſank in Muthloſigkeit, und ſtatt auf neue Mittel der Kriegführung zu ſinnen, legte er ſich aufs Warten und unterſagte ſeinen Anhängern die Fortſetzung des Kampfes, aus Furcht, alles zu verlieren. Und doch blieben ihm noch Machtmittel genug, hätte er ſie nur zu entdecken und zu benutzen vermocht. Quicherat macht es dem Könige zum beſonderen Vorwurf, daß er die Freiſchaaren nicht in ſeine Dienſte nahm und aus dem Kern dieſer tüchtigen und entſchloßenen Leute, welche den Engländern ſoviel Abbruch gethan hatten, ein wohlorganiſirtes
*) Quicherat: Aperç. p. 24 sq.: CharlesVII. fut du petit nombre des princes qui s'ameliorèrent sur le trène. II'ne faudrait pas le peindre au commencement de son règne avec les vertus qu'il- montra plus tard; car, bien qu'il en possédat le germe, elles étaient offusquées en lui par des vices de nature et sourtout d'éducation. Georges Chastellain, qui peut passer pour le plus grand observateur du XVe siècle, prétend qu'il y avait dans son àme un fond d'envie ¹); il est in- contestable qu'il manqua toujours du don si précieux de la magnanimité. Cela joint à une grande défiance de lui-méème et à la terreur des crimes commis en son nom, le rendit indolent, malgré son aptitude au travail; inintelligent des situations, malgré la rectitude de son esprit; ombrageux et dur, malgré la douceur de son caractère. Un de ses conseillers, se pleignant à lui, lui écrivait un jour:„Vous voulez toujours etre caché en châteaux, mechantes places et manières de petites chambrettes, sans vous montrer et outr les plaintes de votre pauvre peuple“²). Evidemment il dérobait son coeur aux impressions, comme sa personne aux re- gards. Jamais, tant que la Pucelle vécut, il ne fut complétement subjugué par elle. II garda toujours une oreille ouverte pour recueillir les mauvais bruits, les paroles défavorables. II écouta, se tut, laissa faire.
¹)„Aucuns vices soustenoit, souverainement trois: cC'estoit muableté, diffidence et, au plus dur et le plus, e'estoit envye pour la tierce.“ Fragment publié dans la Bibliothèque de l'école des Chartes, premieère série, t. IV, p. 75.
²) Epitre de Jean Jouvenel des Ursins à Charles VII, ms. Saint-Germain français, no. 352, fol. 74, à la Bibliothéqne nationale.
**) Quicherat: Aperc. p. 17 sq.


