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1 (1857)
Entstehung
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phins erhielten, ſie doch überzeugt waren, daß derſelbe die vollfuͤhrte That nicht beſtrafen werde*). Johanns Sohn, Philipp der Gute, dachte nur an Rache, er erkaufte ſie durch Verrath am Va⸗ terlande. Sofort trat er in Unterhandlungen mit Heiurich.) Dieſer erkärte ſich zum Abſchluß eines Vertrages bereit, infolge deſſen er Carls VI. Tochter Catharina, als Mitgift die Krone Frankreichs nach dem Tode des Königs und einſtweilen die Regentſchaft erhalten würde. Dem Herzog war dieſer Preis für ſeine Rache nicht zu hoch. Der kranke König ließ ſich als willen⸗ loſes Werkzeug zu allem brauchen, und Iſabelle voll Erbitterung über die alten Kränkungen durch die Partei des Sohnes vergaß ihrer Pflichten als Königin und Mutter um ſo leichter, als ihr Ehrgeiz durch die Erhebung ihres Lieblingskindes auf die Throne zweier Reiche befrie⸗ digt war. So ward auf die von Heinrich geſtellten Bedingungen am 21. Mai 1420 der Ver⸗ trag von Troyes geſchloßen und bald darauf die Vermählung Heinrichs mit Catharina vollzo⸗ gen. Heinrich legte ſich von jetzt an auch den Titel eines Regenten und Erben von Frankreich bei und hielt am 1. December mit dem König und dem Herzog ſeinen Einzug in Paris unter dem freudigen Zuruf des Volkes, welches in der Engliſchen Herrſchaft das Ende ſeiner langjäh⸗ rigen Drangſale erblickte. Am 10. December beſchworen die Stände des Reiches, natürlich lau⸗ ter Burgundiſchgeſinnte, den Vertrag von Troyes, welcher zum Staatsgeſetz erhoben wurde. Dann trat am 23. December Philipp von Burgund als Kläger wider den Dauphin und ſeine Mitſchuldigen auf; letztere wurden als Hochverräther verurtheilt, der Dauphin Carl am 3. Ja⸗ nuar 1421 vorgeladen, vor dem Parlamente zu erſcheinen, und als er ſich nicht einfand, durch einen Beſchluß deſſelben der Vergehungen,deren er beſchuldigt worden war, für überführt und der Nachfolge in irgend einer Herrſchaft für unwürdig erklärt und auf immer aus Frankreich verbannt**). Gleich darauf eilte Heinrich zur Krönung ſeiner Gemahlin und Werbung neuer Streitkräfte nach England. Während ſeiner Abweſenheit gewannen die Anhänger des Dauphins eine blutige Schlacht bei Beaujé beſonders durch die Schottiſchen Hülfstruppen, welche der mit England verfeindete Herzog von Albany, der Regent Schottlands, unter Anführung ſeines Soh⸗ nes, des Grafen von Buchan, dem Dauphin auf deſſen Bitten zu Hülfe geſchickt hatte. Aber dieſer Sieg war nur ein Sonnenblick, den Heinrich nach ſeiner Rückkehr an der Spitze eines furchtbaren Heeres durch Einnahme vieler Städte und Feſten verdunkelte. Der Norden Frank⸗ reichs bis an die Loire ſchien verloren, und der Zeitpunkt nicht fern, wo ein letzter Kampf im Süden entſcheiden muſte, ob Frankreich aufhören ſollte, als ſelbſtändiger Staat unter einem an⸗ geſtammten Herrſcher zu ſtehen, als Heinrich V. am 31. Auguſt 1422 in der Blüthe der Jahre durch den Tod aus ſeiner Heldenlaufbahn gerißen wurde. Er hinterließ den Thron Englands und die Anwartſchaft auf die Franzöſiſche Kroue einem nicht neun Monate alten Kinde, Hein⸗ rich VI., die Regentſchaft beider Reiche während der Minderjährigkeit deſſelben ſeinen Brüdern, den Herzögen von Bedford und von Gloceſter**). Schon am 21. October folgte Carl VI. ſeinem Schwiegerſohne im Tode. Unmittelbar nach der Beerdigung wurde Heinrich VI. als König von Frankreich ausgerufen*), gleichzeitig(27. October) ließ ſich der Dauphin als Carl VII. in

*) Quicherat I, 183 sq.(Johanna) interrogata utrum aestimat et firmitur credit, quod rex suus bene fecit in interficiendo dominum ducem Burgundiae: respondit quod hoc fuit magnum dam- num pro regno Franciae et, quidquid esset inter ipsos duos principes praedictos, Deus misit eam(Johannam) ad succursum regis Franciae.

*) So Schmidt I. I. p. 278 sq..

**) Nach dem Willen Heinrichs V. ſollte Bedford die Regentſchaft von Frankreich, Gloceſter die von England übernehmen, eine Beſtimmung, welche das Engliſche Parlament dahin abänderte, daß es den Herzog von Bedford zum Präſidenten eines aus den Pairs gebildeten Regentſchaftsrathes un⸗ ter dem Titel Protektor des Königreichs und der Kirche von England, und für die Dauer ſeiner Abweſenheit den Herzog von Gloceſter zu deſſen Stellvertreter ernannte.

Die wirkliche Krönung Heinrichs VI. zum König von Frankreich fand erſt am 16. December 1431 in der Notredamekirche zu Paris durch den Cardinal Heinrich Beaufort, Biſchof von Wincheſter, ſtatt, nachdem Carl VII. bereits am 17. Juli 1429 Krone und Salbung in Reims empfangen hatte.