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1 (1857)
Entstehung
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gewaltſamer und rückſichtsloſer, den verhaßten Gegner nicht weit vom Palaſte der Königin durch Meuchelmord aus dem Wege räumen ließ(23. November 1407). Anfangs entſchuldigte ſich Johann mit dem Vorgeben, der Teufel habe ihn zu dem Verbrechen verleitet; aber weil daſſelbe in Paris wegen der Zügelloſigkeit des Gemordeten im höchſten Grade populär war, ſo beging er bald darauf die beiſpielloſe Frechheit, vor einer Verſammlung des Hofes, der Univerſität, vie⸗ ler Geiſtlichen und Bürger die Schandthat als ein Verdienſt um König und Reich rechtfertigen zu laßen. Er wuſte nicht, daß er den ſpäter an ihm ſelbſt verübten Mord im voraus heili

ſprach! Nicht lange blieb Johann im unangefochtenen Beſitze der Obergewalt. Die Partei Orleans ſchloß ſich bereits 1410 durch das Bündnis zu Gien feſter in ſich zuſammen und er⸗ hielt, was die Hauptſache war, in dem durch Alter, Macht und Feldherrntalent hervorragenden Grafen Bernhard VII. von Armagnac, mit deſſen Tochter ſich der junge Herzog Carl von Or⸗ leans vermählte, einen feſten Mittelpunkt. Schon im folgenden Jahre entbraunte der Bürger⸗ krieg, während deſſen Frankreich in die entſetzlichſte Zerrüttung verſank und beide Parteien ſich um Freundſchaft und Bündnis mit dem Erzfeinde des Vaterlandes bewarben. Die Ohnmacht Frankreichs war an ſich ſchon Aufforderung genug für den heldenherzigen Heinrich V. die Ent⸗ würfe Eduards III. wieder aufzunehmen. Am 14. Auguſt 4415 landete er und ſchlug am 25. October das mindeſtens dreimal ſo ſtarke Heer der Franzoſen bei Azincourt faſt zur Ver⸗ nichtung. Jedoch kehrte er vom Schlachtfelde nach England zurück, weil ihn die numeriſche Schwäche ſeiner Armee an der Verfolgung des Sieges verhinderte. Am ſchwerſten traf die Nie⸗ derlage die Partei Orleans. Der Herzog ſelbſt gerieth in Gefangenſchaft*). Johann von Bur⸗ gund hatte weder ſelbſt am Kampfe Theil genommen, noch ſeine Kriegsleute geſchickt, aus Zorn über einen Beſchluß des Königs, welcher beiden ſtreitenden Herzögen die perſönliche Gegenwart beim Heere verbot, eigentlich aber nur gegen ihn gerichtet war. Doch hatte auch er den Tod zweier Brüder und vieler Ritter, die ſich der Sache des Vaterlandes angeſchloßen hatten, zu be⸗ klagen. Statt daß nun das Unglück der Nation die Parteien hätte ansſöhnen und gegen einen Feind vereinigen ſollen, welcher Frankreichs Selbſtändigkeit, mithin die Wohlfahrt aller bedrohte, ſprachen die Anhänger Burgunds offen ihre Freude über die Niederlage der Armagnacs aus, und die Parteihäupter erneuerten ſofort den Bürgerkrieg. Die Gefangennahme Carls von Or⸗ leans ſchien den Burgunderherzog dem Ziele entgegenzuführen, welches er früher durch Mord zu erreichen geſucht hatte, zumal der Herzog von Bourbon das Schichſal der Gefangenſchaft theilte und die übrigen Prinzen von Geblüt, die Herzöge von Berri und Anjou, der Orleaniſchen Par⸗ tei im nächſten Jahre durch den Tod entrißen wurden. Ebenſo muſte der Tod des Dauphins Ludwig(18. December 1415), eines eifrigen Anhängers dieſer Faction**), Johann von Bur⸗ gund als ein günſtiges Ereignis erſcheinen, da der nachfolgende Dauphin Johann durch Heirath mit ſeinem Hauſe eng verbunden war. Jedoch überlebte der letztere ſeinen Bruder nicht lange (T April 1417), und alle Verluſte, welche die Partei Orleans getroffen hatten, wurden dadurch ausgeglichen, daß der fähigſte ihrer Führer, der Graf von Armagnac, nunmehr als unumſchränk⸗ tes Haupt an die Spitze derſelben trat. Der König übertrug ihm zu Ende des Jahres 1415 nicht nur die Würde eines Connetable und Generalcapitains aller Feſtungen, ſondern ernannte ihn auch zum Chef des geſammten Finanzweſens, ſo daß die ganze Regierungsgewalt in Armag⸗ nacs Händen lag. Er übte dieſelbe im Namen von Carls VI. jüngſtem Sohne, dem nachheri⸗ gen Koͤnige Carl VII., auf den das Recht der Thronfolge nach dem Tode der älteren Brüder übergegangen war***). Nur die Königin ſtand ihm noch im Wege, da ſie ein Recht auf die Re⸗ gentſchaft hatte und daſſelbe durch eine Verbindung mit Johann von Burgund geltend machen konnte. Das Mittel, ſie unſchädlich zu machen, bot die Entrüſtung des Volkes über die Ver⸗ ſchwendung und Unſittlichkeit, welche am Hofe der Königin zu Vincenne herrſchten. Armagnac

*) Erſt 1440 erhielt er ſeine Freiheit wieder. **) Ein noch älterer Bruder, Carl(geb. 1392), war ſchon 1401 geſtorben. ***) Carl(VII.), geboren 22. Februat 1403, Graf von Ponthieu, ſpäter auch Herzog von Touraine ꝛc.