— 33— II. Das griechische Haus in Homers Odyssee.
Die Bauart des griechischen Hauses bei dem Mangel an Überresten alter Wohnhäuser, sowie bei den lückenhaften und abgerissenen Uberlieferungen zu rekonstruieren, ist mit grossen Schwierigkeiten verbunden. Da aber das griechische Haus auch verschiedene Phasen der Ent- wicklung durchgemacht hat, müssen wir das homerische Haus unterscheiden von der Wohnung späterer Zeiten. Denn in der Folgezeit ward auch bei den Griechen die Bauart vollkommener, immer neue, zweckmässige Verbesserungen wurden eingeführt.
Von dem Haus des Odysseus lässt sich ein annähernd deutliches Bild aus den Be- schreibungen Homers gewinnen, wie wir sie in dem einen seiner grossen Epen, in der Odyssee, dargestellt finden. Im allgemeinen waren die grösseren Häuser in ähnlicher Weise gebaut, d. h. die Bauten der Fürsten und Edlen des Volkes zeichneten sich vor denen andrer Leute aus, entweder durch ihre Grösse oder auch durch prachtvollere Ausschmückung des Kussern. Der ganze Bau hiess ao«. Er besteht im wesentlichen aus drei Teilen: einem Männersaal(usrapoy), dem Frauengemach(dςeνλαορ) und dem Hofe(adX⁷).
Ersterer bildet das eigentliche Haus(85«, 86 ba der 86ra). Es ist um so höher gebaut, weil wenige Offnungen zum Eindringen der Luft und des Lichtes sind, und nur in der Mitte findet sich eine Rauchöffnung. Das ganze Gebäude war mit einer langen Mauer umzogen. Durch diese führte nun ein Torweg(15οοραο durch das an der Strasse liegende Vorhaus in den Hof. In diesen Torweg fuhren die fremden Wagen hinein, hier war ihr Halte- platz, weiter durften sie nicht fahren. Der Torweg konnte durch zweiflügelige Tore verschlossen werden, sie standen aber tagsüber geöffnet, wie überhaupt alle Türen mit Ausnahme der Schatz- kammer. Alle Türen wurden durch Riegel geschlossen. Der Raum zwischen der äussern Strassen- mauer und der vordern Hofmauer diente zur Einstellung der Rinder, Pferde und Maulesel, überhaupt des gesamten Viehstandes und hier wurden auch die Abfälle abgelagert. Da, auf solch' einem Misthaufen lag der treue Hund des Odysseus, der ihn bei seiner Heimkehr erkannte.
Es heisst da in der Od. 17, v. 291— 298:
Aber ein Hund erhob auf dem Lager sein Haupt und die Ohren Argos, welchen vordem der leidengeübte Odysseus selber erzog. Aber jetzt, da sein Herr entfernt war, lag er verachtet
Auf dem grossen Haufen vom Miste der Mäuler und Rinder Hier lag Argos der Hund von Ungeziefer zerfressen.
Dieser, da er nun endlich den nahen Odysseus erkannte Wedelte zwar mit dem Schwanz und senkte die Ohren herunter Aber er war zu schwach, sich seinem Herren zu nähern.
Der Hofplatz hatte vor und neben dem Türweg eine überdeckte Säulenhalle zum Schut⸗ gegen die Sonnenhitze, in der Mitte entlang war der freie Himmel. In diesem freien Raum befanden sich die Freier gewöhnlich, ausser wenn sie sich bei ihren Gelagen in dem schattigen Saale aufbielten, Im Hof und im Vorhaus wurden die Spiele mit dem Diskos, Speerkämpfe und andere Wettstreite abgehalten.
Es heisst da in der Od. 1. 106—108:
Aber die mutigen Freier erblickten sie an des Palastes
Pforte, wo sie ihr Herz mit Steineschieben ergötzten Hin auf Häuten der Rinder gestreckt, die sie selber geschlachtet.


