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concluded“, man muls aber unter allen Umständen zugestehen, daſs Herodot, hätte er sein Werk selbst veröffentlicht, jene Stelle im VII. Buche vorher getilgt hätte. Daſs man etwa mit Mure IV, 557 den Ausweg einschlage, zu sagen, Herodot habe sein Versprechen vergessen, verbietet ein anderer ganz ähnlicher Fall, bei dem das vermiſste Object aller Berechnung nach einen solchen Werth und Umfang besitzen mulste, daſs eif Vergessen des Geschichtschreibers völlig unmöglich war. I, 106 nemlich sagt Herodot, er wolle die Eroberung von Ninos in anderen 76 ³ erzählen: ν εατέιισι Ʒ⁶υmντ⁶σι ⁶ςοo und I, 184 heiſst es: xj* Baßulνος.... H Gʃε⁸⁸, roν ενν roεοα ⁴oαυιυιοσσα Ʒνυσαι μνQνεμν οm1α. Vergeblich aber sucht man nach diesen assyrischen Geschichten. Man hat deshalb vielfach angenommen, dieselben seien besonders herausgegeben worden. Hiergegen spricht aber so ziemlich alles. Denn wir finden nicht die leiseste Spur derselben im Alterthum. Und wenn wir uns die ganze Art vergegenwärtigen, wie Herodot schaffte, wenn wir sehen, daſs er sich offenbar bestrebt hat, alle seine Nachrichten im Rahmen seines Werkes unterbringen, so muſs uns die Möglichkeit ausgeschlossen erscheinen, er habe die gesonderte Veröffentlichung einer Abhandlung über Assyrien ins Auge gefaſst. Wäre dies der Fall gewesen, so hätte er es ohne Zweifel ebenso mit den ägyptischen Geschichten und vielem anderen gemacht, das weniger als jene mit seinem Grundthema zusammenhing. Die Sachlage kann nur die sein, daſs jene Stellen geschrieben wurden, bevor die Vereinigung der einzelnen 46„ stattfand. Bei der Gesammtredaction wurden sie nicht getilgt, da Herodot noch im Sinne hatte, einen assyrischen Commentar zu verfassen. Er konnte sich ja seine Nach- richten zurückgelegt haben und eine ebenso ausführliche Darstellung beabsichtigen, wie im zweiten Buche. Er scheint indeſs nicht zur Ausführung seines Vorhabens gekommen zu sein, da er, wenn er die 1oιο ⁴2⁶οι fertig gehabt hätte, wohl nicht gezaudert haben würde, sie seinem Werke einzuverleiben. Da er nun die betreffenden Verweise hat stehen lassen, ohne die Partie, auf die verwiesen wird, einzufügen, so kann er sein Werke nicht selbst herausgegeben haben.
Man rede hier nicht von Vergeſslichkeit. Herodot ist nicht vergeſslich gewesen, das zeigen schon die Verweise über mehrere Bücher hinaus, es zeigt die Thatsache, daſs er ander- weitig seine Versprechen erfüllt(vgl. hierzu die treffenden Ausführungen von E. Bachof in d. N. Jhrbb. Bd. 115, S. 578 f.). Auch waren seine Nachrichten über Assyrien unzweifelhaft so umfangreich, daſs es undenkbar ist, sie wären spurlos aus seinem Gedächtnis weggeweht worden, selbst wenn er, was ich aber durchaus bestreite, jenes Versprechen vergessen hätte.
Nach der Vereinigung seiner Sammlungen zu einem ganzen Werke veranstaltete also Herodot keine Ausgabe desselben, sondern behielt es in seiner Hand, da er es noch nicht für vollendet hielt. Gelegentlich mag er Umänderungen vorgenommen haben, die aber nicht erheblich gewesen sein können. Hier und da fügte er unter der Hand Bemerkungen zu: Kleinigkeiten, die ihm vorher entgangen waren und jetat wieder einfielen; oder Nachrichten von Dingen, die sich erst zu seiner Zeit ereigneten. Diese meist aphoristischen Notizen stören gewöhnlich mehr oder minder den Zusammenhang und scheinen ohne Anspruch auf stilistische Vollendung und auf Einreihung in das Satzgefüge nicht selten vorläufig bloſs an den Rand ge- schrieben zu sein ²¹). Je eingehender man das Werk betrachtet, desto bestimmter wird der
*¹) Herodot sagt selbst IV, 30, er habe von Anfang an im Sinne gehabt, Zusätze zu machen: οοι α„ο 6* ⁴μαα ο 6yo es doxs 867,ro. Unter r0G 9 exx. Episoden zu verstehen, ist wohl kaum zulässig, solche heiſsen lαοεένννιααα. Die Sache selbst ist schon von Stein nachgewiesen, man vergleiche seine Anm. zu VII, 137, 20. 21; 190. 191. 239. II, 127. IX, 72. V, 26. III, 98. VI, 59 u. 60. I, 125. III, 89. III, 131. IV, 64. IX, 83.


