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früher bekannt waren, erwiesen. Der letztere hat auch dargethan, daſs die Einfügung dieses Buches bei der Schluſsredaction zugleich eine theilweise Ueberarbeitung des Anfanges vom dritten im Gefolge hatte(was schon Rawlinson I, S. 23 bemerkt hat). Aulser diesen ganz sicheren Abschnitten giebt es noch andere, bei denen man die frühere Selbständigkeit noch annähernd erkennen kann, wie z. B. die Geschichte des jonischen Aufstandes(vgl. Schöll im Philologus IX, 202 ff. X, 29 ff., 427 ff. Bauer E. 109). Aber bei den meisten sind durch die Um- und Inanderarbeitung die Conturen so verwischt, daſs man, wenngleich sie sich bei dem Lesen für das Gefühl oft recht bemerkbar machen, doch darauf verzichten muls, sie anderen beweisen zu wollen. Trotzdem hat Bauer sich der schwierigen Aufgabe unterzogen, alle ein- zelnen Abschnitte oder 26„², so gut es anging, in ihrem ursprünglichen Bestande wiederherzu- stellen. Die Arbeit zeugt von ebensoviel Scharfsinn wie Fleiſs und ist reich an einzelnen neuen Beobachtungen, aber ich glaube, dafs Bauer die von Schöll aufgestellten Grundsätze zu sehr auf die Spitze getrieben hat. Er baut seine Constructionen zu oft auf unbedeutende Umstände, wie z. B. auf die bloſse nicht von einer Verweisung begleitete Wiederholung eines Namens oder Wortes und übersieht in seinem Eifer, daſs einzelne solche schwachen Stützen die Gegner seiner Ansicht zu dem Wahne verleiten werden, sie hätten mit diesen auch die kräftigen und wirk- lich tragfähigen Beweismittel über den Haufen geworfen. Näher hierauf einzugehen verbietet mir der Mangel an Raum ¹), es genügt, daſs Bauer die spätere Verbindung einzelner, ursprünglich für sich ausgearbeiteter Theile im Princip endgültig erwiesen hat ¹⁵).
gegen habe ich schon in den N. Jahrbb. Bd. 115, S. 261 darauf aufmerksam gemacht, daſs das gxνεκνσνο II, 177 nicht in Athen geschrieben sein kann, und daſs II, 123 die Worte 16ν„ 8„GO 8760,9 d 05„6‿αœᷣάνταα ν mφνν⁴|ρdo nur zu verstehen sind, wenn man sie mit auf Pythagoras bezieht und ihre Veranlassung in einer discreten Rücksichtsnahme Herodots auf seine pythagoreischen Mitbürger in Unteritalien sucht. Daſs er mit den Gebräuchen der Pythagoreer bekannt war, zeigt II, 81, und man wird sich demnach der Ansicht nicht verschliefsen können, dafs er bei Niederschrift des zweiten Buches zum mindesten schon in Italien gewesen war. Es dürfte aber ferner kaum in Abrede zu stellen sein, dals das zweite Buch sämmtliche Reisen Herodots als schon geschehen voraussetzt; ebenso unbestreitbar ist die Beobach- tung, daſs sich die merkwürdige Mischung von rationalistischer Aufklüärung und ängstlichem Aberglauben, die das ganze zweite Buch und den überarbeiteten Theil des dritten in so characteristischer Weise durchzieht, in keiner andern Partie des Werkes sich bemerken läſst. Es erscheint demnach nicht zu gewagt, das zweite Buch als den zuletzt abgefalsten Theil zu bezeichnen. Es wird aber noch weiter unten die Rede davon sein, daſs der letzte Aufent- haltsort Herodots vor seinem Tode jedenfalls nicht Athen war.
¹8) Die eine Bemerkung kann ich hier nicht unterdrücken, dafs seine Definition der Wörter 16„O und 16„ doch wohl zu, eng gezogen ist. Wenn er S. 7, Anm. 1 gegen die Ansicht von Nitzsch im rhein. Mus. 27, S. 227 polemisirt, so muſs man ihm hierin zwar beipflichten, allein nur insofern, als Nitzsch unzweifelhaft im Irrthum ist, wenn er meint, das Wort 76» Og habe im technischen Gebrauche Herodots bloss den Sinn„zusammenhängende Ueber- lieferung im Gegensatz zu Einzelnachrichten“. Aber falsch ist es, wenn Bauer den Wörtern 16)„ Og und 46»1 nur die Bedeutung„Theil des Werkes“ oder„ganzes Werk“ zuerkennen will. Ich behaupte, daſs das Wort sowohl die von Bauer als auch die von Nitzsch angenommene Bedeutung habe und dafs man in jedem besonderen Falle und nicht a priori entscheiden müsse. Ich halte sogar noch die Existenz der blofsen Bedeutung„Erzählung“ für erweisbar, die jedenfalls an vielen von den Stellen besser paſst, an den Bauer S. 9 das Wort auf das ganze Werk bezogen wissen will. Hierin stimme ich mit Cwikliski in der Zeitschrift für Oesterr. Gymnasien XXIX, S. 276 f. überein.
13) Gwiklinski, ein entschiedener Gegner der Logentheorie, fragt a. a. O. S. 279, in welchem Sinne die Einzel- logoi vom Verfasser niedergeschrieben worden seien, ob von vornherein nur als Unterlagen für ein demnächst darauf aufzu- bauendes Werk, oder für die Veröffentlichung? Ich glaube, Anfangs in keiner von beiden Absichten. Für die Publi- cation nicht, weil es, wie ich noch unten zeigen werde, überhaupt bei der Beschränktheit des Buchhandels in damaliger Zeit unstatthaft ist, einem Schriftsteller so ohne Weiteres diese Absicht zuzuschreiben und weil, wie Owikliüski selbst zugesteht, sich doch Spuren von einer separaten Veröffentlichung erhalten haben würden. Auch nicht in der bplofsen Absicht, sie als Vorarbeiten zu dem gröſseren Werke einstweilen zu Papier zu bringen. Ich glaube vielmehr, dals


