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völkerung herrſchenden Trauerſtimmung einer öffentlichen Feier keinen Raum, und ſo beſchränkte ſich der Einweihungsact auf eine kleine, im engſten Schulkreiſe am 6. Januar 1879 abgehaltene Feier, bei welcher der Religionslehrer Herr Stamm das Weihegebet ſprach und der Unterzeichnete eine Anſprache hielt; paſſende Chorgeſänge eröffneten und ſchloſſen die Feier. Von 11 Uhr ab war das Gebäude dem Publikum geöffnet. Am 7. Januar begann der Unterricht in den neuen Räumen. Möge dem mit Liebe und Sorgfalt ausgeführten Baue ein langer, ſicherer Beſtand beſchieden ſein!
Die neue Gymnaſialanlage beſteht aus dem eigentlichen dreiſtöckigen Schulgebäude, der durch den großen Hof getrennten Turnhalle, der Wohnung des Directors und den an der ſw. Seite des Hofes ge⸗ legenen Aborten.
Das Schulgebäude hat die Längsrichtung von NO nach SW, iſt frei nach allen Seiten, mit der Front den neuen Anlagen zugekehrt und für das Centrum der Stadt ſehr günſtig gelegen. An der Hinterſeite befindet ſich ein großer Tummelplaz, der mit 2 Reihen Bäume beflanzt iſt und an deſſen n. 5. Seite der Brunnen ſich befindet. Der Hof wird nach S. durch die Turnhalle und den Hof der Directorwohnung, nach NO. durch ein Eiſengitter gegen die Bismarckſtraße abgeſchloſſen. In runden Summen betragen
die Flächen des Gymnaſialgebäudes 650 qm
der Hof.......... 2045„ die Turnhalle........ 278„ die Directorwohnung..... 152„
der hierzu gehörige Hof und Garten 843„ die Aborte......... 32„
die geſammte Grundfläche.... 4000 qm.
Die Mauern des Gebäudes ſind genügend ſtark ausgeführt und ſämmtlich trocken.
An den Außenſeiten iſt zum Sockel, zu den Geſimſen, Gurten, Portalen, Frieſen, ſowie zum ganzen Mittelbau in ſehr ſplendider Weiſe rother Sandſtein vom Main, zu allem übrigen Mauerwerk Backſtein (Ziegel) verwendet. Die oberen Außenmauern, wie auch die Hauptſcheidemauern haben eine Stärke bis 0,51 m, leztere wegen der Aufnahme der Heiz⸗ und Ventilationscanäle. Diejenigen Scheidemauern da⸗ gegen, welche keine Canäle haben, ſind nur 0,26 m ſtark.
Der Fußboden des Parterres, überall unterkellert, liegt 1,80 m über dem Außenterrain.
Die Unterrichtsräume, welche ihr Licht meiſt von SW., NO. und NW. erhalten, liegen in allen Stockwerken. Zur Zeit ſind 4 Reſerveräume vorhanden.
Die Klaſſenzimmer haben eine Grundfläche von 42—70 qum, der naturwiſſenſchaftliche Lehrſaal hat 10,16 m, der Zeichenſaal 12,10 m Länge, die Zimmertiefe beträgt von 6,08— 7,04 m, die Stockwerks⸗ höhe beträgt überall 4 m.
Auf den Schüler kommen durchſchnittlich 1,45 qm Bodenfläche, ſomit 5,80 cbm Luftraum. Alle Unterrichtsräume des Hauſes ſind mit Fichtenholz gedielt, der Corridor des Parterres hat rothe Sand⸗ ſteinplattung, während die Corridore der beiden oberen Stockwerke ſowie der Feſtſaal mit Parquetbeleg verſehen ſind. Das Veſtibül am Hauptportale iſt mit Mettlacher Moſaik belegt.
Die Zimmerwände aller Lehrſäle ſind 1,50 m hoch mit Lambris von Holz verſehen.
Die lichte Weite der Thüre beträgt 1,05 m, ihre lichte Höhe 2,15 m.
Die Heizung und Ventilation erfolgt durch eine Luftheizung, deren 2 Heizapparate ſich in den Kellerräumen befinden. Die Feuerung beſorgt der Pedell. Die ganze Anlage iſt von Reinhardt in Würzburg ausgeführt und bewährt ſich recht gut; nur für 3 Räume mußte in Folge geſchleifter Canäle


