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1. Abth. (1843)
Entstehung
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E. iſt eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß die Sorge, den Geiſt durch Unterricht zu entwickeln und mit nützlichen Kenntniſſen zu bereichern, in den, nach dem Untergange des abend⸗ ländiſch⸗römiſchen Reiches ſich geſtaltenden chriſtlichen Staaten von der Kirche zuerſt übernommen, und lange Zeit allein und ausſchließlich von ihr getragen worden. Wenn ſie dies freilich zu⸗ nächſt in ihrem eigenen Intereſſe that, um ſich einen neuen Zuwachs von Gliedern des Klerus zu bilden, ſo dehnte ſich ihre Sorgſamkeit und Thätigkeit doch über einen größern Theil der Jugend aus, als den ſie unmittelbar in ihren eigenen Dienſt zu ziehen beabſichtigte, und ſo ward der Same geiſtiger Bildung von ihr allenthalben ausgeſtreut, und jedes Kloſter und jedes Domſtift bot in der Schule, die mit ihm verbunden war, den Anblick einer, in wildem aber fruchtbarem Boden erblühenden Pflanzung dar, von welcher aus in immer weiterer Ausdehnung die gedeihenden Keime chriſtlich⸗religiöſer Geſinnung und einer gewiſſen Art von Bildung ſich verbreiten ſollten.

Als daher das Chriſtenthum im 10. Jahrhunderte endlich auch nach Schleſien ſeinen Weg gefunden hatte, als in Breslau am Ende des erſten chriſtlichen Jahrtauſends ein Biſchof⸗ ſitz war gegründet worden, ward, wie es der Gebrauch jener Zeit nothwendig mit ſich brachte, auch eine Schule geſtiftet, aus welcher durch den Scholaſticus, ſpäter durch den Rector oder Magister scholae, ſeinen Vicarius, die geeigneten Schüler zu Chorclerikern aufgenommen wurden. Auf dieſer Domſchule ward wohl, nach der Sitte jener Zeit, das ſogenannte Quadrivium ¹) ge⸗ lehrt und es nahm daher die Stelle eines Gymnaſiums ein, während die andern Schulen der Stadt zu Corporis Christi, Magdalenä und Eliſabeth, wegen des dort nur gelehrten Triviums Trivialſchulen hießen 2). Kaum anders dürfte die, mit der Collegiatkirche(1288) ³) zugleich

1) Kloſe's Briefe über Breslau II. 1. 39.

2) Sehr belehrend iſt hierüber die Urkunde des Biſchofs Heinrich von Würben vom 31. Decmb. 1309, worin derſelbe die Schule zu St. Paul in Liegnitz für ein Gymnaſium erklärt, wo libri artium grammaticales, logieales, naturales et alii quieunque, ad quos audientium facultas se extendil geleſen werden dürften, mit Aufhebung der Beſtimmung, daß darin nur Donatus, doetrinale solum- 1nodo(Doectrinale, eine metriſche Grammatik des Alerander de Villa Dei, geb. 1240. Doctrinale puerorum in lateiniſchen Verſen, ſ. Wachler Lit. Geſch. II. 147.) geleſen werden dürften; ſiehe The⸗ beſius Liegnitz. Jahrbücher II. S. 142.

3) Sommersberg I. 803. 4