Druckschrift 
1 (1882) Sicilianische Untersuchungen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

Reichstag ab, auf dem er einen allgemeinen Landfrieden errichtete und von den anwesenden Baronen beschwören liels. Dafs er selbst die Upterwerfung des Landes für vollendet ansah, beweist, daſs er, wie die Tarentiner Annalen erzählen, die Grafen sich und seinen Söhnen Ro- ger und Tankred Treue schwören lieſs. So sicher fühlte er sich bereits, dals er Salerno zum Verzicht auf die Konzessionen zwang, die er ihnen in der Not gemacht¹), und dem Grafen von Ariano seine beiden stärksten Burgen nahm. Der Fürst von Capua schwur ihm freiwillig den Lehnseid.

Inzwischen war in der römischen Kirche ein bedenkliches Schisma ausgebrochen ²). War der eine Papst, Innocenz II, von der Minderheit der Kardinäle mit Milfsachtung der ka- nonischen Satzungen gegen die Vereinbarungen eines vorhergegangenen Kompromisses gewählt, so hatte man den andern(Anaklet II.) erst erhoben, als jener bereits von dem Papsttume Besitz ergriffen. Freilich hatte die überwiegende Mehrheit der Wahlberechtigten ihm ihre Stimme gegeben, die gesetzlichen Formen waren hier genau eingehalten worden. Anfangs schien es zweifelhaft, welchem von ihnen die Anerkennung der Christenheit sich zuwenden werde. Hatte die Sache erst nur kirchliche Bedeutung, so machte sich die politische Seite derselben bald auch für das unteritalische Normannenreich geltend. Der deutsche König Lothar hatte Anaklet keiner Antwort gewürdigt, in Deutschland neigte sich die Wagschale entschieden zu Gunsten Innocenz ³). Anaklet warf sich daher in seiner Not dem gefährlichsten Feinde der kaiserlichen Ansprüche auf Unteritalien, dem Sicilier, in die Arme, durch eine Bulle vom 27. September 1130 erhob er Rogers Lande zu einem Königreich, dessen Sitz Si- cilien sein sollte, dem er auch Capua und Neapel einverleibte; auſser vielen anderen Vergün- stigungen stellte er auch Roger die Streitkräfte von Benevent zur Verfügung 4). Um diesen Preis anerkannte ihn der neue König und mit ihm der Klerus von Unteritalien als katholischen Papst. Am Weihnachtstage 1130 wurde Roger im Dom zu Palermo feierlich gekrönt.

Nach kurzer Ruhe, die Roger zur Sicherung seiner Herrschaft benutzte?), brach in Apu- lien wiederum ein Aufstand aus. Gegen Ende des Jahres 1131 erhoben sich die apulischen Barone, an ihrer Spitze Grimoald von Bari und Tankred von Conversano), gleichzeitig von Ro- ger schwer gereizt sein Schwager, der Graf von Avellino. Im Frühjahr kehrte Roger, der den Winter wie alljährlich in Sicilien verbracht hatte, mit Heeresmacht zurück und warf sich zu- nächst auf Bari. Graf Rainulf wollte den bedrängten Baresen zu Hülfe eilen, wurde aber von seinem Lehnsherrn, dem Fürsten von Capua zurückgehalten, der ihn veranlalste den Weg der

1) Alex. Teles. 1, 22. Del Re 1, 100: petentibus ipsis, non corde annuerat.

2) Vergl. besonders die Schrift von Mühlbacher, die streitige Papstwahl von 1130. Innsbruck 1876 und die ausführliche Darstellung von Bernhardi, Lothar p. 281 sq.

³) Giesebrecht 4, 62 stellt wol nicht mit Recht die Sache so dar, als ob Deutschland sich schon de- finitiv erklärt hatte.

4) Watterich, vitae pontificum 2, 193. Falco ad ann. 1130. Del Re 1, 201. Petri Casin. chronic 4, 97. in Mon. Germ. Scr. VII, 871.

5) Er zwang die Amalfitaner ihm ihre Burgen zu übergeben, in 1131. Alex. Teles. 2, 7 11. Del Re 1, 103 sq. Der Herzog von Neapel unterwarf sich freiwillig. Alex. Teles. 2, 12. Del Re 1, 105.

6) Die Tarentiner Annalen bei Romoald Mon. Germ. Scr. XIX p. 420.

2*