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1 (1843)
Entstehung
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Erſter Theil.

Anarimander als Sphärenerfinder.

Die moderne Gelehrſamkeit hat ſich mit Eifer bemüht, das Helldunkel, welches uͤber die Frühzeit der geiſtigen Entwickelung bei den Griechen ausgebreitet iſt, in ein volles Licht zu verwandeln und jeder Tag bringt neue Beweiſe dieſes ehrenwerthen Beſtrebens hervor. So wichtig nun auch die Ergebniſſe der Forſchungen zur Ermittelung der griechiſchen Culturanfänge im Allgemeinen ſind, ſo läßt ſich doch nicht in Abrede ſtellen, daß zur Aufhellung und Beſtimmung des Bildungsſtandes in den einzelnen Jahrhunderten noch vieles fehlt, und weder das Zeitalter Anaximanders ausführlich und beſonders behandelt, noch der perſönliche Einfluß dieſes Pbhiloſophen auf ſeine Zeit nach den verſchiedenen Seiten hin genügend erforſcht und zur deutlichen Erkenntniß gebracht iſt. Die allgemeinen Intereſſen haben den beſondern die Aufmerkſamkeit entzogen, das Geringere iſt dem Wichtigern als Opfer gefallen, entweder aus Unachtſamkeit ganz überſehen, oder als etwas einer weitern Behandlung Unwürdiges zur Seite geſchoben wor⸗ den. Hinſichtlich Anaximanders hat man ſich in der Regel begnügt, ſein Verhältniß zu der joniſchen Schule ins Auge zu faſſen, und hat kaum die andern Verdienſte deſſelben beachtet, obwohl ſie Achtung verdienen und überdieß geeignet ſind, das Urtheil über den Standpunkt jener Zeit zu ergänzen, in Bezug auf hiſtoriſche Glaubwürdigkeit aber auf meiſt eben ſo gültigen Zeug⸗ niſſen beruhen, wie die ſind, auf welche die übrigen Leiſtungen ſich ſtützen. Das Feld, auf welchem ſich dieſe Unterſuchung bewegen muß, iſt daher als ein zum Theil unangebautes zu betrachten, deſſen Fähigkeit zu einem gewiſſen Ertrage erſt alsdann begriffen werden wird, wenn die Beſchaffenheit ſeines Bodens erkannt iſt. Daraus ergiebt ſich die Röthigung, das Zeitalter Anaximanders, ſo weit es hier in Betracht kommen kann, wenigſtens in allgemeinern Um⸗ riſſen zu zeichnen und den Weg zum vorgeſteckten Ziele von einem Geſichtspunkte aus zu beginnen, welcher den innern Zuſammenhang von Urſachen und Wirkungen ins Licht ſetzen, und den hiſtoriſchen Zeugniſſen leichtern Eingang verſchaffen wird. Gelingt es, die wichtigen Fragen, ob Anaximander nach dem Culturſtande ſeiner Zeit und nach ſeiner eignen Befähigung zur Erfin⸗ dung einer künſtlichen Sphäre, d. h. eines Himmelsglobus geſchickt geweſen ſei? zu einer genügenden Entſcheidung zu bringen: ſo muß die gewonnene Wahrſcheinlichkeit durch das Hinzutreten der alterthümlichen Schriftbeweiſe zur Gewißheit erhöoben werden und allen Bedenklichkeiten ein

Ziel ſetzen. 1