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2 (1827) Quaestionum scenicarum specimen secundum : Quo Vernalis Examinis D. XI. April. Inde ab hora antemeridiana IX. in Regio Gymnasio Ioachimico instituendi solennia indicit / Augustus Meineke
Entstehung
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VI

letzteren besonders anzog, prägte sich auch seinem Gedächtnisse so tief ein, dals er es auf dem Fortepiano leicht wiederzugeben im Stande war. Unter den zeit- kürzenden Spielen war ihm das Schachspiel das angenehmste, worin er eine so grolse Umsicht und Fertigkeit besals, daſs ihm wenige darin gleichkamen. Selten nahm er aber im traulichen Kreise zu dieser Art der Zeitkürzung seine Zuflucht; da es ihm besonders gegeben war, von Allem was im geselligen Gespräche die Theilnahme besonders erweckt, fertig und gewandt zu reden und seinen Freunden die angenehmste und heiterste Unterhaltung zu verschaffen.

Im Winter von 1825 zu 26 wurde zuerst Besorniſs bei denen, die näher mit ihm umgingen, erregt, da sich die Vorboten eines heftigen Ausbruches seiner Krank- heit Ans Nien⸗ zeigton. Kopt und Augen waren fast selten von Schmerzen frei- Die be d, seine Wangen fielen sichtlich ein. Er sehnte sich nach dem Frühlinge. Dieser besserte auch seinen Zustand.Mir iet in diesen Tagen, schrieb er am 3ten Junius seinem Bruderunbeschreiblich wohl. Wir haben nach harter Entbehrung das schönste Wetter und, was zum Anfange des Mai's nach und nach kommen sollte, ist nun mit einem Male da. Mir ist als hätte ich nie solches Grün gesehen und unser Thiergarten ist mir nie so erschie- nen. Auch nimmt die reine Luft schon die Krankenfarbe von meinem Gesichte wes und ich denke, die Reise soll schon, che wir uns wiedersehen, den letaten Rest weggehaucht haben. Erst jetzt bin ich froh in dem Gedanken, Euch wieder- zusehen; aber auch froher als ich es je gewesen bin. Als Knabe und Jüngling habe ich nie den Frühling entzückter genossen als jetzt. Es war der letzte, den er genieſsen sollte.

Am 14ten Juni trat er auf den Rath des Arztes und mit Zustimmung seiner Vorgesetzten die Reise an, von der er die Wiederh ig seiner dheit hoffte. In Dresden brachte er sechs Tage bei seinem jüngern Bruder zu, der dort Kauf- mann ist. Am 258ten kam er in Osnabrück an und war fast drei Wochen mei- etentheils heiter unter den Seinigen. Sein Kopfübel blieb jedoch nicht ganz aus, hinderte ihn aber nicht an dem vollen Genusse seiner Umgebung. Doch schien er diese, sowohl die Menschen wie die Natur, mit dem Gefühle zu betrachten, als wenn er sie zum letzten Mal sehen sollte. Am 44ten Juli reiste er ab, von dem ältesten Bruder und dessen Sohne bis Bingen begleitet. Auf dieser Reise ward ihm mannigkacher Genuls, und viele Freunde und Bekannte aus früherer Zeit wurden von ihm begrülst: in Münster der Consistorial-Rath Kohlrausch, in Cöln Ernst Schiller, der Sohn des Dichters, in Kreuznach A. Vols, sein Lehrer in Rudolstadt, in Heidelberg die Wittwe Voſs, die er kindlich ehrte. Hier fehlte es ihm auch nicht an Beweisen von Liebe und Anhänglichkeit früherer Schüler, die