Druckschrift 
2 (1827) Quaestionum scenicarum specimen secundum : Quo Vernalis Examinis D. XI. April. Inde ab hora antemeridiana IX. in Regio Gymnasio Ioachimico instituendi solennia indicit / Augustus Meineke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

VII

sich wetteifernd bemühten, ihm den dortigen Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen. Mit Rührung schrieb er von diesen Tagen an seinen Bruder. Frank- furt ward mit allen seinen Merkwürdig von ihm be h In Gotha freute er sich des würdigen Jacobs, den er früher kennen gelernt hatte, und seines Becker. In Rudolstadt verbrachte er drei schöne Tage in seiner vor- maligen Wohnung bei seinem chemaligen Mitschüler, dem Professor Sommer;

auch hatte er die Ehre einer langen Unterredung mit der Fürstin-Mutter. Alle alten Bekannte und Lieblingsplätze wurden besucht. In Jena erfreuten ihn die Wittwe Grielsbach und Göttling. Auch ward ihm in Weimar der lange ge- hegte Wunsch, Goethe zu sehn und zu sprechen, glücklich erfüllt.

Sehr geschwächt von der in der letzten Zeit beschleunigten Reise kehrte er um die Mitte August nach Berlin zurück. Seine Freunde und Amtsgenossen konnten ihn nur mit Mühe bewegen, dals er einen Theil seiner Berufsgeschäfte noch aus- setzte, die sie mit Bereitwilligkeit unter sich vertheilten. Die ersten Tage des September gaben bessere Hoffnung, und sein Geist, schon längst mit dem Gedan- ken des nahen Todes vertraut, wagte wieder den freien Ausblick auf ein kräftiges Wirken im Leben. Seine Freunde haben aus diesen Tagen die Erinnerung schöner M. Ach sie 1 den nur zu bald. Um die Mitte des September trat sein Uebel ihn mit neuer Heftigkeit an. Aerztliche Hülfe schien wenig zu ver- mögen. Sein ganzes Nervensystem war zu sehr angegriffen, ja fast zerrüttet. Da- bei blieb seine geistige Kraft und dals Gedächtnils ungeschwächt. An die Freunde schmiegte er sich jetat mit dem wehmüthigen Gefühle, das die Ahnung der nahen Trennung erregte. Ein heftiger Brustkrampf warf ihn den 268ten September auf das Krankenlager. Seine Leiden wuchsen mit jedem Tage. Still duldend ertrug er alles, nur mit dem Gedanken des Todes beschäftiget. So oft ihm ein Nachlals des heftigen zu sprechen vA redete er mit Theilnahme von sei- nen Verwandten und Freunden. Dem Himmel dankte er, daſs er ihm vor seinem Hinscheiden aus der Welt, noch alles, was ihm auf Erden lieb war, nicht in einem Traume, sondern in schöner Wirklichkeit, in den letzten Tagen wie in einem Ueber- blicke gezeigt hätte.Dieses Bild will ich mit hinüber nehmen, sagte er,dies soll mir bleiben. Die Qualen welche er zu bestehen hatte, wurden immer ge- waltiger. Seine Besinnung verliels ihn bis zum letzten Tage nicht. Einige Stun- den vor seinem Tode redete er noch einen seiner Freunde, die um ihn waren, an. Am zweiten October verschied er an einem erstickenden Nervenschlage. Zwei Tage darauf b ihn seine den Freunde und Amtsg Zu den ent- fernten Verwandten kam die Kunde seines Todes erst später.