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2 (1827) Quaestionum scenicarum specimen secundum : Quo Vernalis Examinis D. XI. April. Inde ab hora antemeridiana IX. in Regio Gymnasio Ioachimico instituendi solennia indicit / Augustus Meineke
Entstehung
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seinen körperlichen Uebeln zu leiden, wozu damals besonders Engbrüstigkeit gehörte; doch überwand seine Liebe zu der neuen amtlichen Thätigkeit alle diese Hindernisse. Die Hypochondrie verliefs ihn bald ganz, und es schien auch der Wendepunkt seines körperlichen Ungemachs gekommen zu seyn; denn sein Körper stärkte sich auffallend und wurde bald das Bild einer blühenden Gesundheit. Wie sehr dadurch seine geistige Kegzanleelt erhöht wurde, lälst sich aus der Lebendig- keit desselben unter Verhältniw leicht schliels In diese Zeit fällt seine Bewerbung um die philosophische Doctorwürde, welche ihm die Uni- versität Halle im Sommer 1820 ertheilte.

Im Frühjahr 1821 wurde er als Oberlehrer an das Königl. Joachimsthalsche Gymnasium berufen und bald darauf zum Professor ernannt. Die Anstalt zählte ihn zu ihren rüstigsten und eifrigsten Lehrern und seine neuen Schüler schlossen sich eben so innig an ihn an, wie die früheren, die er jetzt verlassen hatte, sich bemühten, die Verbindung mit ihm zu unterhalten. Gern sprach er mit ihnen, wenn sie ihn besuchten, von ihren Studien und von der Laufbahn zu welcher sie sich vorbereiten wollten. Die früheren Amtsgenossen blieben seine treuesten Freunde, die jetzigen schlossen bald mit dem kenntniſsreichen, bescheidenen und dienstfertigen Mitarbeiter ein eben so inniges Verhältnils. Fünf Jahre wirkte er talt belehrend und ggend auf die Jugend. Einer schönen

zum F. der A

Zukunft konnte er entgegen sehen. Ausgerüstet mit allen den Kenntnissen, die zur Veredlung des Menschen dienen, beseelt von der Liebe zur Jugend und durch- drungen von einem tiefen religiösen Sinne, dabei in blühender Lebenskraft, deren Reiz für ihn durch die Erinnerung früherer Leiden erhöht wurde, schien er eine lange Reihe von Jahren seine erfolgreiche Wirksamkeit, für die er ganz lebte, fortführen zu können: Niemand ahnte, dals seine herrliche Laufbahn so bald geschlossen sein sollte. Zu seinen liebsten Erholungen gehörten Ferien-Reisen zu seinen Angehö- rigen, die er regelmäſsig alle zwei Jahr besuchte, und Ausflüchte nach den hhönsten Punkten D. hlands. Eine Reise nach Italien trug er lange als Wunsch im Geiste mit sich herum und sprach viel davon. Als aber im Herbste 1825 sich sehr günstige Gelegenheit zu einer solchen darbot, seine höheren Vorgesetzten sich auch kür seine Beurlaubung geneigt erklärt hatten; unterlieſs er sie dennoch, wie es scheint, in Folge 8 Pflichtgefühls, das ihn besti die Anstalt nicht zu einer Zeit zu verlassen, wo ihr wichtige Veränderungen bevorstanden. Auſser den Ferien pflegte er die Mulsestunden ernsten Studien und solchen geselligen Ver- einen zu widmen, die damit in Verbindung standen. Das Schauspiel liebte er sehr und versäumnite selten, wenn seine Arbeiten es zulielsen, die groſsen Meisterwerke der besten Dichter und Componisten zu sehen und zu hören. Was ihn in den