¹9
Stiles), lange und verwickelte Perioden zu bilden, viele Sätze durch Coniunetionen und Relativa einander unter⸗ zuordnen, Participial⸗Conſtrurtionen unter ſie zu miſchen und ſie durch künfliche Stellungen unter einander zu verflechten. Es kommt dies zu ſehr auf das Verſtandesmäßige und Reflectirende hinaus: die wahre Poeſie aber iſt ein frrier Erguß des Innern, unter dem Varwalten der Phantaſie und dem Zurücktreten grübelnder Reſpqion und ſondernder Thätileit des Verſtand:s. Um ruhige Gedauken und Empfindungen auszudricken, bedarf ſie keiner langen Perioden; hat ſie aber Aufregung, Leidenſchaſtlichkeit u. dgl. zu ſchildern, ſo kann zwar der ganze Gedankencomplex ein umfangreicher ſein; allein die einzelnen Theile reihen ſich meiſteus im Verhält. niß der Beiordnung ſo einfach an einander an, daß auch der Bau des Ganzen dadurch ein ſehr einfacher und überſichtlicher wird. Zwar iſt die Wortſtellung oft weit vervickelter, als dies in Proſa geſtattet iſt, namentlich bei Satzverſchränkungen(M. vgl. VIII, 376. 405, 751.); allein durch Amwendung gewiſſer rhetoriſcher und grammatiſcher Figuren, wie Amaphors, Polzſyndrton n. a, durch Vervendung von Hauptſiben ſtatt der Neben⸗ ſätze, durch die ſich eutſprechenden Stellen, welche das Versmaß gewährt, wird auch in dieſer Beziehung der poetiſchen Darſtellung Deutlichkeit und Ueberſichtlichkeit gewahrt.
Als gewöhnliches Maß fur den Umfang einer oratwriſchen Periode ſebt Girro die dänge von vier Hera metern feſt, ans dem praltiſchen Grunde nimlich, weil ein Sabganzes von dieſem Umſange in einem Athemtzuge vorgetragen werden konne. Beim Vortrage von Verſen jedach iſt durch die rhythmiſche Pauſe am Ende jedes derſelben, durch die loſe Zuſammenfägung der Sibe und durch das häuſige Zuſammenfallen des Endes der Satzlieder oder Satziheile mit den Einſchnitten oder Aliſchlüſſen der Verſe dafür geſorgt, daß auch längere Satganze ohne Zwang und Ueberanſtrengung der Stimme auf richige Weiſe zu Gehör kommen können. Wir finden daher auch an vielen Stellen der Metamorphoſen weit längere Perioden, ſo z. B. gleich im erſten Buche eine ſolche, die neun Hexameter umfaßt, von v. 78—86. In andern Fällen, in welchen der Satzbau noch ein. facher, und die Verbindung der einzelnen Theile noch gleichförmiger iſt, wie bei Aufzählungen, findet man Sc ganze von ſehr bedeutendem Umfange. So im deitten Buche vom 209, bis zum 225. Verſe, wo die Namen und Eigenſchaſten der Jagdhunde auſgezählt werden, welche den in einen Hirſch verwandelten Actaeon verfolgen; im zehnten Buche vom 90. bis zum 105. Verſe**), wo die verſchiedeuen Arten der Bäume und ſonſtigen Ge⸗ wächſe genannt werden, welche dem die Saiten rührenden Orpheus Schatten gewähren, und im dreizehnten Buche, wo der für die Nymphe Galatea entbrannte Polyphem ſein einförmiges Liebeslied mit einer Fluth von Ver⸗ gleichen und ſchmückenden Beiwörtern beginnt, die ſich unaufhhaltſam vom 789. bis zum 807. Verſe ergießt.— Freilich gehören mehrere Stellen dieſer Art, abheſehen von der letzten, in welcher die Linge der Periode für den Inhalt charakteriſtich iſt, nicht zu den vorziglichemm bei Ovid, weil er in ihnen die Fülle der ihm zuſtrömenden Anſchauungen nicht auf das rechte Maß beſchränkt und bisweilen ein gewiſes Prunen mit Gelehrſamkeit nicht unterdrücken ka
Für die rhythmiſche Malerei kommt es weniger auf den Umfang der Sütze an, als vielmehr auf die Stellung derſelben ſowie ihrer Glieder zu den Verſen und deren Theilen.
Was zunächſt den Anfang der Sitze betriſft, ſo ſind bereits oben bei Beſprechung derjenigen Sätze, welche kürzer ſind als der Herameter, die Stellen bezeichnet worden, auf welche derſelbe fallen tanl. Da der
—) Als giel des erſeeren ſtelt Cicero hin, daß er vollendete Perioden habe, wenn auch der Abwechelung wegen der Vortrag biswellen in leinere Glieder zu zerſticen ſei. De Orat. 1II, 19, 190, Iit erleiendum est illul mod nolis, no uat oralio, no vagstun, no imaistat interius, ne cxcurtat lomgins: ut membeis distineuatur, ut cynrersiones habeat ahsohutas. Nedue semper uteuium est perhetuitate et qusai eonrereieme xerharum, Sed sacpe carhenda meuhris minutierihms oratio est, quue tamen ihaa memhra snut uumeris vinciemi.— Von dem hiſtriſchen Stile aber ſagi Ouintilan, daß er Abrundung und zuſemmenhängendes Gewehe verlange: Instit. 1. 1, 121. Iliateria non tam ſuitas wameros quam orhemm quemau eomiextumnque Geilerat. Namque amnit cius meuhru emexs sunt, duonium luhräea ert ac Ruit. ut homänen, qni anibus jnricemn apprehensie gradum ürmant, cantinent et eontinentur.—
*.) In der Merkeſchen Ausgabe ſindet ſch zuar am Ende des 98. Verjes ein Punkt, doch iſ das Satganze an dieſer Stellenoch nicht beendet, ſondern im ſolgenden B. trit uur ſtatt des erſſen Briditais wen afit das gleichbedemtende venistis ein,
3*


