Druckschrift 
Fortsetzung (1879)
Entstehung
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Auders ſtand es mit dem Dichter: hatte er ein gewiſſes Metrum gewähll, ſo war ihm nicht, wie dem Redner, geſtattet die Worte ſo zu ſeten und auch wohl mit einander zu vertauſchen, daß dadurch ein dem jedesmaligen Zuhalte am beſten eutſprechender Rhythmus hervorgebracht wurde, ſondern ſein Rhythmus war ein feſt be⸗ ummter, underänderlicher. Trot dieſer Gebundenheit war es ihm aber doch möglich den Ausdruck dem Inhalt entſprechend zu geſtalien, und gerade das Versmaß gevährte ihm die Mittel dazu. Es bat gewiſſe Hauptſtelen; an dieſe ſezte der Dichter die Worte, die entweder wegen ihrer Wichtigkei für den Gedanken ader wegen ihrer engen Beziehung auf einander beſonders herworgehoben werden ſollten. So beuirkte es das Versmaß, daß der Dichter in der Freiheit der Wortſollung diel weiter gehen konnte, als der Redner.

Jene Hauptſtellen nun ſind je nach den Versmaßen verſchieden; im Hexameter ſind es Anfang, Cöſur, Schluß, durch welche nicht bloß die auf ſie treffenden Worte nachdrucksvoll hervorgehoben, ſondern auch unter Anwendung mannichacher rhetoriſher Figuren auf einander bezogen werden. Außerdem eniſprechen ſich auch die Anfünge der beiden Tripodien, ſo wie Anfang und Ende der letzten Tripodie; ferner die Anfänge, Ciſuren und Schlüffe unmitelbar auf einander folgender Verſe, und die gleichen(2, 4. und 6. Juß) und ungleichen(1, 3. und 5. Fuß) Stelen des Hexameers. Dabei kommen endlich noch die verſchiedenen Arten der Cifuren in Betracht. Es würde zu weit führen, wolle ich ſämmtliche dülle, in denen das Verömaß auf die Wortſtellung von Einfluß iſt durch Veipiele aus den Metamorphoſen belegen, obgleich jeder dieſer Fülle dazu brirragen kanm, den Ausdruck maleriſc zu geſtalten. Daher mag es genigen, daß ich die wichtiſten nüher bezeichne.

Den meiſten Nachdruc erhalten alſo zuvärderft die Worte, welche im Anfange des Hexantters ſichen; denn auf dem erſten Fuße ruht der Hauptietus der erſten tripodiſhen Reihe. Deghalb nehmen vor Allem ſolche Worte dieſe Stele ein, welche durch ganz beſonders ſtarke Brtonung einen malerüſchen Eſſett hervorbringen ſollen; 3. B. II, 311. Tuauat et dexira hratum fulmen ab aura Nfisit in aurigam pariterqus animaque rctisdue Bepulit. Chusternantur oqui II, 144. Tbseinner. X. 443. Vieimus!

Dazu kommt noch die Hervorhebung ſolcher Worte durch Amvendung rhetoriſcher Figuren, z. B. des Hoperbaton: II, 150. Obstantes scindunt nobulas. J, 165. Hlorrilar inrasit boreus. Man ſtlle in den letten beiden Versanſängen die Vorte ſo, daß z. B. das Verbum begimmt, und alſo dus Hyperbaton wegfäll, ſo wird man inne werden, welche bedeutende Kraft das lettere dem Aufangsworte verleiht. Von andern Rede⸗ ſiguren weiter unten. Ferner wird das erſte Wort im Verſe auch durch inhaltliche Beziehungen, z. B. Ver⸗ gleichungen, Gegenſäte u. 1. v. hervorgehoben; daher ſtehen im Anfange häuſig Comparatide, Superlative, über⸗ haupt Worte, die eine Qualität ader Suantität bezeichnen:

VI, 195. Ilaior sum quam eni 1. 16. Sanetius l XI. 708. Phura dolor prohibat. P. 311. Mazima Dars unda mpitur. I. 28. Iyurimnss est uer illi. 1, 512. Chui Placcas, inquire tamen. 700. Tulia verha refort. II, 461. U'na moras quacrit. XV. 165. Cumia mutantur. Nl. 609. Julla domo tota. 60G. Jhnuuerachue lorhae. Gegenſatz: III, B6l. Pauea terrobit II. 368. 0 materno quamxis a sanguine iunckus Alaute tamen, hacton, propior fuit.

lUeeber die Schlußvorte, welche die nächſt wichtige Stelle im Verſe einnehmen, iſt im Allgemeinen das. ſelbe zu bemerken wie über die Anfangsworte: durch beſondern Nachvruc zeichnen ſich auch am Schluſſe die Qualitäts, und Qumntitätsbegriffe aus; beſonders häuſig kommt ille und unus vor. Stark tritt der Schluß hervor und dient oſt zur Schilderung einer gewaltſamen Bawegung oder Thätigkeit, wenn er durch ein mehr⸗ ſiliges Wort, deſſen lebie Silbe vor est elidit iſt gebildet wird, 3. B. In 461. dubitanti vestis adempta est. N, 57. at hrotinus illn relapen est. 63. rerolutuqus rursus codem est; femer im èusrufe: II, 520. quam rästa potentin nostru est! VIII, 131. maris incola, Proteu. cf. XlIl, 512; oder wenn das lette Wort dem Sinne nach zum folgenden Verſe gehört: V, 141. natan Salis ab occasu solis qunerohat ad ortus. Von der Verſchiehung des Suljeets ans Cnde, damit dadurch die Aufmerlſamkeit um ſo mehr geſpannt werde, und es mit um ſo grßerem Nachdrucke auftrete, iſt oben S. 3. gehandelt worden; aber auch andere Satzglieder werden in gleicher Weiſe für den Schluß aufgeſpat, fo z B. die Ergänzung des Pridilates: XIII, 596. primisque sub annis Oecidit a forti sic vos voluistis Acbüle. Ebenſo iſt von der