unterſcheiden, und kommt es doch ſogar vor, daß andere, die auf dem Clavier eine bedeutende Fertigkeit erlangt haben, nicht genau wiſſen, ob ihr Inſtrument verſtiumt iſt oder nicht, und welche Töne hauptſächlich unrein ſind geſchweige denn, daß ſie angeben küunten, wie die richtige Stimmung ſein müßte Kein Wunder, demn das Inſtrnment erſpart ihnen ja die Beurtheilung der Höhe und Nefe der Töue, raubt ihnen aber dadurch, wenn nicht mit dem Claierumterricht zugleich Geſangübungen verbunden ſind, wie in neueren Clavierſczulen empſohlen wird, ein wichtiges Mittel muſtalicher Ausbildung. Ebenſo mus auch das Ohr geütt werden, un die lantlichen Unterſchiede und Schönheiten in der Poeſierichig erkennen und beurtheilen zu lernen. Ver ſich hierum niche beklnmert der darf auch nicht glauben, daß er jemals die Kunſt klaſſſcher Dichter würdig ſchäten und ihre Werke voll und ganz verſtehen lernen werde, beſonders nicht die der grieciſchen und roiſchen Claſſiker.
kht ſo ſchuierig iſt die richige Erfaſſung des rhythmiſchen Elementes und demgemäß auch die Eremmniß der ryythmiſchen Schönheiten in Dichterverten. Beim Rhyrhmus handelt es ſich haupeſächlih um eine beſtimmte Eintheilung der Zeit, wie ſie auch von dem ungebildeten Manne ohne ſonderliche Uebung bewerk ſteligt wird; man denle an den Haunmer und Dreſcherſchlng. Während es, um das melodüſhe Elemtent zum Bevußiſein zubringen, der meuſchlchen(auch thieriſchen) Stimme oder eines beſondern mnſſkliſchen Juftrmments berarf, begnigt ſich der Rhyehmus, um vernommen zu werden, mit den einſachſien Mitten.„Ein Annpäſt bleibt', wie Voß ſagt⸗),„Anabäſt, er mag auf der Laute und Harmonila klingen, oder von der Trommel und Heerpauke in das Ohr dröhnen, oder ſogar unter des Vöttthers zlipfel auf dem Tomenreif klappem“ Um ſo eher und unbeſtrittener werden daher die rhythmiſchen Schönheiten, welche ich in Ouids Metamorphofen nachweiſen will erkannt und anerkannt werden; da jedoch an den maleriſcſten derartigen Stellen oſt zugleich Lautmalerei von Ovid angewandt worden iſt, ſo werde ich auch nebenbei auf dieſe dinzuveiſen haben
Mkau verſteht unter rhythmiſcher Malerei die nachahmende Darſtellung des Gegenſtandes vermitteſt der rhythmiſchen Bewegung. Rhythuuus iſt eine beſiinmmte Eintheilung der Zeit nach Geſetn, wie ſie der dem Mienſchen augeborne Sinn fir Vrdnung und Symmetrie auſſtellt Der Rhythmus mutß aber, um firnlich anſchaulich zu werden, an etwas Materielem ericheinen, das ſich meſſen läßt. Ein ſolches zu Grunde liegendes Materieles, von Ariſtorenus Rhytymizomenon genant, iſt für den Rhythmus der Poeſie der artiellrte Ton, der Laut der Sprache, durch den de Silben, dann die Worte u.ſ w. gebildrt werden. So iſt alſo der Rhythums unſprünglich etwas außerhalb der Sprache Liegendes und wird erſt durch den Dichter zu ihr binzugebracht Die Poeſie iſ durch den Rhthnus als gemeinſames Band mit zwei andeten Künſten, nämlich mit der Muſt und der Orcheſtil ſchveſterlich vereint und wurde auch mit dieſen in der frübeſten helleniſchen Zeit von dem Sänger in einer Perſon gemeinſam ausgelibt. Wenn man dennoch die Dichtkunſt ſowohl nach ihrer lautlichen ais rhythmiſchen Beziehung mit der Malerei vergleiht, ſo geſchieht dies nicht etun aus dem Grunde, weil die lettere in einem engern Verhilluiſſe zu ihr ſtände, als jene beiden Künſte; vieluehr unterſcheidet ſic die Malerei von allen dericn dadunt, daß ſie ihre Umriſſe und Geſtalten im Naume ordnet, wäͤhreid jene Künſte es mit einer beſimmten Eintheilung der Zeit zu thun haben. Der Grund jener Vergleichung iſt der, daß dir Malerei durch ihre in Ruhe verharrenden und neben einander befindlichen Formen und Geſtalten auf das Auge wirkt und dadurch ſinnlicher, anſchaulicher iſt, die Eibildungskraft ſtärker und mehr mit einem Schlage trifft, als Poeſie und Muſik die mit ihren nach einander in die Erſcheinung tretenden Erzeugniſſen ſic an das Gehär wenden und erſt durch die hinzikonnnende Phantaſie und Reflerion ein abgeſchloſſenes Bid gewähren. Iſt nun dieſes Bild ein ſo plötziches, lebendiges, anſchauliches, daß es gleichſam mit einem Schlage vor dem geiſtigen Auge daſteht, ſo nenut man die Ausdrucsweiſe, durch welche Porſie oder Muſik es hervorgebracht haben, maleriſch.— Die Orcheſtit wirkt durch ihre Figuren(xiwera) zwar auch auf das Auge, doch ſind ihre Büder keine bleibenden wie die der Malerei, ſondern gemäß der rhhthmiſchen Bewegung immer abwechſelnd und ſich beründernd.
*) Erlärungen zu Verzits Landbau Altonn 1800, p. 191.


