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[Beginn] (1878)
Entstehung
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Uleber rhythmiſche nntialerei in Ovid's Metamorphoſen.

Dno sant igitar wn, abae permaleeamt aates, omas ot mawworus. Cie. O 49. 103.

In dem zu Oſtern 1871 erſchenenen Prograume dieſer Auſialt habe ich nachzuweiſen geſucht, wie Ovid ſich in den Metamorphoſen an vielen Stellen der Lautmalerei bediente, im der Natur der datzuſtellenden Gegenſtände durch den Ausdrut gleichzukommen und ſo die Schönheit ſeinss Werkes zu erhshen. Zu den Mitteln der nachahmenden Darſtelumgsweiſe gehort aber außer der daumalerei noch die rhythmiſche Malerei, und auch dieſe hat Ovid in dem angeführten Werke keineswegs unbeachtet gelaſſen, ſondemm in ihr dieſelbe Meiſtrſchaft wie in jener bewährt.

Alis ich vor ſieben gahren die AbhandlungUleber Lantmalerei in Oviys Metamorphoſen verfaßte gedachte ich anfangs zugleich die Kunſt dieſes Dichters in der rhythmiſchen Malerei zu ſchildern; da abe Ausfährung dieſes Planes die Grergen einer Programmr Abhandlung überſchriteen haben würde, ſo mußt die Darſtellung des zweiten Theiles meiner Arbeit auf ſpätere Zeit verſchiehen. Ehe ich dazu übergehe, ſei mir noch eine kurze Vorbemerung geſtattet

Es iſt mir nach dem Erſcheinen des erſten Theiles der Einwurf gemacht worden, ab denn wohl der Dichter an manchen Stellen, wo ich ſeine Kunſt in der Lautmalerei beſonders zu erkennen glaubte, nicht ganz zufällig ſo geſcrien, und ob ihm alſs nicht Abſthten von mir untergelegt wären, die er me gehegt hätte. Ich antworte darauf, daß allerdings die Sprache in lautlicher Bezjehung für den Dichter mitarbeitet und ihm bei dielen Geltgenheiten freundliche Hilſe gewährt; doch kann ich nicht zugeben, daß eine ſolche Uebereinſiimmung des lautlichen Ausdrucks mit der Natur des darzuſtellenden Gegenſtandes, wie ſie uns bei Ooid und anderen taſſiſchen Dichtern, alten ſowohl wie neuen, entgegentrite, auf bloßem Zufall beruht. Vielmehr habe ich mich bemüht, in jener Abhandlung zu zeigen, daß dieſe Erſcheinmg ihren Grund hat in ganz beſtinnnten phyſiologiſchen Vorgängen, deren Weſen dem wahrhaft großen Dichter nicht verborgen bleiben kann; daß er ſich daher dieſes Müüttels abſictlich bedient, um ſeinem Werke dadurch beſondern Schmruc und eigenartige Schönheiten zu verleihen. Wenn dieſe mm nicht ohne Weiteres bei jedem Hörer denn hören und nicht bloß mil den Augen leſen uuß man die Dichtenverke, um über ihre laullchen Schönheiten urtheilen zu konnen Auerkennung finden, ſo liegt die Schuld nicht an dem Dichter, der ſich ſeines Thuns wohl bewußt geweſen iſt ſondern an dem Hürer deſſen Ohr nicht venjenigen Grad muſtkalſcher Ausbildung bett, um den Intencionen des Dichers hinſichtlich des rautlichen Ausdeuks folgen zu knnen.

Lehrt doch die Erfahrung, daß es ſelbſt Leuten, die auf andren Gebieten den hächſen Grad der Bildung erreictt haben, trot aller Anſtrengung nicht gelingt, die Töne nach ihrer Höhe und Tiefe richtig zu

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