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2 (1850)
Entstehung
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LXIV. canturire, hier wie Paul. Fest. p. 68, 16(s. v. dagnades) nicht wesentlich vom Stammverbum verschieden, wie Friedländer richtig urteilt. ¹) Sonst: C. Gl. II 97, 17 canturit οαενν oltec, Not. Tir. 107, 41 canlurit nach canit, cantus.

camellaNapf, Schüssel, wohl schwerlich Dimin. von camera, wie die Lexika und mittelalt. Grammatiker(s. u.) behaupten. In der Litteratur nur Laber. bei Gell. XVI 7, 9 und Ovid. Dazu: C. I. IV 2030 vasa in camella, Ed. Diocl. XV 51 αννα(Pollux X 110 zaudodda unter Kochgefäſsen), Anecd. Helv. p. 96, 3 gamella unter weibl. Dimin. der 1. Decl., wonach ich vermute, daſs Ter. Scaurus C. Gr. VII 14, 9 geschrieben hat: c. cognationem habet cum g, et ideo alii dicunt gaunacen ²), alii caunacen, item camellam gamellam, wo Keil mit der besten Überlieferung camellum gamellum setzt. Bei letzterer Lesart wäre von Erweichung des c in dem Tiernamen camelus, der vulgür mit Il geschrieben wurde ³), die Rede, wovon sonst aber nichts bekannt ist. Dagegen weist das romanische auf gamella, frz. gamelle, sp. und portg. gamella. Ob camellenses, eine Gegend in Rom nach einer Inschr. Bull. comm. 1892, 348 damit zusammenhängt, ist zweifelhaft.

LXV.*mattea= gaœrröc(s. Georg.), von Friedl. richtig als Delikatesse erklärt, die erst gereicht wurde, wenn nach Beendigung der cena eine längere Pause eingetreten war und die Eſslust von neuem erwacht sein konnte. Bei Trimalchio scheinen auch Austern, Muscheln und Schnecken dazu zu ge- hören. Der Begriff m. ist ein allgemeiner. C. Gl. III 14, 54 finden wir es nach Aufzühlung von Wurstarten(lucanica, botellus): zxεειασοἀ⁴) mattia, es folgt syxeεᷣαs cerebellus⁵), ebenso 314, 52 und 87, 43, nur daſs an letzterer Stelle das Dimin. matiola steht, wie auch IV 120, 1 und V 466, 9 in der von Landgraf dem Sinne nach) richtig hergestellten Glosse matteolis- haec non manditur sed absorbetur, quod vulgo glutto Csorberey dicitur, womit man Friedländers Bem. vergleiche. In der Placidus-Glosse V 83, 17 matia(var. mathia): intestinae!) quae sordes emittunt, unde matiarii dicuntur qui eadem tractant ac vendunt= 115, 46(verdorbener p. 32, 7) lälst die Erklärung an eine in späterer Zeit stattgefundene Beschränkung des Begriffs denken. Denn daſs maltea einen Tierdarm bezeichne, ist sonst nicht nachweisbar(doch s. Nachtrüge). UÜbrigens vergleiche man damit auch die Stellung des Wortes in den bilinguen Glossen.

lapidarius Subst.Steinmetz(Ulp., Vulg., Inschr.). C. Gl. II 121, 10= 1 r6, 360, 51 = 1¹aMο‿rg, 1. 62 1orolorne, 585, 35= cimentarius(= caem.). III 271, 14 4⁸ι 5 609. Auch Firm. math. III 5, 23. C. I. L. III 1777. VI 9502. XII 732 u. ö.

1) Zu den von Wölfflin, Arch. I 414 als nicht desiderativen Verben auf urio, bez. urrio behandelten kommen aus den Glossen noch flagurrit: gẽosu II 72, 34, wo Vulcanius richtig léyez korrigiert, aber unnötig flagrat, und vagurrit: per otium vagatur, éεra oder vagurrit: otio deperit, vagatur, beides öfter überliefert, s. Loewe prodr. 96, A. 1.

2) In der Litteratur nur bei Varro I. 1. V 167 in der durch die Uberlieferung angezeigten Form gau- nacum aus gr. acvvdung oder sp..(s. Steph. thes.). Dazu Gl. IV 346, 11 gaunaca: gausapa, was entw. Fem. Sing. oder Neutr. Pl. ist, Not. Tir. 97, 5 gaunapum nach gausapum, wo Brambach, Neugestaltung der lat. Orth. S. 213 und Schmitz gaunacum', Not. Bern. 55, 91 galnapum, Isid. XIX 26, 2 in dem Abschnitt ede stratu et reliquis quae in usu habentur' galnapis(oder es), wie auch Isid. regula monach. 13, 1 galnahis steht, desgl. galnape in mittelalt. Urkunden s. Du C.(mit umgekehrter Erscheinung von cauculus= calculus, fr. chaud = caldus). Constant ist also g im Anlaut, die Formen aufapum bez.ape aber scheinen auf einer Ver- quickung der Synonyma gaunacum, ce und gausapum, pe zu beruhen. Die Donische Inschrift mit gauna- carius C. I. VI 9431 scheint nicht verdächtig.

3) S. Georges Lex. lat. Wtf. s. v., wo nicht beachtet ist, daſs die Schreibung mit 11 von Gram- matikern wie Mar. Vict. C. Gr. L. VI 17, 10, desgl. Beda p. 268, 23 verworfen wird. Auch in Glossen ist sie häufig, z. B. IV 407, 16 s. v. bulla.

4) Von xεοαισροεννν Speisen herumreichen, circumferre(Petr. oft, Mart. III 17, 1). Vgl. Photius p. 249, 11 uœrru τπην οτσοοσmmαάυασαα Die Glosse des Hesychius œrrong ¹ bv oνν Manedνιν, 6Ov uœl rd& 105.ꝓνeοο ο 5 Tdlywvα απκειιισνσαρεσνα weist, wenn 1dyuv« richtig ist, woran die Editoren wohl mit Unrecht zweifeln, auf eine andere Art Delikatessen, die aus den Eingeweiden von Vögeln bereitet wurden.

5) Vgl. die Wurst cervellata und Titin. com. 90 Ri., Cels. II 22, wo die cerebella aller Tiere als gut bekömmliche Speise genannt sind, Apic. IV 121 u. ö.

6) Uberl. ist molleolus und malleolus. Ich vermute Kontamination der Glosse in der Weise, dals die Urglosse mateola: malleolus lautete, beides Bezeichnungen für einen Hammer, und daſs die folgende Erkl. hoc non manditur auf Verwechslung von mateola und matteola beruht.

7) Uber diese auch, im Vulgärlatein des Petron. vorkommende Form s. unten S. 41.