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2 (1850)
Entstehung
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dieses 1 mal(in der Form varo)¹) bei Lucilius, 4 mal bei Cicero, 1 mal bei Pers. vorkommenden Wortes endigt bekanntlich mit den mittelalterlichen Baronen. Aber Ursprung, Grundbedeutung und die einzelnen Stadien der Entwicklung bis ins Romanische hinein sind dunkel. Neuerdings hat Wälfflin, Arch. IX 13 und Münch. Sitz.-Ber. 1894, 105 f. auf Grund eines reichen Materials als Grund- bedeutung(corporis robore ferox' aufgestellt, was dann D. Riccoboni in den atti del R. Istituto Veneto di scienze 1894/95 weiter ausgeführt hat. Die uns, vorzüglich in Glossen, erhaltenen Er- klärungen scheiden sich leicht in 3 Gruppen:

I) barbo- Sdanloe Gl. II 28, 20, wonach Loewe Prodr. 57 die oft, z. B. IV 210, 20, über- lieferte Glosse bacerus: baro factus(b., fatuus vermutete Barth) erklärt und auf Suet. Aug. 87 hin- weist, wonach jener Kaiser baceolus für stultus²) gebraucht habe. Ubereinstimmend III 440, 17 Bd- anlog barosus, welches rein glossematisches5) Wort auch mit Sdwνοαοο(p. 334, 11) und Gασς (178, 52 u. 5.) erklärt wird: beide griech. Wörter lassen sich vereinigen auf die Bedeutungdumm- stolz(II 255, 48 Bdνravcog adrogans, anderswo= ventosus), wozu andrerseits die Erklärung von Sdrnlog bei Suidas Geyag dy, dvonrog dt(auch= eunuchus, mollis, wie in der Litteratur, s. Lob. Phryn. 272) stimmen würde.

II) baro:- mercennarius II 569, 29 b.ιοο QP(uεσοο cod., von Götz verbessert) III 478, 46. Isid. IX 4, 31 mercennarii... iidem et barones graeco nomine, quod sunt fortes in laboribus, Baoðg enim dicitur gravis, quod est fortis. Gl. V 592, 13 barones(bargines cod., corr. Loewe): fortes in bello. Osb. p. 269 hic hero, i. e. baro, unde heroicus, 275 heros: baro, cleonta, vgl. p. 69, wo baro von barrus = elephans abgel. wird quod alios homines praecellit. Khnlich Schol. Pers. V 138) barones vel va- rones dicuntur servi militum, qui utique stultissimi sunt, servi scilicet stultorum.

III) baro:- dvn(dwio cod.) II 27, 54, wozu man eine Stelle der lex Ripuaria vergleicht tam daronem quam feminam, zusammengehalten mit der Thatsache, daſs in den pyrenäischen Sprachen das Wort vorwiegend in der BedeutungMann schlechthin odertüchtiger Mann gebraucht wird und nur im Span. varone auch gleichzeitig als Adelsprädikat dient.

Die Gruppen I) und II) zusammengenommen scheinen in der That für Wölfflins Erklärung zu sprechen, nur daſs ich lieber corporis robore stolide ferox' ansetzen würde, und lassen den Über- gang in die Bedeutung proceres, Vasallen, wie sie schon in den Kapitularien Karls des Kahlen er- scheint, verstehen. Gruppe III) zeigt eine ganz verallgemeinerte Bedeutung. Die juristische Litteratur s. Ind. zur lex Sal. ed. Behrend, 2. Aufl. 1897.

LVI. acetabulum. Bei der Lotterie gewinnt das Loos mit der Aufschrift argentum scele- ratum eine perna, super quam acetabula erant posita. Den schwachen Witz erklärte Buecheler in seiner gröfseren Ausgabe zuerst richtig'latinum vocabulum oxuelloog graecae simile elegit Trimalchio', wozu die Glosse III 14, 46 oxelle perna und II 433, 2 cnllog Jolosov perna stimmen. Dafs die acetabula⁵)

1) Vgl. Gl. IV 399, 43 varunculus: varro mit der Var. varuo, wie 313, 17 baruo: barunculas, II, 28, 20 barbo: Bdanlog. Daher wird die Bemerkung des Anonymus C. Gr. L. V 572, 17 barones dicendum, sicut Cicero ad Pansam entweder auf die Schreibung des Anlauts mit v oder auf die der Endung mit uo gehen.

2) Tribacelus ist nach einer plausiblen Konjektur Ribbecks(überl. ist tribasel()us) der Titel einer Komödie des Naevius.

3) Nachträglich sehe ich, daſs Morcelli de stilo inscr. lat. p. 251 aus(tori die Inschrift eines Ringes BAROSE RECTE anführt, wo aber das Wort vielleicht appellativisch ist, vgl. C. I. VI 631(Gladiatorenname) und De Vit. Onom.

4) Daſs die Worte lingua Gallorum vor barones, welche die Romanisten verführt haben, baro dem gallischen Latein zuzuweisen, von dem Herausgeber Pithoeus stammen, weist Wölfflin, Münch. Sitz. a. a. O. nach.

5) Eine ähnliche Bildung scheint in der Scaliger-Glosse V 591, 4 adfrutabulum: vasculum zu stecken, die, wie man jetzt sieht, aus den eGlossae ab absens' geflossen ist, wo afrutabulum IV 405, 17 überliefert ist. In jener Glosse wollten frühere Gelehrte affutabulum unter Hinweis auf futis oder noch kühner acetabulum schreiben. Ich erkläre mir afrutabulum als ein Kochgeschirr für afrutum, eine Bildung von ας(Isid. XX 2, 29 ede escis': afratum guod Latine spumeum vocatur, vermutlich aus Anthim. c. 34, wo es dreimal vorkommt), über welches späte Wort Haupt opp. III 587 gehandelt hat. Wenn dieser sich für die Form afratum ent- scheidet, unter anderem durch den Hinweis auf spätgriech.&†oov, so ist doch zu beachten, daſs wenigstens bei Isidor auch afrutum und afructum überliefert ist. Man kann also wohl beides gelten lassen: afratum mit lat. Participendung, afrutum aus griech. d†αστν(vgl. ceratum und cerotum unœoνν, crocatum Cass. Fel. 35 neben crocotum), viell. mit Anlehnung an defrutum.