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2 (1850)
Entstehung
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Petrons im Mittelalter gewännen. Ahnlich steht es mit der Tironischen Note 30, 83 minutalia in einer etymologischen Reihe(minuit etc.). Rein adjektivisch ist Gl. IV 416, 17 minutalia: modica erklurt.

anathgmiasis(Blähung). Diesen offenbar medizinischen Ausdruck belegen die Lexika noch aus der Schrift des Arztes Th. Priscianus part. II 1, 1. Aufserdem kommt in Betracht Not. Tir. 111, 77 anathema sit, das auffällt zwischen lauter Krankheitsnamen; vorhergeht z. B. paralisis, menacholitus(sic!), es folgt phisis(= phthisis). Schon der alte Kopp vermutete daher unter Hinweis auf Petron, daſs es aus ursprünglichem anathgmiasis¹) interpoliert sei.2) Vgl. unten S. 30.

*potiuncula(Suet.). Nur noch Not. Tir. 104, 65.

malicorium)(Cels., Plin.), noch Not. Tir. 99, 54(malocorium).

*petauristarius(Firm. math. VIII 15), noch Not. Tir. 107, 63(petauristanus), latinisiertes xeεrυνεαντε wie propolarius Gl. V 576, 56= x0⁵μςα ropola u. ä.

neniae(Trimalchio prahlt: gallum gallinacium, penthiacum et eiusmodi nenias rustici faciunt: mei coci etiam vitulos aeno coctos solent facere). Höchst wahrscheinlich steht nenide hier in dem Sinne von mugae dummes Zeug, Scherze, Possen(Friedländer übersetzt ähnlich:Bagatellen), wie es ge- legentlich verwendet wird, s. Haupt opp. III 479 und Fulgent. p. 3, 11 Helm, wo in einer Hdschr. nugas übergeschrieben ist. C. Gl. V 313, 35 neniae: venares d. i. vanae res, 467, 48 nenias: super- flua loquacitates, fabulas inanes scu vilissimas res, 416, 21 nenias: mendacium, V 541, 8 nenias: res supervacuas, V 119, 43 neniae: deleramenta, sed proprie carmen funebre, 510, 9 per nenias: per fabu- lationes vacuas; II 132, 19 naenia: droxla, wie ich für die unverständliche Uberlieferung drovla ver- mute. So gebraucht das Wort Trimalchio schon c. 46, nachdem er erzäühlt hat, wie er sein Söhnchen von seiner Manie für die Vögel geheilt habe: invenit tamen alias nenias el libentissime pingit. Und es ist wohl nicht Zufall, daſs in den exc. Charis. C. Gr. I 549, 19 hinter hae nugae, hae neniae ιττ⁶ςρσσο das die alphabetische Ordnung unterbrechende hae leriae&luagPlaw steht. Dagegen scheint das Wort von demjenigen, der es den Tironischen Noten einverleibt hat, anders verstanden worden zu sein, nach der ihm angewiesenen Stellung zu urteilen. Es findet sich nämlich tab. 103, 78 Schm. unter fast⁴) lauter Schweinernem in folgender Reihe:) vadlva, offa, offola, offella, mesisula, suericulum, suis, porcus,

1) anathgmiasis schrieb man vulgär anathoemiasis oder anathem., wie sich in den Noten clepsedra, ELuretice, Stremon u. a. finden, Petr. 40 careota wie Varr. r. r. II 1, 27 Keil; vgl. coloephium S. 19. Schuchardt II 278 fl. Schmitz, Beitr.§. 107. Dieselbe Erscheinung zeigen die Glossen in Schreibungen wie caleptra, pole- mitum, senodus(etymologisierend mit congregatio senum erklärt; vgl. Wölfflin zur Regula Bened. p. Xl), wovon mhd. senet, noch heute im westfälischen MünsterlandSend= Kirchweih. So erkläre ich mir das mlat. ledum oder lidauna aus(x)νναων, vgl. C. Gl. V 602, 47 ledo: maris destuatio(= Osb. 326), 446, 31 clidon: maior tem- pestas. Denn nur so erklärt sich zugleich die Nbf. liduna(aus Acc. albcva nach bekanntem Brauch). Die abenteuerlichen Etymologien früherer Gelehrten lese man bei Du Cange.

2) Nach Schmitz, Beitr. S. 295 hat das qnathemd sit einter morborum nomina' seine Stelle gefunden weil der mit dem Anathem belegte als mit einem Ubel der Seele behaftet angesehen sei. Das ist doch etwas gezwungen. Aufserdem findet sich eine gleichartige Interpolation biblischer Herkunft Not. Tir. 58, 86 ff. vor Tantalus, Acheron in den Reihen e Sion, ex Sion etc., die, wie Schmitz S. 303 selbst zugesteht, nach ursprüng- lichem Iæion, verdorbenem Eæion bez. Eaæsion eingeschwärzt sind. Auf ähnliche Weise, glaube ich, lassen sich noch andere scheinbar dem Zusammenhang widerstrebende Noten deuten.

3) maleicorium cod. wie tonstreinum c. 46, ridiclei c. 57, alles in vulgärer Rede. Irrig nimmt Cesareo p. 38 eine Form ridicleus an, ebenso Lommatzsch-Segebade im lex. Petr. s. v. und praef. V.

4) Nur bubula und attagina, das die Interpol. Attalicus u. s. w. veranlaſst hat, gehören unter den all- gemeineren Begriff der Speise. Mesisula(Kopp mensalia) erklärt sich aus C. Gl. III 456, 45 misisulde Giατνα, also ein ausgehöhltes, statt des Löffels gebrauchtes Stück Brod; es lehnt sich an offa= Stück Brod oder Fleisch an.

5) Zur Erläuterung diene folgendes. Suericulum ist wohl Dimin. von dem folgenden suis, Gen. sueris nach volks- und altertümlicher Plexion wie cinis, cineris. Porcilia ist Weiterbildung von porcus, sonst nur aus den Arvalakten bekannt(s. Henzens Kommentar S. 22), ähnlich wie haedilia Hor. carm. I 17, 9 nach der unter andern von Buecheler im Ind. lect. Bonn. 1878 p. 23 vertretenen Auffassung, wofür er sich jetzt auch noch auf C. Gl. III 432, 37 fg. 20☛% haedus, géoloiov haedilia berufen kann(eine andre abnorme Bildung ist haedua- C. I. VIII 8247 aeduam Veneri, edum Mercurio). Zu truncus vgl. Verg. Mor. 57 durati sale terga suis truncique, Cels. II 22 trunculi suum neben ungellae, C. Gl. II 202, 42 trunculus: uο2οßo Syεανεο⁸(s. zu colaepium S. 19), Osb. P., 588. Zu lardaria vgl. Ahd. Glossen von Steinmeyer und Sievers III 303 lardare: fleishus und Du Cange. Ahnliche, z. T. vollere Reihen finden Interessenten in den Abschnitten ede escis' C. Gl. III 14. 183. 313, Varr. I. l. V 110, Isid. or. XX 2, 24 ff., Ed. Diocl. IV 1 ff. Beiläufig bemerkt, scheinen die in der letzten Stelle Z. 9 erwäühnten pernae Marsicae Anlals gegeben haben zu der verbreiteten Meinung, daſs westfälische Schinken