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werk“ II 594, 56 suterinum(sic!): ars coriarii, übersetzt aus II 434, 26 xure*uον(?) sutrinum nach oxvreiov haec sutrina, Acr. Hor. s. I 3, 130 sutrinum exercere(Porfyrio sutrinam), endlich last not least in der interessanten lex metalli Vipascensis als UÜberschrift eines Paragraphen sufrini sc. fruendi. Diese Urkunde, die gesetzliche Vorschriften für die Verwaltung eines römischen Bergwerks im südl. Portugal enthält(1876 gefunden), bietet in den Bestimmungen auch Belege für tonstrinum in der bei Petron. geforderten Bedeutung. Ich kann es mir nicht versagen, den Hauptteil hierherzusetzen nach den Lesungen und Ergänzungen der Gelehrten, bes. von Hübner, Ephem. ep. III 165 ff. und Mommsen bei Bruns, fontes iur. Rom. p. 2475: Tonstrini. Conductor frui debeto ita, ne alius in oſico metalli inve territoris; eius tonstrinum guaestus causa faciat. Qudi ita tonstrinum fecerit, in sinſgulos ferra- mentorum usus*.. conductori socio actorive eius d(are) d(ebeto) et ea ferramenta commissa conductori sunto. Excipiuntur servi]-gui dominos aut conservos suos curaverint.¹) Circitoribus, guos conductor ſnon miserit, tondendi ius ne esſto.— Nicht ersichtlich ist die Bedeutung von tonstrinum²) Not. Tir. 95, 28 hinter konsor, wie sutrinum 83, 61 hinter sutor und das ganz singuläre unctrinum 80, 2 zwischen unctor und unguentum(vgl. unctorium). Endlich bietet eine weitere Analogie die gleichartige Bildung textrinum= Weberei, z. B. Suet. gr. 23,= Webstube C. Gl. II 333, 27 Iorech textrinum u. 5.) XLVII. minutalia(Trimalchio sagt zu seinen Gästen: si quid plus venit[h. e. ventris exonerandi necessitas] omnia foris parata sunt. aqua, lasani et cetera minutalia). Sehr merkwürdig ist der Schluls der Notiz in den glossae Aynardi C. Gl. V 621, 26 minultal(mimital die Hdschr.) est speties pulmenti vel fragmen panis vel ligo vel speties indumenti vel illud quod ponitur in latrinis qd purgandum anum. Die Anwendung von minutal für ein Ragodùt, bez. Füllsel, und nur diese, ist be- kannt, erklärlich ist die Anwendung für einen Brocken Brod(so erklären die Cornutus-Scholien Juv. XIV 129 min. mit fragmen panis nach frdl. Mitt. von W. Hoehler; vgl. Osb. p. 364 minatal- frustum panis, quod et quadra dicitur), allenfalls auch für eine kleine Hacke oder ein kleines Kleidungsstück, alles nach der Etymologie des Worts, wie z. B. auch frz. menuaille kleines Geld, kleine Fische u. ä. bezeichnet, ital. minutaglia(s. S. 32 zu populus minutus). Khnlich Tert. de an. 32 culices formicas tineas el hoc genus minutalia, dem Sinn nach= kleine Tiere, Marc. Emp. VIII 127(Helmreich) clavos veteres minutos vel alia minutalia ferri vetusta, C. Gl. III 217, 42= 652 minutalia Ierrö- 6reOαᷣα, ein Gemüse; anderes s. bei Burmann und Du Cange(m.= interanca im Test. porcelli und Eginh. ep. 23 m. atgue interanea). Aber was soll man von der Erklärung illud Quod ponilur etc. halten?- Sollte minutal wirklich technischer Ausdruck für die bezeichneten Requisiten gewesen sein, so daſs cetera bei minutalig nach bekanntem griechischen Sprachgebrauch wie äxllog stünde? Oder ist die Bedeutung nur aus unsrer Petronstelle erschlossen?⁴) Ich fürchte sehr, dafs das letztere der Fall ist(vgl. unten nenide u. a.), so dals wir also einen neuen interessanten Beleg für das Fortleben
1) Vgl. Hor. ep. I1, 94 curatus inaequali tonsore„pehandelt“. ferramenta sind die Werkzeuge des Barbiers wie Mart. XIV, 36 im Lemma(cf. tonsoric) und Petr. 94, circitores Barbiergehülfen, die„auf Kundschaft gehen“.
2) Vgl. noch C. Gl. V 249, 36 tostrina: officina tonsoris, sic enim dicimus teatrinum a texendo et pistrinum à pistore et cetera talia, wo die beigezogenen Analogien vermuten lassen, dals das Lemma ursprüng- lich tonstrinum lautete und die Endung durch die des folgenden Wortes verdrängt wurde. Bei den femininen Bildungen schwebt stets ein Begriff wie ars, taberna, officina vor, dagegen bei den Neutris opus oder artificium (falls nicht Übertragung von den Femin. stattfindet), wie sich ja auch Beispiele für die volleren Ausdrucks- weisen ars sutrina, taberna s. u. s. w. finden.
3) Merkwürdig ist an der Petronstelle die Verbindung eines Abstr. mit einem Personalbegriff bei dem Verbum docere: destinavi illum, sagt Trimalchio von seinem Sohn, artificii(sic) docere, aut tonstreinum(über ei s. S. 10 A. 3) aut praeconem aut certe causidicum. Friedl. verweist mit Recht auf die entsprechende Konstr. von disco bei Mart. V 56, 9 discat citharoedus aut choraules. Ebenso heilſst es Xen. mem. IV 4, 5 à010 œrο ακνυντον ouvréc und Dio Chrysost. 55 p. 283 R. Xoνe] œας ν ενμιἀ⁴ννασνι 1ιοέοσ τννς το παστο˙ο rεᷣνννν, wie auch bei uns der gemeine Mann sagt:„er lernt Tischler, er studiert Lehrer“. Der Grund des Wechsels der Kon- struktion bei Petr. liegt wohl darin, dals für causidicus ein entsprechendes Substantiv noch nicht üblich war (erst spät finden sich Abstracta wie causidicatio,—dicina,—dicatus Gl. II 277, 38= Sαοαꝓα, adoocatio, während für praeconem allerdings praeconium möglich war nach Analogie von praeconium facere= das Gewerbe eines praeco ausüben bei Cic. und C. I. L. I 206, 1. 94(lex Iulia munic.).
4) Scheffer bemerkt: Per minutalia intellegit cum alia tum lignum cum adhaerente spongia, de qua- Seneca ep. 70, 20 ibi lignum guod ad emundanda obscena adhaerente spongia positum est, totum in gulam farsit et praeclusis faucibus spiritum elisit'(von einem zur Zeit Senecas zum Kampf mit wilden Tieren verurteilten Germanen, der sich auf einen Augenblick auf den bewuſsten Ort absentiert hatte).
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