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Lexikogr. einiges nachgetragen, ohne selbst diesen auch nur entfernt auszuschöpfen, desgleichen Götz gelegentlich in Jenaer Universitätsprogrammen. So schien es mir denn lohnenswert, jetzt, wo die Überlieferung der Glossen vollständig vorliegt¹), einmal den Totalgewinn vorzuführen, der sich aus den Glossen für die gesamten Reste des Petronius mit Ausschluſs der poetischen Partieen und der Fragmente ergiebt, zugleich um auch weiteren Kreisen eine Ahnung zu geben, wie wertvolles Gut sich in jenen Glossen verbirgt und wie sie nutzbar gemacht werden können, in ühnlicher Weise, wie ich es bereits für den Maximaltarif des Diocletian in einer Nachlese zu Blümners trefflichem Kom- mentar(N. Jahrb. f. Ph. 1897, 353— 366) und für die dem Romanisten so schätzbare Appendix Probi(Arch. f. Lex. XI 61— 70) gethan habe. Das Thema auf die vulgüre Sprache im Petr. zu beschränken, schien aber unthunlich. Denn obwohl diese Beschrünkung für den 2. Teil, der die Formenlehre behandelt, sich völlig durchführen liefs und durchgeführt ist, machte dies beim I. Teil, dem lexikalischen, Schwierigkeiten, da bekanntlich im Punkte des Wortschatzes auch die urbane Rede bei Petr. nicht ganz unbeeinflulst ist von der niederen Sphäre, in der der Roman spielt. Die in urbaner Rede stehenden Wörter sind jedoch auch äufserlich durch vorgesetzte Sternchen gekennzeichnet, womit freilich keineswegs der Besitzstand vulgärer und urbaner Rede überhaupt abgegrenat sein soll. Eine andere Erweiterung hat das Thema im Laufe der Untersuchung erfahren, dafs nämlich aufser den Glossen auch die Tironischen Noten, die Inschriften, Scholien zu lat. Schriftstellern und andere vulgäre Texte, endlich die vielfach vernachlässigten Grammatikerzeugnisse herangezogen wurden: die Ausführung wird diese Erweiterung des ursprünglichen Planes rechtfertigen. Schlieſslich darf ich es nicht unterlassen, Herrn Prof. Dr. Georg Götz in Jena, der mich bei der Arbeit und beim Druck mit Rat und Beitrügen in der zuvorkommendsten Weise unterstützt hat, meinen herzlichsten Dank darzubringen, ebensenso Herrn stud. phil. Hans Möller aus Offenbach, meinem früheren Schüler, für mannichfache Bemühungen im Interesse dieser Abhandlung.
I. Lexikalischer Teil.
a. Seltene, meist vulgäre Wörter und Wortbedeutungen.
Kap. VII.*conspatior. Dieses Compositum von spatior, das von der Mehrzahl der Hdschr. geboten wird, während im Bernensis das Simplex steht, das auch Buecheler in den neueren Auflagen vorgezogen hat, findet sich als solches ohne Beleg in Osberns Panormia(= Mai, Cl. Auct. VIII, im fgd. mit ˙Osb. bezeichnet) p. 535.
X. vinterpretamentum(Gell., Tiro bei Gell.).²) In Glossen: II 504, 3 interpretamenlum: Lounvela, daraus Gl. n. p. 582, 36 interpr.: interpretatio.— III 136, 34 u. 5. interpretamenta, 8 ιαꝙ veugcra. Not. Tir. 73, 58 Schm. zwischen interpres und interpretatio. Auſserdem Jul. Val. Alex. I 5. III 26.
XIV.*cocio, desgl. c. 15 und 27, stets in der Schreibung concio(Laber. bei Gell. XVI 7, 12. Paul. Fest. p. 20, 12). Das Wort ist vulgäre, auch ins Roman. übergegangene Bezeichnung für einen „Makler“, s. Gell. l. c. Laberius cotionem pervulgate diæit, quem veteres arillatorem diæerunt, womit man auſser Fest. I. c.(arillator etiam coctio appellatur) folgende Glossen vergleiche: C. Gl. IV 310, 46 arillator: cocio, εaᷣos(eog V 590, 54), 319, 38 cocio- arillator, Plac. V 7, 38= 48, 18 arilla-
1) Soeben ist auch von dem Generalindex zu den Glossen Thesaurus glossarum emendatarum' der 1. Halbband, die Buchstaben A D incl. umfassend(Lipsiae, B. G. Teubner 1899) erschienen, zu dem auch der Verf. dieser Abhandlung sein Scherflein beisteuern konnte.
2) Gleich hier sei bemerkt, daſs die hinter den Lemmata in Klammern stehenden Schriftsteller-Citate der neuesten(7.) Auflage von Georges gröſserem lat.-deutschen Lex., freilich nicht ohne Prüfung, entnommen sind, da dieses Lex. für die seltenen Wörter die Belege noch immer am vollständigsten giebt. Was sonst noch beigebracht ist, beruht, falls nicht ausdrücklich die Quelle angegeben ist, auf eigenen Sammlungen bei Gelegenheit der Lektüre. Danach modifizieren sich auch die statistischen Aufstellungen von E. Lommatzsch im Lexicon Petronianum(Lips. 1898) p. IV und die Angaben von Cesareo a. a. O. p. 15 fl.


