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2 (1864)
Entstehung
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

Als weitere Mittel der Unterhaltung für eine Gesellschaft germanischer Männer führt Tacitus den Schwerttanz und das Würfelspiel an, von welchen jener sich bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts erhalten hat, dieses, wenn gleich nicht in der früheren Masslosig- keit, bis auf den heutigen Tag getrieben wird.

Was den Schwerttanz betrifft, so erhielt er sich unter dem Hessischen Landvolk nicht nur, wie schon gesagt, bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts, sondern bewahrte auch seinen früheren Charakter, einerseits Kurzweil(udicrum) und ein Beweis jugendlicher Keckheit und Kraft(audacis lasciviae), andererseits eine Ergötzlichkeit für die Zuschauer (voluptas spectantium) zu sein, ohne zu einem Mittel der Gewinnsucht(non in quaestum aut mercedem) herabzusinken. Zum Beweis dafür dient das, was Winkelmann, welcher diesen Tanz zuletzt zu Anfang des Jahres 1651 zu Ehren des Hessischen Landgrafen Ludwig VI. und seiner Gemahlin zwischen Lollar und Giessen von Landleuten aufführen sah, in seiner Beschreibung von Hessen III, 6. S. 374. darüber sagt:»Der Schwerd-Tänzer »sind etwan 16 bis 20 in der Anzahl, deren Hüthe mit allerhand farbigem Band und »weissem Tuch ausgezieret, und bedecket mit einem weisen Hembd, umgürtet mit einem Feldzeichen, die Arme sind mit lang herabhangendem Band umwunden, an die Knie- scheiben haben sie Schellen gebunden. Der Führer dieser Schwerd-Tänzer redet vor dem »Tanz die Zuschauer nach alter hergebrachter Art also Reimen-weiss an....(Diese Reime enthalten nichts auf den Schwerttanz Bezügliches). Hierauf fangen sie an zu ptanzen, darunter die Schellen nach ihrem Tritt den Klang von sich geben, balt verwirren sie sich mit denen in der rechten Hand tragenden Degen fast Kunst verwunderlich*) und »kommen hinwieder in geschwinder Eil zu ihrem ordentlichen Tanz. Nach vollendetem »Tanz legt der Führer abermals seine Rede durch die vermeinte wolklingende Reimen gegen die Zuschauer folgender Weise ab⸗.(Diese Reime enthalten nur Kurzweiliges, aber Nichts über den Schwerttanz).»Diesem nach bringen ihnen die Zuschauer freiwillig Geld. »Speck, Eyer und Bratwürste, welches alles sie hernach in gewöhnlicher Lust mit ein- vander verzehren«..

Dass solche Schwerttänze der Landleute mitunter bedeutende Verletzungen der Tänzer veranlassten, geht aus einer Bemerkung in Lynkers hessischen Sagen S. 240. hervor, wonach 1571 zu Iba, einem Dorfe bei Rotenburg an der Fulda, bei dem Schwerttanz einer der Tänzer erstochen wurde.

Eine andere Mittheilung über den Schwerttanz, welche die Art der Bewegungen, wie sie bei den nördlichen Germanen üblich war, beschreibt, gibt Weinhold(Altnordisches Leben S. 466.):»Die Männer schwangen zuerst unter einem dreimaligen Umtanz die »Schwerter in den Scheiden in der Luft, zogen dann blank und bewegten sich unter Lufthieben nach bestimmten Formen durch einander, sodass ihre Klingen eine sechseckige Rose bildeten. Plötzlich lösten sie diese auf, und über dem Kopfe jedes einzelnen

*) d. h. sodass ihre Kunst sehr zu bewundern ist.