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Dreiundzwanzigstes Kapitel.
An die Beschreibung der Mahlzeiten und Gelage schliesst sich die der Getränke und Speisen, welche in diesem Kapitel vorkommt, auf die natürlichste Weise an.
Das im ersten Satz genannte Getränk war, wie man aus der Bereitung mit Sicher- heit schliessen darf, Bier, oder, wenn man sich für dies Getränk, welches nicht gehopft war, des bei den Germanen nachher üblichen Namens bedienen will, Oel oder Ale. Der Gebrauch desselben war bei den südlichen Germanen, wie wir aus den Zeugnissen der nächstfolgenden Jahrhunderte schliessen dürfen, sehr verbreitet, und Bier zu brauen eine den Frauen zukommende und bei ihnen beliebte und ehrenvolle Beschäftigung. Wein- hold D. F. S. 317.
Da sfrumentum« im Gegensatz von-hordeum-(Gerste) gebraucht ist, so kann es nur eine oder einige andere Arten von Getreide bezeichnen. Am nächsten liegt die Ver- muthung, dass Hafer damit gemeint sei, weil diese Getreide-Art nächst der Gerste von den Germanen am meisten zur Bierbereitung gebraucht wurde.
»Corruptus« will Orelli im Sinn von»durch Gährung umgewandelt- nehmen, allein da-corrumpere« nie ohne den Begriff der Verschlechterung vorkommt, so muss ange- nommen werden, dass Tacitus durch dies Wort einen Tadel über das Bier der Germanen habe aussprechen wollen.»In quandam similitudinem vini corruptus« heisst also-ver- schlechtert in eine gewisse Aehnlichkeit mit Wein« und steht in prägnantem Sinn, sodass die Stelle zu übersetzen ist: Zum Getränk dient eine Flüssigkeit, welche aus Gerste oder aus einer anderen Getreide-Art so bereitet ist, dass sie eine gewisse Aehnlichkeit mit schlechtem Wein hat.
»Agrestia poma« sind die ohne besondere Pflege in Deutschland wachsenden Holz- äpfel, Holzbirnen und dergleichen mehr.
»Recens fera- ist nicht, wie einige Ausleger geglaubt haben, rohes Fleisch. Dagegen streiten ausdrückliche Zeugnisse, dass die Germanen damals das Fleisch zu kochen pflegten, z. B. eine Stelle des Stoikers Posidonius bei Athenaeus(IV, 36. S. 151. E.) ⁷ 10G☛νν * ⁸τνιννςοι μηέμνν sι⁵ρ—άο οεα ε πτ S Sdaœrt ad drrrd en' Aνρεμν ,ρεεεονπνν. Das Wort»recens« soll vielmehr wahrscheinlich nur den Gegensatz ausdrücken gegen die Römische Sitte, nach welcher das Wildpret einige Zeit liegen musste, um schmackhaft zu werden.
Durch»-lac concretum« wird wahrscheinlich Dickmilch, Butter und Käse bezeichnet, da diese Speisen bereits in den folgenden Jahrhunderten erwähnt werden. Weinhold D. P. S. 312.
Da Tacitus des Getreides gar nicht gedenkt, so sei noch erwähnt, dass nach Plinius h. n. 18, 44. die südlichen Germanen viel Haferbrei assen. Weinhold D. PF. 314.


