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2 (1864)
Entstehung
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37 vom Zusammenhang gefordert wird. Denn der Schriftsteller will offenbar sagen: ⸗sehr oft kommen allerdings Streitigkeiten vor, aber auch Berathungen« u. s. w.

Diese Berathungen bezogen sich theils auf innere Verhältnisse, als Aussöhnung von Feinden, Stiftung von Heirathen(affinitates sind Verwandtschaften durch Heirathen) und Anderes, theils auf auswärtige Angelegenheiten, als Krieg und Frieden. Unter den erst- genannten Gegenständen sind die Worte:»de asciscendis principibus« verschieden gedeutet worden. Orelli und Andere erklären sie so, als seien auch bei Gastmählern Häuptlinge gewählt worden. Allein diese Ansicht widerspricht nicht nur dem, was Tacitus Kap. 12. sagt: seliguntur in iisdem conciliis et principes«, sondern auch allem, was wir sonst von der Verfassung jener Zeiten wissen. Dagegen lassen sich die Worte ganz ungezwungen in einem andern Sinn erklären.»Asciscere« heisst:»durch Beschluss hinzunehmen-. So gebraucht Tacitus das Wort hist. 2, 53. von der Wahl in den Senat, Agric. 9. von der Aufnahme unter die Patricier. Der Sinn ist also der: wenn die Stelle eines Häuptlings erledigt war, oder deren Erledigung demnächst erwartet werden durfte, so beriethen die etwa bei einem Mahl versammelten Gäste, welche Männer man in Vorschlag bringen solle, damit sie durch Beschluss der Volksgemeinde unter die Zahl der Häuptlinge aufgenommen würden Also mit anderen Worten: man berieth über die Ergänzung der Häuptlinge, d. h. welche Männer wol die gecignetsten sein würden, um an die Stelle eines oder einiger unter den bisherigen Häuptlingen nach deren Tod zu treten. Diese wurden nämlich, wie schon oben S. 13. gesagt ist, wahrscheinlich auf Lebenszeit gewählt.

In der Stelle, wo die Ansichten der Germanen über die ihnen eigenthümliche Ge- wohnheit, bei Gelagen auch ernste Dinge zu berathen, dargestellt werden, sind die Worte tanquam aut ad simplices... incalescat« so zu verstehen: als stelle sich zu keiner anderen Zeit das Innere weniger unverhüllt dar zu aufrichtigen Gedanken, oder entflamme sich leichter zu erhabenen«. Auf ⸗patere« liegt nämlich ein besonderer Nachdruck, wie aus der Stellung hervorgeht.

Bei»detecta et nuda mens retractatur« hat man daran zu denken, dass unter: detecta mens die simplices cogitationes zu verstehen sind, welche bei dem Gelage aus der Seele offen hervortraten. Mens ist also hier Sammelname für die Gedanken.

»Et salva utriusque temporis ratio est« möchte ich so verstehen:»und ohne gegen- seitige(mit Rücksicht auf utriusque) Beeinträchtigung bleibt das Verfahren in beiden Zeiten« obgleich ich nicht leugnen will, dass sich die gewöhnliche Deutung von»ratio- als Rücksicht ebenfalls aus den Worten rechtfertigen lässt.

In den Worten»aperit adhuc secreta pectoris« stellt Tacitus die bei den Germanen noch vorkommende Offenherzigkeit dem Benehmen der Römer lobend entgegen. Ritter will freilich»adhuc« mit»secreta« verbinden und beides im Sinn von:»das bis dahin Verborgene« nehmen. Gegen diese sonst scharfsinnige Auffassung scheint mir der Beisatz: pectoris zu sprechen. Secreta bekommt dadurch die Bedeutung eines Substantivums und verträgt als solches nicht leicht den Beisatz: adhuc.