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2 (1864)
Entstehung
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germanischen Männer, so weit sie konnten, jenes Beispiel nachgeahmt haben werden. Also nur durch Folgerung lässt sich die Ansicht, dass alle germanischen Männer, je nach ihren Verhältnissen, neben der ungestümen Kampfeslust eine überraschende Neigung zu behag- licher Ruhe zeigten, aus diesem Kapitel ableiten. Doch hat Tacitus selbst durch seine Worte:»fortissimus quisque ac bellicosissimus nihil agens« angedeutet, dass man sich die Unthätigkeit sogar derer, welche den Kampf zum Beruf gewählt hatten, in vielfacher Ab- stufung zn denken habe.

Die Weglassung des»non« vor multum, welche von mehreren Auslegern empfohlen wird, lässt sich weder durch irgend eine handschriftliche Auctorität, noch durch den Zu- sammenhang begründen. Abgesehen davon, dass der Comparativ: plus eher für eine vorausgehende Verneinung spricht wie würden die Worte: somno ciboque dediti fortissimus quisque.. nihil agens passen zu: multum venatibus transigunt? Wenn die Weglassung des»non« damit begründet werden soll, dass Caesar de bello Gallico 4, 1. und 6, 21. erzählt, die Germanen hätten sich vielfach mit Jagd beschäftigt, so ist darauf Folgendes zu erwidern: Erstlich gibt Tacitus hier nicht eine Beschreibung des Volkes, sondern schildert eine gegen die Unermüdlichkeit im Kampfe abstechende Trägheit der kampfbegierigsten Männer. Sodann hat der Begriff: ⸗viel« eine solche Dehnbarkeit, dass derselbe von verschiedenen Schriftstellern auch in abweichendem Sinn gebraucht werden kann.

»Infirmus« ist derjenige, welcher einem Angriff nicht Stand hält, durch-infirmissimus quisque« werden also hier die zum Krieg Untauglichen in ihren mannigfaltigen Abstufungen bezeichnet. Durch-familia« wird die Hausgenossenschaft angedeutet.

Ipsi« stellt die Männer, welche an der Spitze des Hauswesens stehen, den vorher- genannten Gliedern der Familie gegenüber.

In den Worten:»sic ament... quietem« weist-sic« hinsichtlich des Wortes ament auf das unmittelbar vorher Genannte zurück, hinsichtlich des Wortes: oderint erinnert es an die Beschreibung von Kampfeslust, welche wir im 14. Kapitel lesen.

Der zweite Theil des Kapitels antwortet, wie schon oben angedeutet wurde, auf die naheliegende Einwendung, wie es den Häuptlingen bei ihrer Arbeitslosigkeit möglich sei, sich, ihre Familie und ihr Gefolge zu erhalten. Zu ihrem Unterhalt dienten wenigstens theilweise jene Ehrengaben, die nicht auf Zwang dieses wird durch»ultro« ausgeschlossen sondern auf Herkommen beruhten und daher von allen Gliedern der Landesgemeinde CGiritim) an die Häuptlinge gegeben wurden. Ob die Glieder der Landesgemeinde an alle Häuptlinge, oder nur an den Häuptling ihres Bezirks Geschenke sandten, geht aus den Worten des Tacitus nicht hervor. Das Letztere war gewiss das Gewöhnlichere, aber eine Einschränkung auf den Bezirk fand ohne Zweifel auch nicht statt, wie es schon aus dem letzten Satz des Kapitels wahrscheinlich wird. Dass die Sitte regelmässiger freiwilliger

Gaben auch noch in späteren Zeiten bei den Germanen statt fand, sieht man in Grimms D. R. A. S. 246.