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2 (1864)
Entstehung
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für die Ansicht, dass secretum einen Ort bedeute, angeführt wird, dass»videre gewöhnlich vom sinnlichen Sehen gebraucht werde, so ist dies zwar allerdings zuzugeben, aber zugleich darauf aufmerksam zu machen, dass durch die Worte: sola reverentia dem Ausdruck: videre hier die Bedeutung des geistigen Sehens, welche er mitunter ebenfalls hat, aus- drücklich beigelegt wird.

Zehntes Kapitel.

Von der Art, wie die Germanen den Willen der Götter über die Zukunft erforschten. spricht Tacitus ausführlicher, als von den Göttern und ihrer Verehrung. Zunächst beschreibt er die Loosung, gewissermassen eine Vorprüfung des Zukünftigen, und bezeichnet dann noch drei bei den Germanen vorkommende Gewohnheiten, Vorzeichen zukünftiger Dinge zu erhalten und zu deuten.

Das Wesentliche bei der Loosung war nach den Angaben des Tacitus Folgendes:

1) Der Ast eines fruchttragenden Baumes wird in Stäbchen zerschnitten, und diese werden mit bestimmten Merkzeichen versehen. Der Begriff eines fruchttragenden Baumes (arbor frugifera) ist aber hier nicht nach Römischer Auffassung denn, wie wir aus Kap. 5. erfahren, gab es nach dieser keine Frucht- oder Obstbäume in Germanien, sondern nach Germanischer Auffassung zu bestimmen; wir haben deshalb, wie Müllenhoff in der Schrift: zur Runenlehre. Halle 1852. S. 28 und 29. darthut, an Buchen, Eichen. Wacholder, Haselnuss und Holunder zu denken. Von den Merkzeichen soll nachher die Rede sein.

2) Die Stäbchen werden auf blendend reinem Tuch suber candidam vestem also ohne Zweifel auf einem blendend reinen Leintuche denn es wird ja eine heilige Handlung vorgenommen planlos und so, wie es der Zufall fügt, ausgebreitet.

3) Ein Priester des Gemeinwesens, wenn es sich um Fragen des öffentlichen Wohls handelt, oder in häuslichen Angelegenheiten der Hausvater(und zwar ohne Zuziehung eines Priesters, was durch: ipse ausgedrückt wird) spricht ein Gebet, blickt zum Himmel empor, theils um dadurch ferner den Beistand der Götter zu erflehen, theils um jede Absicht bei dem Aufheben der Stäbchen auszuschliessen, und hebt drei einzelne Stäbchen empor, aus deren Merkzeichen er nun die Antwort der Götter auf die vorgelegte Frage deutet. Ritter in seiner Ausgabe des Tacitus will*) die Worte: ter singulos tollit, so verstchen, dass die Stäbchen(Ritter fasst sie als Würfel auf) dreimal planlos ausge- breitet und dann jedesmal ein Stäbchen aufgehoben worden sei. Der ÜUnterschied seiner Ansicht von der hier vorgetragenen ist freilich kein bedeutender; aber gleichwol glaube ich darauf aufmerksam machen zu müssen, dass die Worte des Tacitus der Ritterschen Ansicht nicht günstig sind. Denn Tacitus gebraucht: spargunt ohne Beifügung eines Zahlworts und erst zu: tollit fügt er das Zahlwort: ter hinzu. Wenn Ritter fragt, warum

*) Ritter stützt sich hierbei auf Caesar de bello Gallico 1, 53, eine Stelle, die, wie ich glaube, für die Auslegung unserer Stelle nicht entscheidet.