9 und als Wolkengöttin durch das Bild eines Schiffes verehrt worden sei. Damit würde auch Grimms Meinung stimmen, da zwischen Hulda und Fria kein wesentlicher Unter- schied ist. Die Worte:»ipsum signum« bedeuten: das blosse Bild, oder:»schon das Bild-— ohne dass man noch Weiteres anzuführen braucht.
Dass Tacitus neben den drei von ihm angeführten Gottheiten nicht wenigstens des Gottes Dunar gedenkt, hat vermuthlich darin seinen Grund, dass dieser besonders von denjenigen germanischen Stämmen verehrt wurde, welche dem Römischen Reich entfernter wohnten.
Der zweite Theil des Kapitels handelt von der den Germanen eigenthümlichen Art der Götterverehrung. Diese bezeichnet Tacitus zuerst negativ, indem er bei den Germanen das Vorhandensein von Tempeln und Götterbildern verneint, sodann positiv, indem er bildlose Verehrung in Hainen erwähnt und dafür einen Grund anführt, der uns zeigt, dass die Germanen von der Erhabenheit des göttlichen Wesens eine richtigere Vorstellung hatten als Griechen und Römer. Ausnahmen von dieser bildlosen Verehrung fanden jedoch schon zur Zeit des Tacitus statt. Denn wenn in German. 40 von Kleidern der Nerthus geredet wird, so wie davon, dass die Göttin gebadet werde, so ist auch zu ver- muthen, dass cin Bild derselben vorhanden gewesen sei. Sicher aber können die Worte Annal. 1, 51 ⸗profana et sacra et templum Tamfanae... s0lo aeduantur« nur von einem Gebäude verstanden werden. Dass endlich in späteren Jahrhunderten Tempel und Bilder der Götter hin und wieder bei den Germanen sowol in Deutschland, als auch in Scandinavien vorkamen, ist durch viele Zeugnisse erhärtet, doch scheint der Waldcultus vorherrschend geblieben zu sein. Grimm D. M. 69— 74, sowie 62 und 77.
»„Ceterum« enthält den Begriff des Gegensatzes. Tacitus will sagen: Nach dem Vor- hergehenden könne man erwarten, dass die Germanen Götterbilder hätten; dem sei aber nicht so.
Zu den Worten:»lucos ac nemora consecrant⸗ denke man ⸗diis« hinzu und als Gegen- satz: non templa. Die Wörter: luci und nemora bezeichnen Haine, das erstere Wort aber mit dem Nebenbegriff des Heiligen. Vgl. Döderlein Synon. II, 91.»Secretum illud-⸗ bezeichnet: das bekannte, das ihnen bewusste geheimnisvolle Wesen.
„»Sola reverentia«:»nur in Andacht⸗, wie Histor. V, 5 sola mente: nur im Geist.
Für die Ansicht, dass unter„secretum illud« nicht ein abgeschiedner Ort, sondern ein von der sichtbaren Welt abgeschiednes d. h. über ihr stehendes geistiges Wesen zu verstehen sei, scheinen mir folgende Gründe zu sprechen. Einmal kommt»secretum« für Geistiges, für solches, was sich der sinnlichen Wahrnehmung entzieht, mehrfach bei Tacitus vor, z. B. German. 22.»secreta pectoris-(Andere Beispiele siche in Bötticher lex. Tacit.). Sodann würden, wenn man secretum als abgelegenen Ort nehmen wollte, die Sätze, deren Prädicate consecrant und appellant sind, eine Tautologie enthalten; endlich würde bei dieser Annahme die Beifügung: sola zu dem Worte: reverentia auffallend sein. Wenn dagegen
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