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„Watan= vadere- ableitet und als Bezeichnung des Alles durchdringenden Wesens nimmt. ist nicht blos der Gott des Krieges und Sieges, der Stürmende, der Urheber der Seuchen und ihrer Heilung, der Vater der Dichtung(Grimm Deut. Myth. S. 122. u. bes. 136.) lauter Eigenschaften, die dem Mercurius fehlen— sondern er ist auch der Geber der irdischen Güter, der Beschützer der Wanderungen und Wege, somit der Gott des Handels und Wandels, der Erfinder der Schriftzeichen, der Runen(Grimm Deut. Myth. S. 136). Darin stimmt aber seine Wirksamkeit mit der des Mercurius, noch mehr mit der des Griechischen Hermes überein, welchen die Römer auf ihren Mercurius mehr und mehr übertrugen, und welcher ebenfalls als dοενι ⁵deιν(Odyss. 8, 335.) verehrt wurde. Ja sogar in der äusseren Erscheinung begegnet uns eine Uebereinstimmung. Denn sowie Mercurius den caduceus trägt, führt Wuotan die Wünschelruthe, einen Stab, mit welchem er alles Gut— in den mittelhochdeutschen Gedichten wird es noch ⸗Wunsch- genannt— den Menschen überträgt. Nur dünkt Mercur dem Römer ein jugendlicher Gott zu sein, Wuotan dem Germanen ein väterlicher Greis. Vergl. über Mercur Preller Röm. Myth. S. 596; über Hermes Welcker Griech. Götterlehre 2, 448 u. 454; über Wuotan Grimm Deut. Myth. S. 120— 150. bes. S. 126 und 136. Auch findet sich Grimm Deut. Myth. S. 110. eine Stelle aus einer Schrift des Mittelalters, wo Mercurius, Voden anglice appel- latus, als deus mercatorum bezeichnet wird.
Aus den Worten:»certis diebus« u. S. W. geht hervor, dass dem Wuotan an bestimmten Tagen auch Menschenopfer dargebracht wurden. Diese Sitte der Germanen wird nicht nur von Tacit. Germ. 39. Annal. 1, 61, sondern auch von vielen Schriftstellern späterer Zeit(Grimm Deut. Myth. S. 39.) erwähnt. Vorzugsweise wurden solche Opfer, wie aus den von Grimm gesammelten Stellen hervorgeht, bei ausserordentlichen Gelegen- heiten, meist zur Sühnung dargebracht; aber die Worte: ⸗certi dies⸗ deuten doch auf eine regelmässig wiederkehrende Zeit, und vermuthlich haben wir die vier grossen Wende- puncte des Jahres, welche nach Grimm S. 38. mit Wuotan in enger Verbindung standen, nämlich Maifest, Sommer-Sonnenwende, Herbstzeit und Winter-Sonnenwende, insbesondere das letzte oder Julfest am 21. December als die»certi dies« zu denken. Vergl. Mannhardt Götter der Deutschen S. 140 unten. Grimm S. 42 u. 43., namentlich das Zeugnis Dietmars von Merseburg.
Die Thieropfer aber, welche dem Wuotan gewöhnlich dargebracht wurden, mochten wol vornehmlich Pferde sein, da diese Thiere als das edelste Opfer galten, Grimm S. 43. »Litare⸗ hat die Bedeutung: glücklich opfern, ein heilbringendes Opfer darbringen.
Mars entspricht dem Deutschen Kriegsgott, welcher althochdeutsch Zio heisst(ein Name, der mit dem Römischen»deus« ursprünglich gleichbedeutend ist, Grimm Deut. Myth. S. 175.), aber als Kriegsgott auch den althochdeutschen Namen Erch führt Dass dem so sei, ergibt sich schon daraus, dass der dritte Wochentag(dies Martis) noch jetzt in Schwaben Ziestig, in Baiern Erchtag heisst. Von dieser Gottheit, welche zugleich als Gottheit des Todes verehrt wurde(siehe Schmidt Zeitschrift für Geschichte 8, 255), wird


