Druckschrift 
1 (1863)
Entstehung
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den beiden letzten Stellen ist jedoch zu bemerken, dass von priesterlichen Seherinnen der Germanen sonst nirgends die Rede ist. Besonders aber ist zu vergleichen Grimm, Deut. Mythologie 2. Ausg. 1, 368 u. Ww.

In dem Satz:vidimus.. Veledam... sed et olim hat das Wort: vidimus den Hauptton und bezeichnet, wie mir dünkt, eine Steigerung zu dem Vorhergehenden. Tacitus will nämlich, scheint es, sagen, dass er eine solche Secherin und sie war vielleicht die bedeutendste mit eignen Augen gesehen habe, weshalb denn auch die Worte: diu apud plerosque numinis loco habitam, da ja Tacitus diese Beobachtung nicht ebenfalls selbst anstellen konnte, nicht als Object zuvidit, sondern als Attribut zu Veledam auf- zufassen sind. Um jedoch einem möglichen Irrthum, als wäre Veleda die erste Erschei- nung der Art bei ihren Landsleuten gewesen, zu begegnen, setzt er berichtigend zu: vidimus hinzu:sed et olim... venerati sunt.

Was den Namen: Veleda betrifft, so vergleicht ihn Grimm(Deut. Mythol. 2. Ausg. S. 374. dem nordischen Appellativum: vala. Die beiden ersten Silben sind nach Statius Silv. I, 4, 90. als kurz anzusehn, obwol nach Cassius Dio(67, 5, 3) die vorletzte Silbe als lang zu betrachten sein würde. Ihr Geschick erzählt Tacitus hist. 4, 61. 65. 5, 22. 24. 25. Dass sie zuletzt im Triumph aufgeführt worden sei, wird aus unserer Stelle, sowie aus Statius a. a. O. wahrscheinlich.

Statt: Aurinia ist, wie K. Müllenholf in der Kieler Monatsschritt 1852. S. 335. nachgewiesen hat, Albruna zu lesen.

Wen Tacitus unter den Worten:complures alias verstanden habe, lässt sich nicht sagen. Er meint damit odfenbar solche Frauen, welche vor Veleda die Sehergabe übten. Dagegen hat uns Cassius Dio(abud Wophilinum 67, 5, 3.) den Namen einer Seherin nach Veleda aufbewahrt. Bei ihm heisst es nämlich: Maεgςvyog αέακαέαν νπρννν mαάιεᷣòς Ldνα Traoνεμνεοο(ν ds dsra iv Be2αν Ʒυν Kæluα Heςονιιαe)) 11οο σOmςσς τι o⁴μιμιμαάσν..

Was die Art der Verehrung betrifft, welche die Germanen solchen hochbegabten Frauen bewiesen, so gibt Tacitus durch die Worte: numinis loco habitam etc. zu verstehen, dass man die Veleda mit ganz besonderer Verehrung betrachtet, ja sie für eine Art göttlichen Wesens angesehen habe, dass man aber weder ihr, noch den früheren Scherinnen eine schmeichlerische, sie zu Göttinnen erhebende Verehrung bewiesen habe. Die letzte Bemerkung ist wol nicht ohne Anspielung auf die bei den Römern damaliger Zeit mitunter vorkommenden Vergötterungen von Frauen und Kindern, dergleichen uns Cassius Dio 59, 11. von der Schwester des Caligula, und Tacitus in Ann. 15, 23. von der Tochter des Nero erzählen. Was dagegen die Stelle des Tacitus(histor. 4, 61) betrifft, wo er sagt: ea virgo nationis Bructerae late imperitabat, vetere apud Germanos more, quo plerasque feminarum fati- dicas et augescente superstitione arbitrantur deas, so scheint mir dieselbe mit dem, was er in der Germania sagt, nicht im Widerspruch zu stehen. Denn die Worte: augescente super-