Druckschrift 
1 (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

25

Beschreibung der Germanischen Schilde, welche jedoch, vielleicht um des beabsichtigten Zwecks willen, wenig günstig ausgefallen ist.

Cassis und galea unterscheiden sich nach Isidor, Orig. XVIII, 14. so, dass cassis von Erz, galea von Fell oder Leder war, ein Unterschied, den Tacitus hier wol noch festhält, obgleich die Römer schon in den letzten Jahrhunderten der Republik unter galea ede Art von Helm, unter cassis den ehernen verstanden. Siehe Antho ny Rich unter galea!

Die in den besten Handschriften überlieferte Lesart:sed nec varietate gyros in morem nostrum docentur ist offenbar verderbt. Die einfachste Verbesserung ist die von Ritter empfohlene: varietatem gyrorum; aber am besten lateinisch ist: variare gyros. Was den Sinn der genannten und der folgenden Worte anlangt, so will Tacitus wol sagen, dass die schulmässige Abrichtung der Pferde, wie sie bei den Römern vorkam, nur sehr unvollkommen sei, indem man die Pferde nur in gerader Richtung oder in rechtsgehendem geschlossenem Kreislauf(dem sogenannten Ringelreiten; siehe Gerlachs Germania S. 99.) sich zu bewegen lehre. Zwar werden die Worte:uno flexu dextros von Andern, auch von KritzZ, so verstanden, als bewegten sich die Reiter, während sie selbst eine gerade Linie bildeten, in kreisförmiger Richtung um einen Mittelpunkt; allein dieser Ansicht steht der Grund entgegen, dass die gerade Linie, in welcher die Reiter stehen sollen, So dass keiner zurückbliebe, doch wol nicht durch:orbe bezeichnet sein könnte.

Im Folgenden, wo von den Bestandtheilen des Heeres und von der Kampfweise schandelt wird, ist zunächst von der Bedeutung des Fussvolks die Rede. Die Worte: eoque mixti lassen sich entweder so verstehen, dass eo auf pedite geht, in welchem Fallque im Sinn von:und darum steht, oder so, dasseo als Ablativ des Grundes aufgefasst wird, undeoque soviel als:und darum ist. Da zu proeliantur wol nicht equites, was doch wol stattfinden müsste, wenn maneo aufpedite beziehen wollte sondern vielmehr Germani oder pugnantes als Subject zu denken ist, so möchte ich mich für die letztere Erklärung entscheiden. Dazu kommt noch, dass Tacitus sehr häufig den Ausdruck: eoque im Sinn von:und darum gebraucht, worüber man bei Bötticher lex. Tacit. Seite 6. das Genauere findet.

Die Kampfweise der Vorkämpfer wird von Caesar de bell. Gall. I, 48, wozu noch IV, 12. VII, 65. VIII, 13. zu vergleichen sind, deutlich beschrieben; sie erschien diesem so wirksam, dass er sich selbst solche Kämpfer zu verschaffen suchte(Caesar de bell. Gall. VII, 65).

Ueber die Auslegung der Worte:definitur et numerus... honor est weichen die Ansichten bedeutend ab. Auf den ersten Blick wird wol Jeder zu dem Wort: numerus als Ergänzung den unmittelbar vorhergehenden Genitiv:peditum, quos... delectos.. locant hinzudenken. Aber so natürlich und zusagend diese Erklärung auf den ersten Blick erscheint, so unterliegt sie doch starken Bedenken. Bei den germanischen Stämmen

4