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1 (1863)
Entstehung
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Den Zweifel:Quis enim scrutatus est? hat Tacitus in den später von ihm ver- fassten Annalen berichtigt, indem er Ann. XI, 20. von Ausbeutung der Silberadern im Gebiet der Mattiaker(also in der Nähe des heutigen Wiesbadens) redet.

Die Worte: possessione et usu haud perinde adficiuntur können an sich in ver- schiedenem Sinn gedeutet werden, da Tacitus, wie das Lexicon Taciteum von Bötticher auf S. 353. lehrt, haud perinde sowol für: nicht ebenso, als auch für: eben nicht, gebraucht. Diejenigen, welchehaud perinde im ersteren Sinn nehmen und als Partikel der Vergleichung auffassen, denken entweder an eine Vergleichung mit den Römern oder mit andern Völkern, wozu sich jedoch im Vorhergehenden gar kein Anlass findet, oder sie denken an eine Vergleichung zwischen possessio und usus. Diese Vergleichung, welche auch Kritz in seiner Ausgabe annimmt, würde alsdann gerechtfertigt sein, wenn alle Germanen nach dem Besitz trachteten, den Gebrauch aber vernachlässigten. Allein nach den ausdrücklichen Worten des Tacitus trachtet nur ein Theil der Germanen nach Besitz und Gebrauch. Daher passt auch diese Auslegung nicht, und haud perinde ist als:eben nicht, nicht sonderlich aufzufassen.

Durch den Satz:duamquam proximi eligunt beschränkt Tacitus die vorherige Behauptung und fügt den folgenden Satz:interiores(d. i. die mehr im Inneren Wohnenden) utuntur parenthetisch hinzu. Denn in den folgenden Worten kommt er wieder auf die vorher genannten proximi(die Grenznachbarn der Römer) zurück.

Dass übrigens die Germanen die älteren Münzen der Römer vorzogen und schätzten (eligunt et probant), hatte nicht blos darin, dass sie ihnen bekannter waren, sondern auch darin, dass sie von besserem Silbergehalt waren, seinen Grund. Vgl. Mommsen, röm. Münzw. S. 771.

Unternummi serrati undbigati sind Denare zu verstehen, die entweder am Rande gezähnt oder mit dem Bilde eines Zweigespannes versehen waren. Der Gebrauch der ersteren war bei den AKlemannen und Baiern so allgemein, dass in ihren Gesetzbüchern noch nach manchem Jahrhundert der Denar den Namen: Saiga, Saica, Segit führt(Vgl. Rühs a. a. O. S. 196).

Die Lesart: affectione ist wol der anderen: affectatione vorzuziehen, indem sie allein dem Sinn entspricht. Affectio ist nämlich die Erregung des Gemüths, welche, wie Tacitus sagen will, bei den Germanen durch das Silber nicht besonders hervorgerufen wird;affectatio animi wäre ein Streben des Gemüths, was ja durch sequuntur schon im Wesentlichen ausgedrückt ist, so dass affectatio ganz überflüssig wäre.

Promiscua bezeichnet: bald dies, bald jenes. Durch:vilia werden Dinge von geringem Werth, für die man Goldstücke als Einkaufspreis nicht anwendet, benannt.