Druckschrift 
1 (1863)
Entstehung
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canunt sind offenbar Germani als Subject zu denken) und welche er wenigstens mit der bei den Römern herrschenden Vorstellung von Hercules in Verbindung setzt, zu deuten sei. Dass Tacitus ein dem Hercules der Griechen und Römer entsprechendes Wesen bei den Germanen angenommen habe, geht aus einer Stelle der Annalen(II, 12) mit Gewiss- heit hervor und wird durch Germ. 34. bestätigt. Was für ein göttliches Wesen war dies? Es war, wie Grimm fast unwiderleglich in seiner Deutschen Mythologie 2. Ausgabe S. 325. bis 336. nachgewiesen hat, der göttliche Held Irmin, auch Iring geheissen, der Sohn Wuotans; ihm werden, wie dem Hercules der Griechen, Säulen gesetzt, ihm sind Strassen auf Erden geweiht, sowie der Himmelsweg, die Milchstrasse, nach ihm als Iringsweg benannt ist; er wird zugleich als Stammvater der Herminones oder Erminones verehrt. Vgl. Haupt, Zeitschr. 10,562. 11, 184. Schmidt, Zeitschr. für Gesch. 8, 242. etc.

Die Lesart:barditus ist durch das Ansehn der besten und meisten Handschriften gerechtfertigt. Als Erklärung mag uns vorläufig die von Richthofen und Wackernagel empfohlene, wonach erSchildgesang heissen würde, genügen, wenn gleich Müllenhoff eine noch genauere in Aussicht stellt. Vgl. Haupt, Zeitschrift 10, 241. und 242.

Statt: nec tam voces illae quam virtutis concentus videntur, welches die durch die Handschrift beglaubigte Lesart ist, ziehen Manche die Lesart: nec tam vocis ille quam virtutis concentus videtur. Da voces: Töne, Gesang bedeuten kann, so ist kein Grund, von der überlieferten Lesart abzuweichen, wenn gleich die letztere einen deutlicheren Sinn gibt.

Auch die Anwesenheit des Ulysses bei den Germanen werden wir wol nicht glaublicher finden als Tacitus, der sie als eine blosse Vermuthung anderer Gelehrten anführt(quidam opinantur); aber es ist gewis interessant, dass die Sagen des Mittelalters uns eine Lösung des Räthsels bieten, wie eine solche Vermuthung sich habe bilden können. Eine der ältesten Sagen unseres Volkes, die sich später mit der christlichen Legende von dem ungenähten Rock des Herrn verbunden hat, meldet nämlich, dass einst ein Held Namens Orendel(in der nordischen Heldensage heisst er Oervandil), Sochn des Königs Eigil, aus den Rheingegenden ausgezogen und nach ähnlichen Schicksalen, wie sie von Ulysses erzählt werden, in die Heimath zurückgekehrt sei; ferner führen noch bis auf den heutigen Tag manche seltsam geformte Felsen am Rhein den Namen Eigelsteine, offenbar mit Beziehung auf Eigil, den Vater des seefahrenden Helden Orendel. Es lag gar nicht fern, dass Griechische oder Römische Schriftsteller, welche alles Fremde auf das Einheimische zurückzuführen suchten, in dem abenteuernden Helden ihren Ulysses und in den Eigel- steinen Altäre, die an Laertes, den Vater ihres Helden, erinnerten, wiederzuerkennen glaubten. Genaueres hierüber findet man in Grimms Deutscher Mythologie 2. Ausgabe S. 347. und in Vilmars Geschichte der Deutschen National-Literatur 9. Auflage. S. 174. Vgl. auch Haupt, Zeitschrift 7, 558.

Wie die Gelehrten, von welchen die Anwesenheit des Ulysses bei den Germanen

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