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1 (1863)
Entstehung
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Aufschluss im Schweizer. Museum für histor. Wissenschaft Heft. 1. p. 103; ferner in der Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung von Kuhn und Aufrecht. 2, 156. etc.

Die Anwendung des lateinischen Wortes: germanus auf unsere Vorfahren ist schon an sich unwahrscheinlich, da man nicht einsieht, wie die Sieger bei einem Kampf zwischen Celten und Germanen auf lateinische Weise benannt sein könnten, ausserdem bietet unsere Stelle dieser Annahme gar keine Stütze.

Wenn aber bisher keine Deutung von Germanischer Seite hat gelingen wollen, so pleibt vorerst keine andere Möglichkeit, als das Wort von Celtischer Seite abzuleiten. Hier trifft es sich nun sehr glücklich, dass Heinrich Leo(Haupt, Zeitschrift für Deutsches Alterthum 5, 514. und Leo, Vorlesungen über die Geschichte der Deutschen I, 191 ctc.) und Jakob Grimm(Gesch. der Deut. Sprache 2. Aufl. S. 546.), jeder auf selbständigem Weg, eine übereinstimmende Erklärung des Namens gefunden haben. Sie leiten es von dem gaelisch-celtischen Worte: gair= schreien ab und fassen gairmean (sprich: girman) als einenRufer in der Schlacht), wie Homer seine Helden S ᷣƷάραχς nenne. Diese Deutung würde zum Sinn unserer Stelle, dass nach der Ansicht Römischer Schriftsteller der Name im Celtischen Lande zuerst gebraucht und zuerst für die dort eingedrungenen, dann für alle Germanen gebraucht worden sei, recht gut passen. Sie wird ausserdem noch dadurch unterstützt, dass die Endung: mani eine in vielen celtischen Namen(Cenomani, Paemani etc.) vorkommende ist. Vgl. Waitz, Deut. Verf. G. I. S. XII.

Drittes Kapitel.

In diesem Kapitel führt Tacitus die seiner eignen Meinung entgegenstehenden Ansichten an. Zuerst, dass nach der Ansicht mancher Schriftsteller(zu memorant ist aus dem Vorhergehenden quidam hinzuzudenken) Hercules bei den Germanen gewesen sei. wofür Tacitus wenigstens die Thatsache gelten lässt, dass man dort den Ersten der Helden besinge, und ausserdem über den Gesang der Germanen Einiges beifügt. Sodann erwähnt er der von manchen Schriftstellern geäusserten Vermuthung(quidam opinantur), dass Ulysses bei den Germanen gewesen und Manches hinterlassen habe, was an ihn und seinen Vater erinnere; ja dass sich in der Nähe der Grenzen zwischen Germanien und Rhätien griechische Inschriften vorfänden.

Also Tacitus selbst berichtet nicht, dass Hercules bei den Germanen gewesen sei, sondern führt es nur als eine Ansicht anderer Römischer oder Griechischer Schriftsteller an. Es verlohnt sich daher auch wol nicht der Mühe, die Gründe für oder gegen diese Ansicht, welche von Tacitus nur kurz berührt wird, zu erörtern. Dagegen ist es gewis nicht unwichtig zu untersuchen, wie die Thatsache, welche Tacitus von den Germanen berichtet, dass sie bei dem Vorrücken in die Schlacht den Ersten aller Helden besängen(denn zu