17
Tungern genannte Stamm siegreich über den Rhein drang, die Römer aber damals noch fern von jenen Gegenden waren, so ist es unwahrscheinlich, dass von ihnen der Name ausgegangen sei. Wer den Namen zuerst gegeben habe, wird in der Stelle des Tacitus gar nicht gesagt; nur soviel lässt sich, aber auch nur als Wahrscheinlichkeit, aus dem Gebrauch des Passivs:„vocati sint“ ableiten, dass der siegreiche Stamm sich den Namen nicht selbst gegeben, sondern ihn empfangen habe.
Auf den dritten Punkt der Ansicht von Holtzmann, dass nämlich zwischen Celten und Germanen nur ein gradweiser Unterschied vorhanden gewesen sei, so dass man die letzteren als die echten Celten bezeichnet habe, hier weiter einzugehen, liegt meinem Plan fern; meine Aufgabe war es nur, nachzuweisen, dass unsere Stelle wol nicht in der von jenem Gelehrten vorgeschlagenen Weise erklärt werden dürfe.— Ueber die abweichende Ansicht, welche Holtzmann bei der Erklärung unserer Stelle über das Verhältnis von natio und gens äussert, hat bereits Friedr. Thudichum in der Schrift: der altdeutsche Staat S. 168— 170. Treffendes gesagt. Auch die dort gegebene Erklärung unserer Stelle stimmt im Wesentlichen mit dem Ergebnis, zu welchem wir gelangt sind, überein. Nur, was Thudichum gegen die durch Rühs vor- geschlagene Uebersetzung von„invento nomine“ als„Vorgefundenen Namen“ sagt, scheint uns unrichtig zu sein. Denn er irrt, wenn er den Ausdruck:„invento nomine“ auch auf die Worte: a victore bezieht; derselbe bezieht sich nur auf die Worte: a se ipsis.
Wir wenden uns nun zu der Frage nach der Bedeutung des Namens: Germanen. Soviel scheint als Inhalt der Stelle festzustehn, dass die Gesammtheit der Germanen mit diesem Namen zuerst durch einen siegreich nach Gallien vordringendén Volksstamm benannt worden sei und dann erst sich selbst mit diesem Namen bezeichnet habe, oder, wie die Römischen Gelehrten sich wol richtiger ausgedrückt haben würden, sich habe benennen lassen. Wer aber diesen Namęn zuerst gebraucht habe, aus welcher Sprache er stamme und was er bedeute, darüber gibt die Stelle keine Auskunft. Da jedoch die siegreichen Germanen mit Celten kämpften, so kann nur die Frage entstehen, ob er von Celtischer oder Germanischer Seite gegeben worden sei. Was die Entstehung von Germanischer Seite anlangt, so sind bisher alle Versuche, ihn von dieser Seite abzuleiten, gescheitert.
Weder die von Greverus(im Programm des Gymn. zu Oldenburg 1850) vorge- schlagene Deutung: Ger- d. h. Speermannen, noch die von Gutmann aus dem Alt- deutschen Worte: werra abgeleitete: Wehrmannen, noch die von Goldast aufgestellte: Heermannen ist sprachlich zulässig. Die Beweise dafür findet man in der Zeitschrift für vergleich. Sprachforschung von Kuhn und Aufrecht 2, 156. u. W. Auch die Richtig- keit der von Götzinger und Wackerna gel versuchten Ableitung von:„g'ermanus“ (Volksgenosse), wornach g' aus einer uralten Zusammensetzung mit der Präposition: ga entstanden sein soll, ist unerweislich. Wer die Sache genauer verfolgen will, findet
3


