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seinen Volks-Angehörigen gebraucht. Das, was Grimm in Betreff der weltbesiegenden Römer äussert, findet seine Berücksichtigung in dem Folgenden.
„Eine audero Ansicht, die sich theilweise an die von Grimm vorgetragene anlehnt, jedoch im Ergebnis Gesentlich von derselben abweicht, hat Holtzmann(Kelten und Germanen S. 42. etc.) veröffentlicht. Er ändert in der überlieferten Lesart Nichts, er versteht aber unter dem Sieger(victore) die Römer, schreibt ihnen die Namengebung zu und findet in dem Römischen Worte die Bedeutung, qass unsere Vorfahren als die„Echten“ hätten bezeichnet werden sollen, nämlich, da zwischen Celten und unseren Vorfahren nur ein gradweiser Unterschied hestandon habe als die„echten Celten“, die weit tapfrer seien, als die den Römern früher bekannt gewordentn Celten.
Gegen jeden der drei Sätze, in welchen diese Ansicht ausgedrückt ist, lassen sich bedeutende Einwendungen machen.
Was zuerst die Meinung anlangt, dass die Worte: a victore auf die Römer zu be- ziehen seien, so berechtigt in dem Vorausgohenden kein Wort dazu, während die Beziehung auf:„qui primi Gallos expulerint“ ganz nahe liegt. Sodann geben bei dieser Auffassung die Worte„ob metum“ einen höchst auffallenden Sinn. Da es nämlich nicht wol möglich ist anzunehmen, dass bei den auf der linken Rheinseite wohnenden Germanen Furcht vor ihren Landsleuten entstehen konnte, so muss„ob metum“ als Beweggrund für die siegenden Römer aufgefasst werden, was, wenn es an sich schon auffallend ist, im Mund Römischer Schriftsteller(denn deren Ansichten meldet doch wol Tacitus) noch auffallender wird.
Wenn Holtzmann weiter in den Worten des Tacitus zu lesen glaubt, dass der Name von den Römern ausgegangen sei, so scheint er dabei durch eine Verwechselung irregeleitet worden zu sein. Die Worte besagen nämlich ausdrücklich, dass der Name denen, welche zuerst über den Rhein gegangen seien, und zwar damals(tunc) gegeben worden sei; sie besagen ferner, dass der Name erst allmälig zur vollen Geltung gelangt sei(paulatim evaluisse) und zwar so, dass die Gesammtheit der Germanen(omnes) zuerst von dem Sieger(also nach Holtzmanns Ansicht von den Römern), später sogar auch von ihren einzelnen Gliedern mit dem vorgefundenen Namen(invento nomine) benannt worden sei. Also haben die Sieger, wenn man auch unter ihnen die Römer verstehen will, nichts weiter gethan, als dass sie mit dem Namen, welcher einem siegreichen Stamm bereits gegeben war, zuerst die Gesammtheit des Volkes bezeichneten; dass sie auch den Namen aufgebracht hätten, wird mit keinem Wort gesagt. Aber man darf nicht blos sagen, dass in der Stelle des Tacitus kein Wort vorkommt, was zu der Ableitung des Namens von Römischer Seite berechtigen könnte; man darf auch ferner sagen, dass die geschicht- lichen Verhältnisse, soweit wir sie aus vorliegender Stelle und aus anderen historischen Mittheilungen kennen, die Entstehung dieses Namens von Römischer Seite sehr unwahr- scheinlich machen. Da nämlich die Entstehung damals eingetreten ist, als der nachmals


