der menschlichen Natur angemessen, noch den Stellen des Tacitus, wo von dem Hochgefühl der überrheinischen Germanen die Rede ist,(Vgl. German. 28. Treveri et Nervii ete.; ne Ubii quidem.. origine erubescunt.) entsprechend sein. So bleibt denn nur übrig,„ob metumt auf die Celten zu beziehen. Zunächst wäre freilich zu dem Wort: metus wol nur dies hinzuzudenken:„qui erat Gallis“ oder„qui inerat in Gallis“; aber es hiesse gewiss auch nicht dem Geist eines Schriftstellers, wie Tacitus, der mit so vielsagender Kürze schreibt, Zwang anthun, wenn man etwa weiterhin auch zu: metum ein Wort, wie: augendum oder ein ähnliches Wort hinzudenken wollte.
Die Worte mox etiam bezeichnen, dass später ein nicht erwarteter, ein auffallender Gebrauch des Wortes aufgekommen sei.
Der Ausdruck: a se ipsis ist im Verhältnis zu„omnes“ und zu„a victore“ deutlich bestimmt. Er bezeichnet die grosse, früher durch„omnes“ ausgedrückte Gesammtheit der Germanen mit Ausschluss der siegreich in Gallien eingedrungenen Völkerschaft und gibt an, dass die Gesammtheit zuerst von jenem siegreichen Stamm, dann aber Sogar auch von ihren diesseit des Rheins, also auf dem rechten Rheinufer, gebliebenen Gliedern als Germanen benannt worden sei.
Der Sinn von: invento nomine ist dadurch, dass diese Worte zwischen„a se ipsis- und„vocarentur stehen, genau bestimmt. Sie können nur heissen: mit dem Namen, welchen die diesseit des Rheins gebliebenen Glieder der Gesammtheit bereits vorfanden.
Zum Schluss dieser Auslegung mögen nur noch einige Worte zur Widerlegung anderer Ansichten folgen.
Jakob Grimm sagt(Gesch. d. Deut. Sprache 2. Aufl. S. 545. etc.), die Worte: a victore seien untauglich; es sei mit ihnen nichts anzufangen. Entweder müsste das Wort: victore den siegenden Heerführer der Deutschen bezeichnen, und da väre schon der Gegensatz zwischen ihm und dem Volke(a victore und a se ipsis) seltsam, noch seltsamer, dass er ein ihm fremdes Wort ob metum(incutiendum) verwandt haben sollte; oder es müsste den weltbesiegenden Römer bezeichnen, was auch aus manchen Gründen nicht passe. Er schlägt daher vor, die Worte:„a victore“ umzuwandeln in:„a victo“.
Allein gegen diese Ansicht sprechen zwei Gründe. Der erste ist, dass sie eine Aenderung des Textes erfordert, welche mit der handschriftlichen Ueberlieferung im Wider- spruch steht, und darum stets eines festen Haltes entbehren wird; der zweite ist, dass die Worte: a victore keineswegs in dem Zusammenhang untauglich oder unpassend zu sein scheinen. Sie bezeichnen nämlich nach meiner Ansicht nicht den siegenden Heerführer, wol aber den gesammten siegenden Stamm, wozu die voranstehenden Worte:„qui primi Rhenum transgressi Gallos expulerint“ einfach führen. Weiterhin ist es aber gar nicht auffallend, dass ein solcher abgetrennter Stamm der zurückgebliebenen Gesammtheit entgegengestellt werde. Ebensowenig darf es auffallen, wenn ein siegender Stamm den Namen, mit welchem ihn die zagenden Feinde belegt haben, nun seinerseits auch von


