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Forbiger III, 409. und 410. sagt, ursprünglich am Rhein südlich von der Ruhr gewohnt haben, gerade wie die Sigambri. Vgl. Grimm, G. d. D. Sprache S. 367; ForbigerII. 409.
Die Suevi, ein grosser weitreichender Volksstamm, nach Tacitus Germ. 45. vorzugs- weise im Osten ansässig(daher auch die Ostsee mare Suebicum heisst), haben, wie Grimm (G. d. D. Sprache S. 226. 342) sagt, ihren Namen von den benachbarten Slaven erhalten. Der Name bedeutet zufolge dieser Ableitung: Freie, und ist, wie Grimm ausführt, ein slavischer, keineswegs von Schweifen oder Schweben abzuleitender. Vgl. Forbiger III, 394.
Die Vandilii nahmen ursprünglich den Raum zwischen Oder und Weichsel an der Ostsee ein, zogen aber später immer weiter südlich zur Donau. Grimm, G. d. D. Sprache S§. 332 etc.; Forbiger III, 392.
Am Schluss des Kapitels findet sich eine für uns besonders wichtige Bemerkung über den Namen Germania. Sie lautet: Ceterum Germaniae vocabulum recens et nuper additum, duoniam qui primi Rhenum transgressi Gallos expulerint, ut nunc Tungri, tunc Germani vocati sint; ita nationis nomen, non gentis, evaluisse paulatim, ut omnes primum a victore ob metum, mox etiam a se ipsis invento nomine Germani vocarentur.
Wir wollen nun zuerst untersuchen, was diese Stelle über die Entstehung des Namens Germanen mittheilt, sodann, welche Bedeutung dieser Name wol haben dürfte.
In der Stelle ist aus dem Vorhergehenden hinzuzudenken: quidam affirmant... esse, wie durch den folgenden Conjunctivus offenbar wird.
Nuper hat hier dieselbe Bedeutung, wie in Kap. 1: neuerdings, und kann, wie dort, einen Zeitraum von 100 oder 200 Jahren bezeichnen, wenn es dem Alterthum, im Vorher- gehenden durch antiqua bezeichnet, gegenüber gestellt wird.
In den Worten„quoniam— expulerint“, wird, wie wol Alle zugestehen, ausgedrückt, dass zuerst ein Theil der Germanen, der jetzt Tungri heisse, über den Rhein gegangen und die celtischen Bewohner verdrängt habe, und dass diesem Stamme der Name: Germani beigelegt worden sei.
Die folgenden Worte: ita nationis nomen, non gentis, evaluisse paulatim— werden von den Meisten und mit Recht so gedeutet, dass der Name als der einer einzelnen Völkerschaft(nämlich nationis), nicht der des ganzen Volkes(gentis), allmälig zur Geltung für die Gesammtheit emporgekommen sei.
Die eigentliche Schwierigkeit der Stelle liegt in den letzten Worten: ut omnes primum a victore ob metum, mox etiam a se ipsis invento nomine Germani vocarentur, welche dess- halb einer genauen Erklärung bedürfen.„Omnes“ geht offenbar auf die Gesammtheit der Germanen.„A victore“ kann dem Zusammenhange nach nicht wol anders verstanden werden, als von denen, die vorher als die Sieger über die Celten bezeichnet worden sind.
„Ob metum“ heisst:„Um der Furcht willen“. Wer die Furcht empfunden habe, wird freilich an unserex Stelle nicht gesagt, aber an die Sieger dabei zu denken, würde weder
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