Druckschrift 
1 (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

nur aus den südlicheren bekannten in die nördlicheren unbekannten Länder hätten statt- finden können, auf Wahrheit beruhten..

Oceanus steht hier wieder in demselben Sinn, wie Kap. 1., und kann darum das Beiwort adversus(feindlich) in gewissem Sinn, was T. durch die Worte:utque sic dixerim ausdrückt, wol erhalten.

Bei dem dritten Grund: Celebrant(nämlich Germani) Tuisconem... deum terra editum u. s. w. setzt Tacitus voraus, dass unter terra das damalige Land der Germanen zu verstehen sei, und kann alsdann von seinem Standpunkt aus diesen Grund wol geltend machen, dem er manche für uns schätzbare Bemerkung beigefügt hat.

Die Ueberlieferung von Tuisko(Andere lesen Tuisto), von Mannus und von dessen drei Söhnen ist eine heilige Sage, um dadurch die Abstammung von der Gottheit und die Brudergemeinschaft der Germanen zu erweisen. Was der Name: Tuisko oder Tuisto be- deute, ist zweifelhaft; am wahrscheinlichsten dünkt mir die Vermuthung, welche Karl Lachmann zuerst aufgestellt, Karl Müllenhoff ausgeführt hat(Schmidt, Zeitschr. für Gesch. 8, 216 etc.), dass das Wort Tuisko für Tivisko zu nehmen und als der Zwie- fältige, Zweiling, nämlich als der von Himmel und Erde Geborne anzusehn sei.

Durch Mannus(abgeleitet von minnan: sinnen, denken, also das denkende Wesen) wird offenbar der Uebergang zur Menschheit angedeutet(unser Wort: Mensch ist das von man abgeleitete mannisko), und in den Namen der drei Söhne sind die mythischen Stammeshäupter der Germanen mitgetheilt, von denen Irmin oder Ermin auch sonst in der Deutschen Sage vielfach vorkommt. Zur genaueren Orientierung dienen Grimm, Gesch. der Deutschen Sprache 2. Aufl. S. 575 ctc.; D. Mythologie 2. Ausg. S. 319 etc.; Haupt, Zeitschr. für Deutsch. Alterthum 9, 249. 11, 177.; Schmidt, Zeitschr. 4, 186. 8, 221.

Neben dieser mythischen Ableitung gab es aber auch noch andere Ableitungen des Volkes und seiner Theile von der Gottheit, welche Tacitus mit den Worten anführt: Quidam affirmant, plures deo ortos... Marsos, Gambrivios, Suebos, Vandilios. Wahr- scheinlich sind unterquidam Römische oder Griechische Schriftsteller zu verstehen;(im folgenden Kapitel hat wenigstensquidam voropinantur sicher jene Bedeutung); diese stellten neben die mythische eine wenigstens mehr historische Eintheilung und behaupteten von diesen Namen, dass sie vera seien, also wol im Gegensatz von ficta, und dass die dadurch bezcichneten Stämme ebenfalls Anspruch machten von der Gottheit abzustammen. Vgl. Waitz, Deutsche Verfassungs-Geschichte I S. XV.

Die Marsi waren ein ansehnlicher Volksstamm zwischen Weser und Rhein, Lippe und Ruhr, von Tacitus Ann. 1, 50 u. 56 erwähnt, später so geschwächt, dass Tacitus ihrer in der Germania nicht weiter gedenkt. Vgl. Grimm, G. d. D. Sprache 2. Ausg. S. 430 etc.; Forbiger III, 407.

Die Gambrivii sind vielleicht gleichbedeutend mit Sigambri, da die Wurzel: gambar, kambar(= strenuus, sagus) in beiden Worten vorkommt, und da die Gambrivii, wie