Druckschrift 
1 (1863)
Entstehung
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Die Nordgrenze dehnt Tacitus bis zum äussersten Norden aus, nämlich bis zum Oceanus oder genauer bis zu einem mare, von dem es Kap. 44. heisst: pigrum ac prope immotum, quo cingi cludique terrarum grbana hinc fides, also bis zum nördlichen Eismeer und rechnet daher nicht blos die jütische Halbinsel, ie er wol unter: latos sinus mit- versteht, sondern auch Norwegen und Schweden, die er für insularum immensa spatia hält. zu Germanien, offenbar mit Grund, da er alles Land der freien Germanen umfassen will. Der Name Occanus begreift bei ihm sowol die Nordsee(sonst mare Germanicum genannt), als auch das nördliche Eismeer. Zum Beweis dienen die Kap. 44. bis 46. der Germania. Das freie Germanien des Tacitus umfasst also einen Raum, der nach dem mässigsten Anschlag mehr denn 20,000 Quadratmeilen betragen dürfte.

Die Worte:nuper cognitis gentibus quibusdam ac regibus, quos bellum aperuit beziehen sich wol auf die Entdeckungen, zu welchen die Unternehmungen des Drusus, des Tiberius und Germanicus(von 12 v. Chr. bis 16 n. Chr.) Veranlassung gaben. Nuper heisst: neuerdings, im Gegensatz zur Kunde der Vorfahren.

Auf die Bezeichnung der Grenzen lässt Tacitus eine kurze Beschreibung der beiden Grenzströme folgen.

Die Alpes Rhaeticae begreifen die Alpen vom Sct. Gotthard(diesen einschliesslich) bis zur Ortles-Spitze. Forbiger III, S. 115. Anm. 66.

Die Wortemodico versus mögen sich wol auf die westliche Wendung vom Boden- See bis zur Rheinbeugung bei Basel beziehen.

Der Name: Oceanus septentrionalis, in welchen sich der Rhein ergiesst, bezeichnet zwar zunächst die Nordsee, aber weiterhin auch das nördliche Eismeer, nämlich den Oceanus, welcher in Kap. 44. und 45. erwähnt wird.

Jugum montis Abnobae ist der Schwarzwald, wie durch Inschriften, dergleichen man zu Badenweiler und anderwärts gefunden hat, unwiderleglich dargethan wird. Höchst wahrscheinlich ist das Wort ein celtisches, wenigstens kein Deutsches.

Das Jugum heisstmolle, um den mit Erde bedeckten Boden gegenüber dem kahlen und unfruchtbaren Gebirgsstock der Alpen zu bezeichnen.

Ueber die Zahl der Donau-Mündungen schwanken die Angaben der Alten zwischen 7 und 2, sowie über die Schiffbarkeit der Mündungen. Vgl. Forbiger III, 326. und 327.

Zweites Kapitel.

Tacitus spricht zuerst die Ueberzeugung aus, dass die Germanen nicht eingewandert seien, und in Verbindung damit die andere, dass sie ein unvermischtes Volk seien.

Die zwei Gründe, welche er für diese, freilich ganz irrige, Meinung anführt, machen ihm übrigens keine Schande. Denn sie würden richtig sein, wenn die zwei Voraussetzungen des Tacitus, dass Einwanderungen nur zu Schiff statt gefunden hätten, und dass sie alsdann