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1 (1863)
Entstehung
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für unsicher oder für unbedeutend hielt, wie man aus Kap. 29. schliessen darf. Tacitus gibt also hier die Grenzen der Germanen in politischem Sinn an, vergisst aber im Verlaut seiner Schilderung nicht gelegentlich anzuführen, in wiefern germanische Völkerschaften ausserhalb derselben, oder nichtgermanische Yölker innerhalb derselben sich nieder- gelassen haben.

Unter den Grenzen nennt Tacitus zuerst die Lande der unter Römischer Herrschaft stehenden Gallier, Rhätier und Pannonier, welche Germanien im Westen und Süden umgaben. Zu beachten ist, dass Tacitus die Rhätier mit den Galliern durch die Partikel: que verbindet, beiden die Pannonier durch die Partikel: et anfügt. Unter dem Namen: Galli ist nämlich die Römische Provinz Gallia zu verstehen, deren Bewohner vorzugsweise Celten waren. Sie grenzte an Germanien von der Mündung des Rheins bis zum Bodensce. Von da begannen die Wohnsitze der Rhätier, eines Volkes, das in den Provinzen Vindelicia und dem südlicheren eigentlichen Rhätien, sowie in Noricum wohnte und seinen Haupt- bestandtheilen nach ebenfalls celtisch war. Das Genauere siehe bei Forbiger, Handbuch der alten Geographie III. 434. 441. 448. Die Wohnsitze der Rhätier bildeten also die Grenze vom Bodensee bis zum Mons Cetius, dem heutigen Kahlenberg.(Forbiger III. 447).

Die Pannonier dagegen waren ein illyrisches Volk, wie Forbiger III. 467. aus Appian und Strabo nachweist; Tacitus selbst bezeugt Kap. 43. der Germania, dass ihre Sprache von der Celtischen und Germanischen verschieden gewesen sei.

Als Grenznachbarn der Germanen im Osten nennt Tacitus die Sarmaten und Dacier, bestimmt aber die Grenze ziemlich ungenau durch die Worte:aut montibus aut mutuo metu. Die Sarmaten dürfen nach Jakob Grimms Meinung(Gesch. d. Deutsch. Sprache 2. Aufl. Seite 120. und 159., wo ihr Name als mit dem Namen Sorben und Serben in der Wurzel übereinstimmend nachgewiesen wird) als Grundlage des grossen slavischen Volkes angesehen werden. Nach andern genaueren geographischen Angaben wurden sie durch die Weichsel, sowie durch das Mährische Gebirge und durch die Karpathen von den Germanen geschieden(Forbiger III, 1112). Die Karpathen machten auch die Grenze zwischen ihnen und den Daciern, die weiter nach Süden, zwischen March und Theiss, die Nachbarn der Germanen waren, wenigstens bis zur Zeit des Römischen Kaisers Claudius. (Seit dieser Zeit nämlich drängte sich ein sarmatischer Stamm, Jazyges Metanastae, zwischen die March und Theiss ein, den jedoch Tacitus nicht berücksichtigt. Vgl. Forbiger III, 1111). Tacitus setzt auch hist. 4, 54. die Sarmaten und Dacier in Ver- bindung und trennt sie überall von den Germanen. Ausserdem ist es ausgemacht, dass sie seit den Zeiten Octavians mit den Geten zusammenwohnten. Vgl. Forbiger 1104. Anm. 55. Ob nun aber die Geten, wie Jakob Grimm(Gesch. d. Deut. Sprache 2. Aufl. S. 124 etc.) nachzuweisen sucht, gleichbedeutend mit Gothen, und ob auch die Dacier, wie dort angenommen wird, germanisch oder wenigstens den Germanen verwandt gewesen seien, mag dahin gestellt bleiben.

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