Druckschrift 
1 (1863)
Entstehung
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Aus dieser Uebersicht über den Inhalt der Schrift dürfte sich zugleich ergeben, dass die in unsern Ausgaben gebräuchliche Ueberschrift der Germania dem Sinn des Tacitus nicht ganz entspricht. Die Ueberschrift, welche in den meisten unserer gedruckten Ausgaben gefunden wird, ist nämlich aus dem Codex Perizonianus, dem werth- vollste unter allen, entnommen und lautet: De origine situ moribus ac populis Germanorum liber; allein es ist nach dem, was Tacitus Kap. 27. sagt, sehr zweifelhaft, ob das Wort: situ neben den Worten: origine und moribus einen Platz verdient, aber gar nicht zweifelhaft, dass es, wenn es überhaupt geduldet werden soll, nicht die zweite, sondern die erste Stelle einnehmen müsste. Denn wenn überhaupt in der Ueberschrift vom situs Germanorum die Rede sein soll, so müsste es mit Beziehung auf das erste Kapitel geschehen.

Noch weniger kann die Ueberschrift, welche Orelli im zweiten Band seiner Ausgabe des Tacitus(Turici 1848) der Germania vorgesetzt hat, auf Billigung Anspruch machen. Sie lautet nämlich: De situ moribus ac populis Germaniae liber. Denn wenngleich bei dieser Ueberschrift die Stellung von situs eine angemessenere ist, so fehlt doch das, was Tacitus in Kap. 27. als einen wesentlichen Gegenstand des ersten Theils bezeichnete, nämlich der Ausdruck: de origine, und dafür ist das, was er als untergeordnet gar nicht erwähnt hat, nämlich: de situ, hinzugesetzt worden.

Da die meisten übrigen Handschriften hinsichtlich der Ueberschrift von dem Codex Perizonianus abweichen, was offenbar auf ein Schwanken der Ueberlieferung hinsichtlich dieses Punktes hindeutet, so dürfen wir es wol wagen, ohne die Auctorität der Hand- schriften für uns zu haben, die Ueberschrift nach dem Sinn des Schriftstellers zu bestimmen. Sie würde, soweit die Worte in Kap. 27. dazu berechtigen, lauten: De origine moribusque ac populis Germanorum liber.

Erstes Kapitel.

Tacitus gibt hier, gewissermassen als Einleitung zur nachfolgenden Schilderung des Volkes, eine Beschreibung vom Lande desselben, und zwar gibt er diese Beschreibung, wie wir jetzt sagen, in politischem Sinn. Er will es nämlich, wie er auch durch den AusdruckGermania omnis andeutet, insoweit es ein Ganzes bildet, bezeichnen, und nennt also nicht alle Gegenden, in welchen Germanen wohnen, sondern nur diejenigen, in welchen sie frei und selbständig wohnen. Darum nimmt Tacitus keine Rücksicht auf die zahlreichen germanischen Stämme, welche damals schon auf dem linken Rheinufer wohnten, obgleich er derselben später im 28. Kapitel selbst gedenkt, weil sie unter Römischer Herrschaft standen. Andererseits berücksichtigt er auch die damals unter Römischer Herrschaft stehenden agri decumates nicht, weil er diesen Besitz entweder